CROPREDY 2000

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update 24.05.09

Incredible String Band
Dave Mattacks-Witz
All About Eve
Eddi Reader 
& Anna Ryder
Little Johnny England
Keith Donnelly
Maartin Allcock
     
Iain Matthews
Backroom Boys
Albion Band
Robert Plant 
& Priory Of Bryon
Kristina Donahue
The Hamsters
Show Of Hands
Fairport Convention
After Show Party
 Cropredy in der Presse

Zum ersten Mal über drei Tage war das von Dave & Christine Pegg wie immer perfekt organisierte Cropredy-Festival erneut ein Höhepunkt des Jahres. Es gab keinen wirklich enttäuschenden Act, und an einen Vertrag mit "dem da oben" hatte man auch wieder gedacht.


 Es war heiss - Roland brauchte einen Ventilator

"Forever Young" kam im zehnten Jahr erstmals als Camper und war angenehm überrascht, was das Einweisen auf den Platz anging. Nach dem Prinzip "wer zuerst kommt, ergattert den günstigsten, zum Festivalgelände nächstgelegenen Platz" winken freundliche Helfer die Anreisenden durch unmißverständliche Handzeichen so ein, daß am Ende Fahrzeug und Zelt genügend Raum haben, und ein genügend breiter Fahrweg freigehalten wird, um ohne Probleme vom und zum Platz zu kommen. Einschränkungen im sanitären Bereich muß man natürlich in Kauf nehmen, da die vorhandenen Toilettenwagen nicht stündlich gereinigt und entsorgt werden können, und die Warteschlangen vor den Duschen bisweilen längere Wartezeiten nötig machten. Mit einem Zeltplatz, der nur etwa 500 Meter Luftlinie von der Bühne weg war, konnte "Forever Young" letztendlich mehr als zufrieden sein. Auf dem Zeltplatz findet sich auch noch ein großes Zelt mit Frühstücksangebot und eines der Samariter. Das davor sitzende freundliche Mädel, von mir angesprochen, erklärte mir, sie seien für jeden da, der dringend einen Gesprächspartner brauche. Gerade bei einem Ereignis wie diesem, wo alle gut drauf sind, fühlten sich einsame Menschen oft noch einsamer.


 War er einsam ?

Einziger wirklich negativer Aspekt  waren die, auch durch den äußerst ungünstigen Wechselkurs bedingten, Preise. Fast 9 Mark für ein Bier, über 50 Mark für ein T-Shirt (auch CDs waren kaum günstiger) sind schon sehr happig.


Mr. Cropredy himself:  Dave Pegg


Spass beim Sountrack: Martin Carthy und Dave Pegg

Witziger Moderator des diesjährigen Festivals war Keith Donnelly, der es verstand, das Publikum stets bei Laune zu halten. Sogar zu einer Frisbee-Partie zwischen ihm auf der Bühne und einigen Besuchern kam es. Die amerikanischen Gäste in Cropredy begrüßte er mit der Anekdote, in den USA gäbe es Straßenschilder mit der Aufschrift "In case of literacy follow this sign" - zu deutsch: "falls Sie lesen können, folgen Sie diesem Zeichen".

Traditionell wurde das Festival von einer lokalen Band eröffnet - Spank The Monkey, die langjährigen Besuchern von Auftritten im Hof des "Red Lion" bekannt sein dürfte. Sie spielten einen astreinen Rhythm & Blues, auch mit bekannten Klassikern, der den Kreislauf des Publikums groovig anregte.

Mit Spannung erwartet wurde die Incredible String Band um Mike Heron, Robin Williamson und Clive Palmer. Mit einer Mischung aus recht schrägen Folksongs und schottisch / keltischen Instrumentals lieferten sie einen zwar wenig rockigen aber sehr außergewöhnlichen, bisweilen abgefahrenen, Set ab. Instrumentale Virtuosität und der wunderbare schottische Akzent von Williamson waren die  hervorstechenden Merkmale.


