The Hush

Vorschau auf Cropredy 2003

Am Samstag um 15.00 Uhr wird diese musikalisch sehr gut aufeinander eingespielte Band
versuchen, das Cropredy-Publikum in Stimmung für den krönenden Abschluß zu bringen.
Sänger der Gruppe ist Bob Fox, der vergangenes Jahr am Freitag als
unterhaltsamer Moderator glänzte. Zudem sorgte er nach dem Festival backstage,
zusammen mit ein paar anderen Enthusiasten, mit seiner Gitarre und Interpretationen
zahlloser Klassiker, für gute Stimmung. Die Gruppe spielt Traditionals aus dem
Nordosten Englands, davon einige mit einem für die Arbeiterklasse sich einsetzenden
Hintergrund. Bob Fox hat eine sehr angenehme Stimme, die bisweilen ein wenig an Ralph
Mc Tell erinnert. Und er spielt eine schmissige Akustikgitarre, und bisweilen auch Bouzouki.
Herausragend beim Anhören der aktuellen CD (Besprechung nachfolgend)
war für mich persönlich Gitarrist Jed Grimes. Er spielt wunderbare Leadgitarre,
mit sparsamen fill-ins, ab und zu Slide, und manchmal bricht sogar ein Faible für die
Saitenkunst Richard Thompsons durch - und das durchaus sehr gekonnt.
Und das alles ist kein Wunder, war Grimes doch von 1969 bis 78 Mitglied der legendären
Hedgehog Pie aus Newcastle, einer tollen Folkrock-Band, zu der zeitweise auch
Dave Burland gehörte, der 1992 mit His Master's Choice ein Album mit Covers von
Richard Thompson Songs veröffentlichte. Jed Grimes war zeitweilig auch Mitglied der
Gruppe Jack The Lad, einem Lindisfarne-Ableger, dessen 75-er Album Rough Diamonds
(ohne Grimes) übrigens ein gewisser Simon Nicol produzierte.
Saxofonist Garry Linsley streut das eine oder andere, für Abwechslung sorgende,
Solo ein. Attraktive Tupfer bringt auch Keyboardspieler Graham Wood ins Spiel.
Und das Rhythmusteam, Bassist Neil Harland und Drummer Paul Smith  (nicht verwandt mit
dem Soundman), harmoniert prächtig, bisweilen gar mit lateinamerikanischen
Polyrhythmen. Zu dieser Musik kann getanzt werden.

Bob Fox, als bester traditioneller Sänger, und die Band Hush, mit Here's the tender coming


Bob Fox

als bestem traditionellen Lied, waren für die "BBC Radio 2 Folk Awards" nominiert.
Beide Preise heimste später die berühmte Folktochter Eliza Carthy ein.
Jed Grimes hat gerade (Juli 2003) sein Soloalbum Head On veröffentlicht.
Auf diesem wird er außer durch The Hush auch von Tarras begleitet, die 2001
in Cropredy überzeugen konnten. Nachzulesen durch Klick.
Das auf der unten besprochenen Hush-CD ebenfalls vertretene Byker Hill  wurde von Grimes
kürzlich mit AC/DC's Brian Johnson aufgenommen, der ebenfalls ein erklärter Geordie ist.
Zu finden auf dem Sampler "From Tyne To Tweed", möglicherweise auf dieser Website
bald rezensiert, wenn Cropredy 2003 hinter uns liegt (aber daran mag ich gar nicht denken!!!).

The Hush gastiert eine Woche vor Cropredy auf dem Cambridge Folk Festival.


The Hush - Dark To The Sky
(MAWSON AND WAREHAM   MWMCD  SP 54,  2002)

Als langjähriger Plattensammler hat man gewisse Ansprüche an eine neue Scheibe,
aber diese CD war mir vom ersten Ton an sympathisch. Eingängiges, zum Mitmachen animierendes Intro von Akustikgitarre und Percussion, ein pumpender Bass, ein bißchen Orgel, und ein kurzes Sax-Solo, dann die angenehme
Stimme von Bob Fox
Jack Crawford  handelt von einem englischen Nationalhelden aus Sunderland, 
der 1797 bei der Schlacht um Camperdown gegen die Holländer die hinweggeblasene englische Flagge, todesmutig hinaufkletternd, wieder auf dem Segelmast anbrachte, und dabei einen Schuss in die Backe kassierte.
A U Hinny Burd  beschreibt textlich und musikalisch den Nordosten Englands.
Die Band fabriziert einen mitreissenden Rhythmus, gar mit einem Percussion-Solo, in das später eine feine Akustikgitarre einsteigt, und der Refrain animiert unwiderstehlich zum Mitsingen. Going to the mine ist eine 
Ballade über das Leben eines Bergwerkarbeiters, geschrieben (wie auch Track 1) von Johnny Handle, einem Folkidol des Nordostens. 
Das bei der BBC nominierte Here's the tender coming ist akustischer Rock allerbester Güte, sehr rhythmisch, sehr groovig. 
The Bonny Gateshead Lass, ein Lied über einen guten Kumpel, ist ein mitreissender Swing, das Schlagzeug nur mit den Besen gespielt.
Eine meiner Lieblingsnummern ist The row in the gutter, mit wunderbarer,
Thompson-ähnlicher Leadgitarre und vertracktem Rhythmus. Attraktiv der Sprechgesang, der jedoch nicht die geringste Ähnlichkeit mit Rap hat.
Oakey's strike evictions ist, wie auch die Nummer zuvor, ein Lied aus dem Arbeiterkampf der Bergwerker, geschrieben von Tommy Armstrong im 
19. Jahrhundert. Sehr schön hier die akustische Leadgitarre. 
Sair Fyel'd Hinny , ein besinnlich arrangiertes Traditional, wird dominiert von 
Klavier und Stimme. Es handelt vom Altwerden und dessen körperlichen Auswirkungen und stammt aus dem County Durham. Im zweiten Teil geht es in einen Reel über, ungewohnterweise getragen von einem Saxofon-Solo.
Shoemaker  - einer dieser Ohrwürmer, die einen tagelang nicht mehr loslassen.
Eigentlich nur ein harmloses Liedchen, aber das Arrangement macht's aus.
Und die Saxofon-Passagen erinnert ganz bewußt an den Motown-Helden 
Junior Walker
The South Medomsley strike wurde ebenfalls von Tommy Armstrong geschrieben, der mit seinen Liedern gegen soziale Ungerechtigkeit anzukämpfen versuchte. 
Die Gitarre von Jed Grimes glänzt in bester thompsonscher Folkrock-Manier.
Trousers and coverlets ist ein Medley aus 2 Slip-Jigs aus Northumberland,
gespielt im dort üblichen 3/2-Rhythmus.
Guard yer man weel  handelt von den zuhause auf ihre hart arbeitenden Männer wartenden Frauen, geschrieben von Johnny Handle
Ein Highlight zum Abschluß der CD ist Byker Hill, ein Geordie-Anthem, hier überraschend im Kontext einer Rockband, mit einer grandiosen Strat von 
Jed Grimes. Das Stück handelt von einer seinerzeit gänzlich ungewöhnlichen Politik, die das Walker-Bergwerk praktizierte. Dieses partizipierte seine
Arbeiter an dem durch neue Technologien erzielten höheren Gewinn.