Cropredy 2003

31 Dez

Hier sind meine Impressionen aus dem Jahr 2003.

„Richard Thompson has just arrived at gate 1“ – mit diesem Satz kommentierte Mick Bullard,  Steward auf dem Cropredy-Festival 2003, und Drummer von Freeway Jam, einen heftigen Regenguß, der Dinge nass werden ließ, die besser trocken geblieben wären. Dave Pegg verteilte gerade gönnerhaft Programmhefte und lehnte eine Zigarette mit den Worten „it’s too early“ ab. Freeway Jam waren 1991 meine allererste Band gewesen, die ich in Cropredy live gesehen habe, eines von vielen Beispielen für Musiker, die ich vorher nicht kannte, und durch Cropredy liebgewann. REGEN ist jedoch nicht der Aufhänger für Cropredy 2003 gewesen – im Gegenteil. Der genannte Mick Bullard ist unten auf einem Foto zu sehen, als er gerade beeindruckt der Trevor Burton Band lauscht.

1. Tag, Donnerstag, 07.08.2003

Jonah Jones, legendäre Figur im Fairport-Umfeld – Gott habe in selig, denn er verstarb vor einigen Jahren –  und 2003, wie so oft „Publikumsmoderator“ begrüßte das Cropredy-Publikum pünktlich um 16.30 Uhr am Donnerstag. Zuvor hatte ich mich noch blamiert, als mich mein Freund Paul Smith jemandem vorstellte, der sich auch sehr nett mit mir unterhielt. Am Ende verabschiedete ich mich und fragte noch einmal nach seinem Namen. Es war Ray Laidlaw, der Drummer von Lindisfarne, die am selben Tag abends auftraten. Mir war’s schon ziemlich peinlich, daß ich ihn am Ende nach seinem Namen fragte, aber ein netter Begrüßungskuss von Kellie While von der Albion Band, die mir gleich anschließend über den Weg lief, hob meine Laune wieder um ein Beträchtliches. Es war ein guter Anfang, bevor die erste Band auf die Bühne trat.

Jonah Jones versprach dann noch, das Wetter während des Festivals werde hervorragend sein, und daß wir alle dies‘ nach den beiden vorangegangenen Jahren sehr wohl verdient hätten. Er warnte angesichts der hohen Temperaturen vor allzu großem Alkoholgenuss.

Colvin Quarmby waren eine gute Einheizerband. Sie bestätigten den positiven Eindruck, den ihr zuvor von mir schon angehörtes Album „Beth’s Electric Birthday“, von dem sie auch mehrere Titel spielten, u.a. das großartige Bone in a dinosaur, gemacht hatte. Das Zusammenspiel der vier war sehr überzeugend, und sie durften nicht ohne Zugabe gehen, die da betitelt war:  „there’s something wrong with the pictures that I’m painting.“ Colvin Quarmby sind Nick Quarmby, Gerry Colvin und Martin Fitzgibbon, letzterer der Originaldrummer der „Rocky Horror Picture Show“, und auch auf dem Paper Lace Hit „Billy don’t be a hero“ für die Marching Drum zuständig. Nach dem Konzert traf ich die Jungs und fragte, warum sie denn bei dieser Hitze in Schwarz gekleidet seien. Sie bedauerten es, aber es sei ihr Image.

Zwischendurch traf ich bei bester Laune Ulla Hilger, und sie lud mich prompt zu einem schmackhaften 6X ein. Sie erzählte mir, daß sie sehr glücklich sei, daß die Mark Gillespie Band endlich in Cropredy auftreten dürfe  (mehr weiter unten) und daß alle Leute, die mit diesen Musikern Bekanntschaft gemacht hätten, bereits total begeistert wären. Das steigerte natürlich meine Vorfreude auf das Konzert am Freitag. Ron Schut, Fanzine-Macher aus Holland, war begeistert von meiner Idee, Dave Pegg vorzuschlagen,  für nächstes Jahr Golden Earring als Hauptband am Freitag abend zu engagieren. Am ADA-Plattenstand versuchte ich immer wieder, Neil Wayne abzupassen. Er hatte mir per E-Mail ein Besprechungsexemplar der neuen Dave Swarbrick-Box zum halben Preis versprochen. Es wurde ein permanent erfolgloser Versuch. Mr. Wayne war nie anwesend. Die Beschäftigten am Stand waren nach einer Weile so genervt, daß einer von ihnen mir eine Zeichnung machte, wie denn Neil Wayne aussehe, damit ich nicht immer fragen müsse, ob er da sei.

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Meet On The Ledge (Name einer Band) traten gegen 18.00 Uhr auf die Bühne Cropredys und absolvierten einen astreinen Folkrock-Set. Für mich war Banks of the sweet primroses, als Jig gespielt, ein echtes Highlight. Bester Wortwitz ihrerseits war, daß „naive“ umgekehrt gesprochen „evian“ sei.

Astreinen Blues-Rock präsentierte die Trevor Burton Band. Burton war 1966 Gründungsmitglied von The Move gewesen und ist ein alter Kumnpel von Dave Pegg. Er spielte auch lange Zeit mit Steve Gibbons zusammen. Die Band spielte einen gute Stimmung machenden Set, der interessante Coverversionen bot. Darunter waren Further on up the road („I’m gonna hurt you like you hurt me“) und eine grandiose Version von Dave Mason’s Feelin‘ alright  („I’m not feelin‘ too good
myself“). Ein tolles Konzert, und „Forever Young“ wippte im 12-Takt-Rhythmus über das Feld. Mick Bullard, Steward, mein guter Freund, und Drummer von Freeway Jam (unten abgebildet), freute sich ganz besonders über den Auftritt von Trevor Burton. Auch zu sehen ist aus dem Publikum eine junge Mutter und ihre Tochter, die sich ebenfalls über ein gelungenes Festival freuten.

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Den Abschluß des ersten Abends bildeten Lindisfarne, die viele Fans angelockt hatten. Leider hatte ich hier keine Gelegenheit zum Fotografieren. Überraschenderweise begannen sie den Set gleich mit der Newcastle-Hymne schlechthin, Fog on the Tyne. Prächtige Stimmung war somit von Beginn an garantiert. Run for home, ihr größter Verkaufserfolg (1978), animierte weite Teile des Publikums zum Mitsingen. Mein persönlicher Favorit war Clear white light, eingeleitet von einem mitreissenden Schlagzeug-Solo. Lindisfarne spielte einen sehr lebendigen Set. Die Band hat ja schon ein paar Jährchen auf dem Buckel. Nicht auf dem Programm stand eine weitere Hymne, nämlich We can swing together .

 

 

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