Mark Gillespie - Barefoot And Naked
(2002, Chocolate Factory)


Solo-CD, erschienen auf dem Eigenlabel der MGB, die nicht die Absicht hat, bei einer großen Plattenfirma unterzukommen.
Über Internet, Konzertverkauf und lokale Plattenhändler, sagen sie, sind ihre treuen Fans besser zu bedienen.
Gleich beim ersten Stück Supersonic sunday fällt die angenehme Stimme auf, die mich ein wenig an
Herman Brood erinnert. Die Musik wird getragen von einem sehr groovigen Rhythmus und einfallsreichen Basslinien.
Das von Mark gespielte Akustikgitarrensolo ist sehr gekonnt. My dreams mit schnittiger Akustikgitarre (das macht wohl die
jahrelang Praxis als Straßenmusiker) schlägt in die selbe Kerbe, nur sparsam von Percussion begleitet und ebenfalls
mit schönem Solo. Hold me down bringt einen ziemlichen Stilwechsel und deutet auf eine Vorliebe für Musik à la Nirvana hin.
Metro man besticht durch seine vertrackte Rhythmik, die überraschend eingesetzte Flöte und den ungewohnten
Sprechgesang. The road beginnt mit einem Saxofon-Intro und ist unterlegt von einem sphärischen Klangteppich aus
Klavier und Keyboards. Die warmen Basstöne kommen sparsam und sanft. In eine ganz andere Richtung geht
Daydreamer's son, modern gespielter Rock mit vielen knackigen Gitarrenriffs und beschwörender Gesangsstimme.
Day after day ist dann noch einmal so ein für mich überflüssiger Nirvana-Ausflug. Dafür zählt das danach
folgende Once in a while zu meinen eindeutigen Favoriten auf dieser CD. Dezent und unaufdringlich,
musikalisch fein ziseliert, mit kurzen Riffs, sparsamen, warmen Basstönen und einem Fuzz-Effekt,
der das Ganze stimmungsmäßig steigert. I'm so tired ist ein schöner Midtempo-Rocker mit gekonntem
E-Gitarrensolo. Der verschleppte Backbeat passt perfekt. Ein schnittiges Akustikgitarren-Intro, die dann
einsetzende Geige, eine treibende Rhythmussektion, interessante Breaks und ein feines Solo auf der Akustischen
prägen Givvin it up. Mit einem Pizzicato begrüßt uns New dimension, das dann begleitet von Sprechgesang,
mit Streichern unterlegt wird. Daß synthetische Drums nicht aufdringlich sein müssen,
beweist I need your love, eine sehr ruhige Nummer, bei der die Ausdrücksstärke von Mark Gillespies Stimme
sehr gut zur Geltung kommt. Die Atmosphäre des Songs fängt Dich unwiderstehlich ein und lässt
Dich wie gebannt lauschen. Groovig und jazzig, mit lateinamerikanischer Rhythmik, attraktiver Akustikgitarre
und Scatgesang kommt The way things go daher. Witzig sind die kurz eingesetzten Bläser-Stakkati.
Die Musik versetzt einen in die Stimmung eines sommerlich warmen Partyabends im Freien.
Sehr originell ist die nur 1 Minute dauernde Schlußnummer Little song, mit den Worten:
"here's a little song, it's almost finished, and now it's gone"
 

Barefoot And Naked ist eine angenehme, in vielen Passagen von Akustikgitarre geprägte, Scheibe,
die weit besser klingt als so manche dem Trend hinterher hechelnde "Unplugged"-Veröffentlichung der letzten Jahre.
Ich persönlich freue mich, die Mark Gillespie Band in Cropredy (2003) zu sehen.

Mark Gillespie Website
Cropredy-Bericht 2003