Robin Williamson von der Incredible String Band


 Mike Heron von der Incredible String Band


 Clive Palmer  von der Incredible String Band

In der Zwischenzeit lief mir im Backstagebereich Anna Ryder über den Weg. Sie erzählte, sie sei beinahe von einem Rotkreuzauto überfahren worden und meinte, die hätten halt nichts zu tun und wollten sich selber Arbeit schaffen. Der Drummer der Band Freeway Jam, die 1991 das Festival eröffnet hatte, arbeitete als Steward und erwähnte, die Band habe eine neue CD, mit Coverversionen, herausgebracht. Sobald sie mir in die Hände fällt, wird sie natürlich an dieser Stelle besprochen werden.


 Der Soundtower

Phil Beer erzählte, daß bald die Möglichkeit bestehe, daß Show Of Hands eine kleine Deutschland-Tour machen. In Nürnberg, wo sie auf dem Stadtfest aufgetreten seien (wo Fairport letztes Jahr enthusiastisch gefeiert wurde) habe er einen sehr interessierten  Konzertagenten namens "Hans" kennengelernt. Mindestens genauso interessant war, was Beer vom Auftritt auf dem Sidmouth-Festival einen Tag zuvor berichtete:  Spontan sei es beim dortigen Konzert von Ralph Mc Tell zu einer fünfstimmigen a-Cappella-Fassung von Streets Of London, die auch noch live im Radio übertragen wurde, gekommen. Mit dabei waren Phil Beer, Steve Knightley, Julie Matthews und Chris While. Wer einen Mitschnitt dieser Sendung auftreiben kann, ist herzlich willkommen, sich an mich zu wenden.


 Ein Original

Ulla Hilger, deutsche Tourorganisatorin der Fairports, erzählte den neuesten Dave Mattacks-Witz:
(D.M. war leider, ebenso wie Richard Thompson, dieses Jahr nicht in Cropredy)

Ein Schlagzeuger, der tödlich verunglückt ist, klopft an der Himmelstür und wird von Petrus freundlich begrüßt und für sein Leben in vorbildlicher Manier gelobt. Er habe deshalb alle Wünsche frei, was seinen Aufenthalt da oben angehe. Der Angesprochene gab sich jedoch bescheiden, wünschte lediglich ein kleines Appartement, und daß er es auf keinen Fall mit Dave Mattacks zu tun haben wolle. "Der ist sowieso nicht hier", beruhigte ihn Petrus. Am ersten Abend saß der neue Himmelsbewohner auf seinem Sofa, trank gemütlich ein Glas Wein und plötzlich hörte er von nebenan den Klang eines Schlagzeugs, und der Stil kam ihm bekannt vor. Sofort rief er bei Petrus an und klagte, sein Wunsch bezüglich Dave Mattacks sei doch wirklich nur ein bescheidener gewesen. Petrus entgegnete dem ärgerlichen Burschen, das neben seinem Appartement sei nicht D.M. sondern Gott. "Er denkt nur, er sei Mattacks", fügte er noch an.

Über die P.A. lief während den Umbaupausen von Dave Pegg zusammengestellte Musik von Band oder CD. Dabei fiel insbesondere ein Song von David Hughes auf, in dem es u.a. heißt: "nobody smokes in America, nobody jokes about America."

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Julianne Regan


Martyn Willson-Piper von All About Eve

Den würdigen Abschluß des ersten Abends bildeten die wieder auf die Szene zurückgekehrten All About Eve um die attraktive Sängerin Julianne Regan. Sie lieferten ein sehr gutes Konzert ab und mußten insgesamt 5 Stücke Zugabe spielen. Die lange Zeit durch Krankheit zurückgeworfene Julianne Regan war sehr gut drauf und wirkte äußerst lebendig. Natürlich war sie auch für die Fotografen ein gefragtes Objekt. Mit Martyn Willson-Piper, Ex-Mitglied der australischen Band The Church, bot All About Eve einen großartigen Gitarristen auf, der einige bemerkenswerte lange, und spektakuläre Soli spielte. Um 23.00 Uhr ging ein gelungener erster Tag zu Ende.


