Cropredy Festival – a place to be

1 Feb

Seit 1991 war ich über fünfzehn Mal bei Fairport Conventions Festival in Cropredy. Das besondere an diesem Ereignis ist das Flair. Ich habe kein einziges Mal in den vielen Jahren agressives Verhalten im altersmäßig sehr gemischten Publikum erlebt. Das offene Verhältnis zwischen Musikern und Publikum ist nur deswegen möglich. Die „Stars“ wissen, sie können sich ihr Bier an der öffentlichen Bar holen und dort genehmigen, weil niemand sie auf unangenehme und lästige Art angeht. Die Bar ist ebenfalls ein Thema für sich. Sie ist vom Ausmaß her so großzügig, daß man selten länger als zwei, drei Minuten auf sein Getränk anstehen muß. Die Essensstände bieten eine selten erlebte, internationale, Vielfalt. Für mitgebrachte Kinder gibt es ein umfangreiches Beschäftigungsprogramm. Das wichtigste ist natürlich die Musik. Jedes Jahr, wenn ich von Cropredy wieder nach Hause gereist bin, habe ich mindestens drei, vier neue Namen von Bands oder Solokünstlern mitgenommen, die ich vorher nicht gekannt hatte, von jetzt an aber weiterverfolgte, weil sie mich musikalisch ansprachen. Und nirgendwo habe ich so viele Musiker, auch sehr bekannte, persönlich kennenlernen können wie in Cropredy. Der einzige, der sich nicht „unter’s Volk“ mischte, war meines Wissens Ian Anderson von Jethro Tull. Aber das ist ein anderes Thema. Ich habe z.B. mit Robert Plant ein paar Worte gewechselt. Das wäre auf einem Rockfestival nicht möglich gewesen.

Was ist eigentlich Cropredy ? Es ist ein kleiner Ort mit knapp 1.000 Einwohnern in Oxfordshire, etwa 8 Kilometer von Banbury entfernt. In dem beschaulichen Dorf wohnten bisweilen Mitglieder von Fairport Convention, wozu natürlich die Tatsache, daß es mit dem „Red Lion“ und dem „Brasenose Arms“ zwei gemütliche Pubs gibt, zusätzlichen Anreiz gegeben haben dürfte. Beide Örtlichkeiten sind auf Covern von Fairport-Scheiben verewigt. 1976 gab es im Rahmen eines Dorffestes einen ersten Auftritt von Fairport Convention in Cropredy, der in den Jahren danach bei wachsendem Publikumszuspruch Fortsetzung fand. 1979, als sich die Band wegen des Hörschadens von Dave Swarbrick offiziell auflöste, gab es das erste etwas größere Ereignis, das man schon als Festival bezeichnen konnte, und 4.500 Fans verabschiedeten die Band in Tränen. Sie mussten befürchten, Fairport Convention zum letzten Mal gesehen zu haben. Dave Pegg und seine Frau Christine bauten eine Adressdatei auf, durch die sie ständigen Kontakt zu den Fans pflegten. So kamen in den folgenden Jahren immer mehr Besucher zu dem nun alljährlich veranstalteten Wiedersehenskonzert in Cropredy. 1981 musste es woanders stattfinden, weil die Pacht der Wiesen in diesem Jahr nicht möglich war. So begab man sich ins „Broughton Castle“, in der entgegengesetzten Richtung ebenfalls nahe Banbury. Als man nach einer Weile jährlich mehr als 10.000 Besucher begrüßen konnte, welche die Band und ihre vielen Bühnengäste sehen und hören wollten, entschloss man sich die Band neu zu formieren, um nicht immer wieder nur die alten Stücke spielen zu müssen. Seit „Gladys‘ Leap“ von 1985 gibt es nun bis heute immer wieder neue Fairport-Alben. Und seit 1985 hat es auch nur zwei personelle Änderungen im Line-Up gegeben. 2004 drohte das Ende für das Festival, da die Peggs sich scheiden ließen, und Christine Pegg einen Großteil der organisatorischen Arbeit geleistet hatte. Man wußte nicht, ob adäquater Ersatz gefunden werden könnte. Die Übergabe der Organisation an eine professionelle Agentur kam aufgrund der dann zu erwartenden hohen Kosten nicht in Frage. Aus einem ähnlichen Grund vertrieb auch Fairport Convention seine Alben und Fanartikel auf dem eigenen Label (Woodworm, später Matty Grooves), um von Leuten, die Geld kassieren, obwohl sie kaum Arbeit beigetragen haben, unabhängig zu bleiben. Die Hoffnung auf ein Fortbestehen des Festivals bewog mich 2004, meine Anreise aus Deutschland mit dem Fahrrad anzukündigen, falls es wahr werden würde. Dazu mehr an anderer Stelle unter „Ausflüge“. Mit Gareth Williams, einem alten Hase im Konzertbusiness, und Freund der Band, wurde ein geeigneter Nachfolger für Christine Pegg gefunden. Und 2017 wird Fairport Convention in Cropredy seinen 50.Geburtstag feiern.

Ich werde auf dieser Homepage nach und nach von allen durch mich besuchten Cropredys Kurzberichte und zahllose Fotos, die mir in der Regel durch einen „Fotografenpass“ möglich gemacht wurden, platzieren. Einfach oben auf „Musik“ und „Cropredy“ klicken, und dann durch die Jahre scrollen.

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