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New photographs !!!!!
update 24.05.09
Zum ersten Mal über drei Tage war das von Dave & Christine Pegg wie immer perfekt organisierte Cropredy-Festival erneut ein Höhepunkt des Jahres. Es gab keinen wirklich enttäuschenden Act, und an einen Vertrag mit "dem da oben" hatte man auch wieder gedacht.
Es
war heiss - Roland brauchte einen Ventilator
"Forever Young" kam im zehnten Jahr erstmals
als Camper und war angenehm überrascht, was das Einweisen auf den
Platz anging. Nach dem Prinzip "wer zuerst kommt, ergattert den günstigsten,
zum Festivalgelände nächstgelegenen Platz" winken freundliche
Helfer die Anreisenden durch unmißverständliche Handzeichen
so ein, daß am Ende Fahrzeug und Zelt genügend Raum haben, und
ein genügend breiter Fahrweg freigehalten wird, um ohne Probleme vom
und zum Platz zu kommen. Einschränkungen im sanitären Bereich
muß man natürlich in Kauf nehmen, da die vorhandenen Toilettenwagen
nicht stündlich gereinigt und entsorgt werden können, und die
Warteschlangen vor den Duschen bisweilen längere Wartezeiten nötig
machten. Mit einem Zeltplatz, der nur etwa 500 Meter Luftlinie von der
Bühne weg war, konnte "Forever Young" letztendlich mehr als zufrieden
sein. Auf dem Zeltplatz findet sich auch noch ein großes Zelt mit
Frühstücksangebot und eines der Samariter. Das davor sitzende
freundliche Mädel, von mir angesprochen, erklärte mir, sie seien
für jeden da, der dringend einen Gesprächspartner brauche. Gerade
bei einem Ereignis wie diesem, wo alle gut drauf sind, fühlten sich
einsame Menschen oft noch einsamer.
War
er einsam ?
Einziger wirklich negativer Aspekt waren die, auch durch den äußerst ungünstigen Wechselkurs bedingten, Preise. Fast 9 Mark für ein Bier, über 50 Mark für ein T-Shirt (auch CDs waren kaum günstiger) sind schon sehr happig.
Mr.
Cropredy himself: Dave Pegg
Spass
beim Sountrack: Martin Carthy und Dave Pegg
Witziger Moderator des diesjährigen
Festivals war Keith Donnelly,
der es verstand, das Publikum stets bei Laune zu halten. Sogar zu einer
Frisbee-Partie zwischen ihm auf der Bühne und einigen Besuchern kam
es. Die amerikanischen Gäste in Cropredy begrüßte er mit
der Anekdote, in den USA gäbe es Straßenschilder mit der Aufschrift
"In
case of literacy follow this sign" - zu deutsch: "falls Sie
lesen können, folgen Sie diesem Zeichen".
Traditionell wurde das Festival von einer lokalen Band eröffnet - Spank The Monkey, die langjährigen Besuchern von Auftritten im Hof des "Red Lion" bekannt sein dürfte. Sie spielten einen astreinen Rhythm & Blues, auch mit bekannten Klassikern, der den Kreislauf des Publikums groovig anregte.
Mit Spannung erwartet wurde die Incredible String Band um Mike Heron, Robin Williamson und Clive Palmer. Mit einer Mischung aus recht schrägen Folksongs und schottisch / keltischen Instrumentals lieferten sie einen zwar wenig rockigen aber sehr außergewöhnlichen, bisweilen abgefahrenen, Set ab. Instrumentale Virtuosität und der wunderbare schottische Akzent von Williamson waren die hervorstechenden Merkmale.
Robin
Williamson von der Incredible String Band
Mike
Heron von der Incredible String Band
Clive
Palmer von der Incredible String Band
In der Zwischenzeit lief mir im Backstagebereich Anna Ryder über den Weg. Sie erzählte, sie sei beinahe von einem Rotkreuzauto überfahren worden und meinte, die hätten halt nichts zu tun und wollten sich selber Arbeit schaffen. Der Drummer der Band Freeway Jam, die 1991 das Festival eröffnet hatte, arbeitete als Steward und erwähnte, die Band habe eine neue CD, mit Coverversionen, herausgebracht. Sobald sie mir in die Hände fällt, wird sie natürlich an dieser Stelle besprochen werden.
Der
Soundtower
Phil Beer erzählte, daß bald die Möglichkeit bestehe, daß Show Of Hands eine kleine Deutschland-Tour machen. In Nürnberg, wo sie auf dem Stadtfest aufgetreten seien (wo Fairport letztes Jahr enthusiastisch gefeiert wurde) habe er einen sehr interessierten Konzertagenten namens "Hans" kennengelernt. Mindestens genauso interessant war, was Beer vom Auftritt auf dem Sidmouth-Festival einen Tag zuvor berichtete: Spontan sei es beim dortigen Konzert von Ralph Mc Tell zu einer fünfstimmigen a-Cappella-Fassung von Streets Of London, die auch noch live im Radio übertragen wurde, gekommen. Mit dabei waren Phil Beer, Steve Knightley, Julie Matthews und Chris While. Wer einen Mitschnitt dieser Sendung auftreiben kann, ist herzlich willkommen, sich an mich zu wenden.