 Julianne probt das Feedback


 Enjoying All About Eve

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 Der Gitarrist Martyn probt auch das Feedback und rennt dann schnell nach vorne


 Martyn Willson-Piper

Am Freitag war es schon frühmorgens abzusehen, daß es ein heißer Tag werden würde. Bereits um 8.00 Uhr gab es bei den Duschen eine lange Schlange. Im Frühstückszelt, bewirtet von Mitgliedern des Fußballclubs, begrüßte eine Bedienung, die aber selbst auch nicht besonders gut drauf war, einen Gast mit den Worten:  "It's too early for a smile, isn't it?" Ein Spaziergang am Kanal entlang zeigte, welch idyllische Atmosphäre Cropredy und Umfeld zu bieten haben. Da ankerten liebevoll mit Blumen geschmückte Boote, saßen entspannte Menschen an Deck und genossen die Zeit des Müßiggangs, und zwischendurch schwammen Enten und Schwäne an den Booten vorbei.

Das musikalische Programm eröffnete Freitags um 13.00 Uhr der für den Rest des Festivals ansonsten als Ansager fungierende Keith Donnelly. Er ist ein äußerst witziger Entertainer (wenn man nur alles verstehen könnte) und auch passabler Gitarrist. Immer wieder unterbrach er den musikalischen Teil mit Witzen, wobei er die Leute frech aufforderte, nun auch zu lachen. Donnelly durfte mehrere Gäste, die teilweise dann sogar ohne ihn spielten, begrüßen. Zusammen mit Anna Ryder am Akkordeon spielte er einen Blues mit Cajun-Feeling, versuchte sich an einem Gitarrensolo und verletzte sich beim allzu heftigen Hochreissen der Gitarre an der Nase.


Eddi Reader

Nächster Überraschungsgast war Eddie Reader, die nicht ohne Zugabe auskam. Ihren großen Hit "Perfect" sang sie auf persönlichen Wunsch ihres Sohnes. Anna Ryder amüsierte mit einem ländlichen Jodler, der durch Schafgemäe aufgelockert wurde. Keith Donnelly kam zurück und fragte ins Publikum, ob irgendjemand einen Abba-Song singen könne. Einer der Safety Guards vor der Bühne traute sich und sang Dancing Queen zu einem ungewöhnlichen Bo Diddley-Rhythmus.


 Eddi Reader & Anna Ryder

Als sehr gute Bluessängerin entpuppte sich die als nächster Gast aufkreuzende Gillie Derby. Donnelly kündigte einen "Protestsong über Leute, die Protestsongs singen" an. Als er zum wiederholten Male herzlichen Beifall einheimsen konnte, bedankte er sich mit den Worten: "Normalerweise ernten wir nur spontane Apathie".

Hinter der Bühne probten mittlerweile Eddie Reader und David Hughes, die sich wohl entschlossen hatten, gemeinsam etwas vorzutragen. Love's a bitch, but I love her war einer der letzten Höhepunkte des unerwarteten Auftritts von Keith Donnelly und seinen Gästen.

Zwischenzeitlich sprang "Mädchen für alles" und Stagedirektor John "Jonah" Jones als Ansager ein und forderte die Leute auf, ihren Abfall in die dafür vorgesehenen Tonnen zu werfen. Den Zettel, von dem er das ablas, warf er anschliessend auf den Boden. Ist das typisch englischer Humor?

Die Tanzwut regte anschließend Little Johnny England an. Gitarrenmeister P.J. Wright freute sich ganz besonders, daß das
Publikum viele der Texte der Stücke der eben erst erschienenen CD bereits kannte und mitsang. Die Band bot gutes Zusammenspiel und richtiggehende solistische Duelle(Gitarre, Geige, Melodeon) auf der Basis eines treibenden Folkrockrhythmus, der einen Hauch Cajun und Bluesrock mit einbezog. Der junge Geiger stellte eine Eigenkomposition vor, zu der man nur tanzen könne, wenn man drei Beine habe. Sehr gut an kam eine neue Komposition von Quetschenmann Gareth Turner und P.J. Wright namens My heart is where my home is to be.


