Cropredy 1991 – my first Cropredy

15 Jun

Nachdem ich im März 1991 als „Spätzünder“ Fairport Convention zum ersten Mal live erlebt hatte, reiste ich dann im August des selben Jahres auf Anregung meines Freundes Volker aus Berlin erstmals zu Fairports eigenem Festival. Und es war eine gute Entscheidung.

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Cropredy, beziehungsweise Banbury, wo wir im „Amberley Guest House“ wohnten (man beachte auf dem Foto unten den damals noch moderaten Übernachtungspreis !), begann jedoch für mich persönlich mit einer sehr traumatischen Erfahrung. Nach Ankunft am Vormittag ließ ich an einer Telefonzelle meine Handgelenktasche mit sämtlichen wichtigen Unterlagen liegen (Geld, Pass, Eintrittskarten usw.), und die nachfolgenden Stunden ließen in mir den Wunsch aufkommen, diese Reise niemals angetreten zu haben. Dann aber meldete sich das örtliche Polizeirevier, und es hatte tatsächlich ein ehrlicher Finder alles dort abgegeben. Es fehlte nichts. Das Festival begann etwa zwei Stunden später, und ich stürmte gleich nach vorne zur Bühne, um die allererste Band aus nächster Nähe zu erleben. Auf die Bühne traten Freeway Jam, und sie starteten ihren wunderbaren Set mit dem Bluesklassiker „I feel so good“, und das drückte exakt meine Gefühle in diesem Moment aus. Ich habe mit den Leuten der Band, die aus dem Ort Barford St. Michael stammt, wo auch Fairports „Woodworm Records“ ansässig ist, hernach, meine Geschichte erzählend, sofort Freundschaft geschlossen. Und die hält bis heute an. Ben Bennion und Mick Bullard haben auf ewig einen festen Platz in meiner persönlichen Cropredy-Historie. 2002 traten sie übrigens wieder als Opener an, und ich beschenkte sie mit einem umfangreichen Fotoband. Traditionell spielen sie seit einigen Jahren jeweils am Montag nach dem Festival im Pub „The George“ in Barford St. Michael. Unbedingt empfehlenswert !

Cropredy 1991 machte mich, wie auch alle weiteren Festivals, mit einigen mir vorher nicht gehörten Namen bekannt, die mich zum Erwerb einer CD oder Cassette bewogen. Sehr gut gefielen mir am ersten Tag „The Storm“ aus Irland, die aus den Multiinstrumentalisten James Mc Nally und Tommy Mc Manamon bestanden. Höhepunkt des ersten Tags natürlich die Richard Thompson Band, damals in der Besetzung Pete Zorn, Shawn Colvin, Pat Donaldson, John Sherman (accordion) und David Derge (drums).

Der zweite Tag begann mit einem Besuch des uralten Pubs „Red Lion“ im Ort Cropredy, direkt neben der Kirche. Dort schienen alle mir bekannt gemachten, gutgelaunten Typen „Dave“ zu heißen, und sie tranken sich im wahrsten Sinne des Wortes warm für das Festival. Die Band Blinder um Dave Peggs Sohn Matt Pegg verpasste ich. Einen sehr schönen Auftritt hatte Jay Turner, der viele Jahre später in Cropredy als Imitator des australischen Vogelunikums Kookaburra glänzte. The Poor Mouth, eine Band um Jackie Mac Auley (Ex-Them) heizte mit Gaelic Rock mächtig ein. Kurz darauf machte ich eine Erfahrung, die für dieses Festival typisch ist. Ich unterhielt mich mit einem sehr netten Menschen, und wir tranken ein schmachhaftes „6X“ zusammen. Plötzlich verabschiedete er sich, er „müsse mal eben wohin“. Kurz darauf erkannte ich ihn auf der Bühne als Gitarrist der Steve Gibbons Band wieder. Es war P.J. Wright, heute eines meiner Gitarrenidole, und ich hatte nicht gewußt, mit wem ich da spreche. Deren Konzert bot zahlreiche Höhepunkte. Auch Steve Gibbons persönlich mischte sich später direkt „unters Volk“, und es gab den einen oder anderen, fotografisch dokumentierten Smalltalk. Sehr sympathische Atmosphäre ! Bei der Gelegenheit lernte ich auch Paul Smith kennen, vielbeschäftigter Tontechniker, der mit der fast kompletten Folkrockszene Englands zusammengearbeitet hat.

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Ein Leckerbissen waren Whippersnapper, die allerdings Dave Dwarbrick nicht mehr zu ihren Reihen zählen konnten. Chris Leslie, Kevin Dempsey und Martin Jenkins konnten mich dennoch sehr überzeugen. Eine sehr erfreuliche Entdeckung waren Alias Ron Kavana, um den politisch engagierten Bandleader. Die damals erstandene CD „Coming Days“ wird von mir seit Jahren immer wieder mal gerne in den Player gelegt. Er hatte eine sehr gut eingespielte Band dabei, die eine sehr melodiöse und hochrhythmische irische Variante des Folkrock bot.

Als Anheizer für die natürlich am Ende des Festivals auf die Bühne tretenden Fairport Convention fungierte der 1976 kurzzeitige französische Fairport-Gitarrist Dan Ar Bras. Dann war es eine herrliche, erstmals gemachte Erfahrung, Fairport Convention bei einem „Heimspiel“ zu erleben. Da haben sie mehrere tausend Fans als Unterstützung, die auch einzelne Feinheiten kommentieren und beklatschen. Besonderer Gast war die Sängerin Julianne Regan von All About Eve, der Dave Pegg väterlich das Mikrofon richtete. Herzlich willkommen war natürlich auch Jerry Donahue, den man ansonsten auch des öfteren an der immens langen Bar findet. Als Moderator durch das Festival fungierte Kontrabass-Legende Danny Thompson, der auch mit der Durchsage von Fußballergebnissen bis zur dritten Liga für willkommene Unterhaltung sorgte.

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Copredy 1991 war für mich der Beginn einer langjährigen unverzichtbaren Reisetätigkeit im August, und natürlich auch ein wichtiger Ansporn, meine später veröffentlichten beiden Bücher über Fairprt Convention, zu verwirklichen.

Nachfolgend ein paar empfehlenswerte Tonträger im Zusammenhang mit Cropredy 1991

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