Gareth Turner von Little Johnny England


 Little Johnny England

Wright kommentierte den Text mit den Worten "not bad for a box player". Die Band spielte fast durchgehend druckvoll und hart, mit oft ungewöhnlichen interessanten Taktzeiten. Am Bühnenrand klatschten Simon Nicol und Martin Allcock anerkennenden Beifall.


 Gareth Turner, Guy Fletcher und P.J. Wright

Gegen Ende kündigte Turner einen Folksong an, worauf Wright entgegnete, er sei ein Rock'n Roller. Turner aber ließ verlauten, er habe in Wrights Wohnzimmer eine Martin Carthy-Platte entdeckt. Als Zugabe spielten Little Johnny England eine grandiose Version von Little Feats "Dixie Chicken".


P.J. Wright  von Little Johnny England


Maartin Allcock hat's sehr gut gefallen

Anschließend gab es herzlichen Beifall für Iain Matthews, der nach 1986 erst zum zweiten Mal in Cropredy auftrat. Begleitet wurde er von Andy Roberts und Mark Griffiths, womit wir 3/4 von Plainsong quasi für ihren letzten Auftritt auf der Bühne zu stehen hatten.
"Wir sind nicht traditionell"  bemerkte Matthews, "wenn man jedoch unser Alter zusammenzählt, dann sind wir dann doch traditionell".


Mark Griffiths, Iain Matthews, Andy Roberts

Matthews lebt nach 27 Jahren in den USA jetzt wieder in Europa (Amsterdam), um "den Sinn des Lebens herauszufinden, aber sagt mir, wenn es zu spät ist."

Die Musik des Trios, mit oft gänsehauterzeugendem dreistimmigen Gesang, war angenehm entspannt, wobei Roberts auf der
akustischen Gitarre oder der Bouzouki immer wieder kurze, aber feine Soli beisteuerte. Höhepunkte waren für mich persönlich das
neueI'm stranded, Compass & chart, Rain of 62 und das vor der ersten Zugabe als Abschluß gespielte sehr druckvolle (das einzige rockige Stück) Back of the bus, das gar nicht enden wollte. Totenstille beim Zuhören und anhaltenden Beifall erntete dann das als Zugabe a cappella vorgetragene From Galway to Graceland, geschrieben von Richard Thompson. Das vorläufige Ende von Plainsong ist angesichts dieses Auftritts sehr zu bedauern.

Am späten Nachmittag schließlich traten dann die Backroom Boys auf die Bühne, und da war Gitarrenrock höchster Qualität garantiert. Mit "Wir sind die Backstreet Boys, obwohl wir sicherlich wie ihre Väter aussehen", fand Doug Morter gleich den richtigen witzigen Einstieg, wenn der Gag auch alt ist.

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 Doug Morter und Alan Thomson

Er schlug dem Publikum seinen "Plan" vor, der da hieß, es sei am besten, wenn sie spielten und das Publikum betrunken würde. Denn je betrunkener die Leute wären, umso besser klängen sie. Am Schlagzeug saß der vielbeschäftigte Gerry Conway. Blickfang, und von ihrem Vater stolz vorgestellt, war Gastsängerin Kristina Donahue. Sie sang eine von der Band interessant arrangierte Version des Evergreens Whiskey in the jar. Die Backroom Boys spielten einen insgesamt sehr blues-rockigen Set. In 12 Bar Bender sorgte der Gast an den Tasten - kein Geringerer als Martin Allcock - für den Bläsersatzersatz (dieses Wort betrachte ich als von mir erfunden). Mystery Train sagte Spaßvogel Morter als einen Titel an, den "vor vielen Monden ein anderer berühmter Folksänger namens Elvis Presley" aufgenommen habe. Das eingestreute Pedal-Steel-Solo kam in Wirklichkeit aus Allcocks Keyboard. Weitere gespielte Titel waren Brief encounter, Bright lights, big city von Jimmy Reed und als bis zum Höchsttempo zum Höhepunkt getriebener Abschluß der Orange Blossom Special. Allcock streute ein "Bonanza" - Zitat ein. Gast bei einer Nummer war Ric Sanders.

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Gerry Conway mit Leib und Seele dabei  /  Maaaaartin Allcock gern gesehener Überraschungsgast


  So mag ich Maart am liebsten:  mit der elektrischen Gitarre

Als gegen 20.00 Uhr der Himmel wolkenlos war und dank umgehängtem nassen Handtuch der Nacken von Sonnenbrand
verschont geblieben war, freuten sich alle auf die Rückkehr der Albion Band nach Cropredy. Sie hatten wenige Wochen zuvor einige sehr schwach besuchte Konzerte in Deutschland absolviert.


 Kellie While
Umsomehr war es ihnen an diesem Abend zu gönnen, daß sie mit fast dem gleichen Set hier von mehr als 15.000 Leuten
tosenden Beifall ernteten. Ashley Hutchings räumte ein, dies' sei das größte Publikum für diese Besetzung gewesen.
Schon die erste Nummer, ein Instrumental von Teufelsgeiger und Publikumsliebling Joe Broughton, sorgte für beste Laune. Richard Thompsons Unlucky in love folgte ein Medley aus der Fernsehserie "Ridge Riders", die laut Hutchings nur etwa 1000 Leute aus dem Publikum kennen dürften, weil sie nur in Südengland ausgestrahlt wird. In "Ken's hornpipes" gab es gar ein Drumsolo zu bestaunen.
Makellos und bestens aufeinander eingespielt wirkte die Albion Band. Kellie While bewies, daß es eine Zukunft der weiblichen Stimmen im Folk-Rock gibt. Aus dem Rahmen fiel die zehnminütige Zugabe  - als Symbol für die Vielseitigkeit der Band jedoch bestens
geeignet -   ,ein Blues-Medley, bei dem Geiger Joe Broughton und Drummer Neil Marshall Gitarrensoli intonierten, während Kellie While am Schlagzeug saß. Nur Ashley Hutchings blieb bei seinem angestammten Instrument.

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Kellie While, Joe Broughton, Ashley Hutchings

Mit gespannter Erwartung harrte man dann der Band Priory Of Brion um Dave Pegg-Kumpel Robert Plant, der im übrigen
unzählige Autogramme zu schreiben hatte. Die Songauswahl Plants war sehr geschmackvoll. Zum Programm gehörten Bluebird von Stephen Stills, Morning dew von Tim Rose, If I were a carpenter, Hey Joe, eine Nummer aus Elmer Gantrys "Velvet Opera", ein mir entfallener alter Soultitel von Ben E. King, sowie die beiden ehemals von Van Morrison's Them bekanntgemachten Gloria und Baby please don't go. Mir persönlich behagte jedoch, von wirklich ansprechenden Beiträgen auf der Hammond abgesehen, der Stil der Band nicht. Einen Gitarrist der ersten Liga vermisste man bei diesem Programm am meisten. Offenbar waren viele Besucher auch meiner
Meinung, denn das anfangs noch gut gefüllte Feld, leerte sich schon bald bis zur Hälfte. Man konnte hinter dem Soundtower
ohne Mühe durch die zahlreichen Lücken quer über das Gelände laufen, was normalerweise am Freitagabend in Cropredy eher schwierig ist.

Am Samstagmorgen um 7.45 Uhr begab ich mich auf dem Zeltplatz zum Kaffeholen, und Dave Pegg,  bepackt mit vier oder fünf Kaffebechern, und begleitet von einem Kind, war überraschend auch schon unterwegs und hatte Probleme, sein Auto
aufzubekommen, wobei ihm "Forever Young" natürlich bereitwillig Hilfestellung leistete. Daß er mich ausgerechnet nach meiner Meinung zu Robert Plant fragte, war für mich nicht überraschend. Ich sagte ihm, das Programm habe mir gefallen, um nicht in ein Fettnäpfchen zu treten. Um 10.00 Uhr gab es vor 100 interessierten Zuhörern den Fairport-Soundcheck auf der Hauptbühne zu bewundern. Martin Allcock bediente das Keyboard und die 12-saitige Gitarre aus Ahornholz eines vorgesehenen berühmten Überraschungsgastes.

Anschließend begab sich "Forever Young" ins "Banbury House Hotel", wo zur Präsentation der eben erschienen Sandy Denny - Biografie "No more sad refrains" eingeladen war. Als Video gezeigt wurde ein seltener, käuflich nicht erwerbbarer BBC-Film, in dem Sandy Denny solo die Stücke Northstar grassman, Crazy lady Blues (mit ungewohntem Fingerpicking-Gitarrenspiel) und Late November vorträgt. Die Stimmung im Raum war irgendwie bedrückend und ergreifend. Jerry Donahue war schon vorher hinausgegangen, kam dann aber (mit Sonnenbrille) zurück und ließ sich die Clips noch einmal vorspielen, nachdem die meisten Gäste wieder gegangen waren. Kristina Donahue kündigte mir gegenüber an, sie werde am Abend eine Denny-Nummer singen, und auch drei Stücke zusammen mit Iain Matthews.

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Kristina Donahue / Iain Matthews

Das Festival war mittlerweile Aussagen meiner Freunde zufolge mit der recht guten Coverband The Unprofessionals, zu der zwei Söhne des Freeway Jam-Gitarristen Ben Bennion gehören und dem viel Beifall erhaltenden Bob Fox, dessen neue CD mit Fairport-Unterstützung sowieso immer wieder über die P.A. als Zwischenmusik gespielt wurde, weitergegangen.

Stackridge mit einer Mischung aus Folk-Rock, 70's Art Rock und Pop sorgten zwar nicht gerade für Begeisterungsstürme, waren aber auf jeden Fall eine Truppe, die Niveau und Geschmack bot. Sympathische Randerscheinung war zwischendurch, daß ein Mädel von der Crew der Veranstalter mit einem Eimer Wasser und Schwamm ausgerüstet über's Gelände lief und für Abkühlung sorgte. Ein unter der Hitze leidender und nun etwas zufriedener wirkender Zeitgenosse kommentierte:  "Ich habe selten schönere Erfahrungen im Leben gemacht, aber es gibt welche".

Sehr laut für Stimmung sorgten wie schon ein paar Jahre zuvor die Hamsters mit ihrer Mischung aus Jimi Hendrix- Titeln und an ZZ Top angelehntem Power-Rock. Der Gitarrist und die druckvolle Rhythm Section (genaue Namen der Musiker werden der Öffentlichkeit verschwiegen) präsentierten sich als instrumental auf hohem Niveau stehendes klassisches Rocktrio. Zu den Höhepunkten zähltenWho knows von Hendrix' "Band Of Gypsies"- Album, das Medley Purple Haze / Star Spangled Banner, der Cadillac Walk und zwei, drei eigene Stücke in offensiv treibender Bluesrockmanier.

Die Gemüter etwas beruhigen konnten dann als vorletzter Programmpunkt Show Of Hands, die aber für ein akustisches Duo
dennoch erstaunlich laut spielen. Die beiden konnten auf eine große Fangemeinde im Publikum bauen, die jedes ihrer Stücke kannte und mitsang. "The oak", "No song to sing" von Michael Chapman (Phil Beer sagte, dieser sei wieder auf Tour), Cars, ein rockiger Blues, Cousin Jack und The Galway farmer als Abschluß waren für mich die besten Nummern. Eine Zugabe wurde ihnen leider nicht mehr gestattet,weil es der Zeitplan nicht mehr zuließ.

Als Fairport dann die Bühne betrat war der Jubel natürlich groß - dreieinhalb Stunden "greatest Folk Rock band of the world" standen schließlich an. Sie begannen mit einem mir unbekannten Instrumental-Medley und ließen Dangerous folgen. Simon Nicol steuerte die gewohnt messerscharfen Riffs bei. Als Reminiszenz an die lokalen Besucher kam Banbury Fair, über einen Markt, der jedes Jahr
im Oktober in Banbury stattfindet, und den ChrisLeslie den Leuten dringend anriet, einmal zu besuchen. Mit Crazy man Michael, mittlerweile als eine von Simon Nicols Paradestücken zu bezeichnen, und Hexhamshire Lass (Chris Leslie Dave Swarbrick stilistisch überzeugend nachempfindend) folgten die ersten älteren Stücke. Dann wurde Maartin Allcock auf die Bühne gebeten, und fiel wieder einmal durch extravagantes Outfit auf. Er spielte wie immer großartig Gitarre, für ein Stück seines neuen Soloalbums OX 15 und Red Tide, sowie Jewel in the crown. Der nächste Gitarrenhero schloß sich an, und "Maart" wechselte zum Keyboard. Gerry Conway begrüßte Jerry Donahue mit den Worten: "I'm godfather to his daughter"

Rockin' the dog, von Donahue einst als Werbemusik für "Hush Puppies" eingespielt, bedeutete einen stilistischen Wechsel im Programm. Die bildhübsche Kristina Donahue(der stolze Blick des Vaters war unübersehbar) wagte sich durchaus überzeugend an Sandy Dennys Gold dust. Danach verließen Pegg, Sanders und Allcock die Bühne, und Gründungsvater Ashley Hutchings
kam freudig bejubelt zum Mikrofon. Er bemerkte mit süffisantem Lächeln, daß Dave Pegg ihn als einen Mann mit der gleichen Haarfarbe begrüßt hatte. Hinzu stieß noch Iain Matthews, und zusammen mit Kristina Donahue sang er aus den "Heyday"-Tagen Gene Clarks
Tried so hard, Richard und Mimi Farinas Reno, Nevada und ein ergreifend schönes Suzanne von Leonard Cohen.

Es ging weiter mit fairportuntypischem Material - aber sie können ja sowieso alles spielen. Für die aussteigenden Ashley Hutchings und Iain Matthews kamen Pegg, Sanders, Leslie und Allcock (Akkordeon), und als weiterer Gast Eddi Reader auf die Bühne. Sie sang eine countryähnliche Nummer namens Hummingbird, und Jerry Donahue spielte ein stilistisch passendes Solo allererster Güte. Als zweite Nummer sang sie What you do is what you get, wozu Maartin Allcock elektrischen Kontrabass spielte. Dann war wieder Zeit für Fairport-Material. Ric Sanders und Chris Leslie spielten wieder einmal im Schnellzugtempo den Bowman's retreat fast unisono.

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Netter als Cliff Richard -- Fairports Chris Leslie   /   Vollblutmusiker Ric Sanders   /   Simon Nicol

Unglaublich herzlich, weil angesichts des beängstigenden gesundheitlichen Zustands kaum einer mit einem Auftritt gerechnet hatte, war dann der Empfang für Dave Swarbrick. "Trotz aller widrigen Ereignisse und auch zum Trotz des Daily Telegraph", kommentierte
das Erscheinen seines wohl langjährigsten und treuesten musikalischen Freundes. Es wurde die Frage aufgeworfen, was zuerst da gewesen sei, die Henne oder das Ei, worauf Swarbrick korrigierte, die folgende Melodie sei zuerst da gewesen. Natürlich kam jetzt The hen's march thru' the midden / Four poster bed -  Donahue mit den bekannten Gitarrenlicks wie auf dem "Rosie"-Album. Als wunderschönes Fiddle-Trio" folgte dann My heart's in New South Wales, als Erinnerung an Swarbricks Australien-Zeit. Swarbrick ließ es sich nicht nehmen, auch bei "Sir B.Mc Kenzie's daughter's lament for the 77th mounted lancers' retreat from the straits
of Lochmond, in the year of our Lord 1748, on the occasion of the announcement of her marriage to the Laird of Kinleakie"
mitzuspielen.

Anschließend wurde Martin Carthy als der Mann mit den schönsten Hemden auf dem ganzen Gelände angesagt. Dave Pegg, der dann nur ein bißchen Percussion beisteuerte,  wurde durch Ashley Hutchings abgelöst, und Fairport spielte eine alte Albion Band-Single
- Postman's knock, und die Besucher tanzten kräftig mit.

Eine sehr schöne Idee - auch als Pause für die Band - war es, nun das klassische Duo Martin Carthy & Dave Swarbrick mit dem Publikum allein zu lassen. Sie brachten Both ears in the tail.

Es folgten drei Stücke mit Fairport allein vom "Wood & the wire"-Album, doch dann war schon der nächste Gast auf der Bühne: Bob Fox, laut Dave Pegg ein echter Partyhengst, der die anderen anlässlich der vergangenen Winter-Tour unter den Tisch getrunken habe, durfte
einen Song seines im Woodworm-Studio aufgenommenen neuen Albums vortragen. Pegg entschuldigte sich für die Ansage, da die Frau von Bob Fox im Publikum sei. Herrlicher 4-stimmiger Gesang kennzeichnete eine Version von Andy M. Stewarts
(Silly Wizard) Ramblin' river. Bob Fox ging und Fairport brachte The Hiring fair und The wood & the wire als kurze Beruhigung,
ehe der nächste lautstark umjubelte Gast antrat: Roger Hodgson von Supertramp. Er lebt mittlerweile seit vielen Jahren in Paris und kündigte seinen ersten Auftritt auf einer englischen Bühne seit 17 Jahren an. Es ist klar, daß die Klassiker Breakfast in America, The logical song und Give a little bit ein begeistertes Publikum fanden. Hodgson schob solo ein Stück seiner neuen CD, "Open the door", ein.

Als John Gaudie, aus einem Fairport-Konzert nicht mehr wegzudenken, sich anschloß, wurde allen klar, daß das Finale nicht mehr weit war. Matty Groves, wieder einmal völlig neuartig arrangiert, und die unvermeidliche Hymne Meet on the ledge mit unzähligen  Bühnengästen (auch Steve Gibbons war gekommen) sorgten für den gewohnt wehmütigen Ausklang.


Anna Ryder

Nach Ende des offiziellen Programms gab es bis früh in den Morgen eine private Session im Backstagezelt, an der Eddi Reader, Dave Pegg (Akustikgitarre), Anna Ryder und ein mir unbekannter Geiger beteiligt waren.


 Eddi Reader und Dave Pegg beim Jamming - Ulla Hilger und Unbekannt lauschen

Zum gejammten Material gehörten Nummern wie Loudon Wainwrights "Swimming song", Joni Mitchells "A case of you" und "Big yellow taxi", "Love me" (Elvis Presley), die Hank Williams-Klassiker "Your cheatin' heart", "Jambalaya" und "Mind your own business", eine hinreissende Bob Dylan-Parodie von Dave Pegg mit "All along the watchtower" (auf Wunsch von "Forever Young") und Lennon / Mc Cartneys "I want to hold your hand". Um fünf Uhr morgens, als ich mich wirklich nicht mehr wach halten konnte, war ein Ende der privaten
Jamsession noch nicht abzusehen. Sie hatten ihren Spaß - Vollblutmusiker halt !


 Stephanie Pegg, Simon Nicol, Paul Smith



 Banbury Guardian Vorabwürdigung