Ein
Original
Ulla
Hilger, deutsche Tourorganisatorin der Fairports, erzählte
den neuesten Dave Mattacks-Witz:
(D.M. war leider,
ebenso wie Richard Thompson, dieses Jahr nicht in Cropredy)
Ein Schlagzeuger, der tödlich verunglückt ist, klopft an der Himmelstür und wird von Petrus freundlich begrüßt und für sein Leben in vorbildlicher Manier gelobt. Er habe deshalb alle Wünsche frei, was seinen Aufenthalt da oben angehe. Der Angesprochene gab sich jedoch bescheiden, wünschte lediglich ein kleines Appartement, und daß er es auf keinen Fall mit Dave Mattacks zu tun haben wolle. "Der ist sowieso nicht hier", beruhigte ihn Petrus. Am ersten Abend saß der neue Himmelsbewohner auf seinem Sofa, trank gemütlich ein Glas Wein und plötzlich hörte er von nebenan den Klang eines Schlagzeugs, und der Stil kam ihm bekannt vor. Sofort rief er bei Petrus an und klagte, sein Wunsch bezüglich Dave Mattacks sei doch wirklich nur ein bescheidener gewesen. Petrus entgegnete dem ärgerlichen Burschen, das neben seinem Appartement sei nicht D.M. sondern Gott. "Er denkt nur, er sei Mattacks", fügte er noch an.
Über die P.A. lief während den Umbaupausen von Dave Pegg zusammengestellte Musik von Band oder CD. Dabei fiel insbesondere ein Song von David Hughes auf, in dem es u.a. heißt: "nobody smokes in America, nobody jokes about America."
+++
Julianne
Regan
Martyn
Willson-Piper von All About Eve
Den würdigen Abschluß des ersten Abends bildeten die wieder auf die Szene zurückgekehrten All About Eve um die attraktive Sängerin Julianne Regan. Sie lieferten ein sehr gutes Konzert ab und mußten insgesamt 5 Stücke Zugabe spielen. Die lange Zeit durch Krankheit zurückgeworfene Julianne Regan war sehr gut drauf und wirkte äußerst lebendig. Natürlich war sie auch für die Fotografen ein gefragtes Objekt. Mit Martyn Willson-Piper, Ex-Mitglied der australischen Band The Church, bot All About Eve einen großartigen Gitarristen auf, der einige bemerkenswerte lange, und spektakuläre Soli spielte. Um 23.00 Uhr ging ein gelungener erster Tag zu Ende.
Julianne
probt das Feedback
Enjoying
All About Eve
+++
++
Der
Gitarrist Martyn probt auch das Feedback und rennt dann schnell nach vorne
Martyn
Willson-Piper
Am Freitag war es schon frühmorgens abzusehen, daß es ein heißer Tag werden würde. Bereits um 8.00 Uhr gab es bei den Duschen eine lange Schlange. Im Frühstückszelt, bewirtet von Mitgliedern des Fußballclubs, begrüßte eine Bedienung, die aber selbst auch nicht besonders gut drauf war, einen Gast mit den Worten: "It's too early for a smile, isn't it?" Ein Spaziergang am Kanal entlang zeigte, welch idyllische Atmosphäre Cropredy und Umfeld zu bieten haben. Da ankerten liebevoll mit Blumen geschmückte Boote, saßen entspannte Menschen an Deck und genossen die Zeit des Müßiggangs, und zwischendurch schwammen Enten und Schwäne an den Booten vorbei.
Das musikalische Programm eröffnete
Freitags um 13.00 Uhr der für den Rest des Festivals ansonsten als
Ansager fungierende Keith Donnelly. Er ist
ein äußerst witziger Entertainer (wenn man nur alles verstehen
könnte) und auch passabler Gitarrist. Immer wieder unterbrach er den
musikalischen Teil mit Witzen, wobei er die Leute frech aufforderte, nun
auch zu lachen. Donnelly durfte mehrere Gäste, die teilweise dann
sogar ohne ihn spielten, begrüßen. Zusammen mit Anna
Ryder am Akkordeon spielte er einen Blues mit Cajun-Feeling, versuchte
sich an einem Gitarrensolo und verletzte sich beim allzu heftigen Hochreissen
der Gitarre an der Nase.
Eddi
Reader
Nächster Überraschungsgast war Eddie Reader, die nicht ohne Zugabe auskam. Ihren großen Hit "Perfect" sang sie auf persönlichen Wunsch ihres Sohnes. Anna Ryder amüsierte mit einem ländlichen Jodler, der durch Schafgemäe aufgelockert wurde. Keith Donnelly kam zurück und fragte ins Publikum, ob irgendjemand einen Abba-Song singen könne. Einer der Safety Guards vor der Bühne traute sich und sang Dancing Queen zu einem ungewöhnlichen Bo Diddley-Rhythmus.
Eddi
Reader & Anna Ryder
Als sehr gute Bluessängerin entpuppte sich die als nächster Gast aufkreuzende Gillie Derby. Donnelly kündigte einen "Protestsong über Leute, die Protestsongs singen" an. Als er zum wiederholten Male herzlichen Beifall einheimsen konnte, bedankte er sich mit den Worten: "Normalerweise ernten wir nur spontane Apathie".
Hinter der Bühne probten mittlerweile Eddie Reader und David Hughes, die sich wohl entschlossen hatten, gemeinsam etwas vorzutragen. Love's a bitch, but I love her war einer der letzten Höhepunkte des unerwarteten Auftritts von Keith Donnelly und seinen Gästen.
Zwischenzeitlich sprang "Mädchen für alles" und Stagedirektor John "Jonah" Jones als Ansager ein und forderte die Leute auf, ihren Abfall in die dafür vorgesehenen Tonnen zu werfen. Den Zettel, von dem er das ablas, warf er anschliessend auf den Boden. Ist das typisch englischer Humor?
Die Tanzwut regte anschließend
Little
Johnny England an. Gitarrenmeister
P.J. Wright
freute sich ganz besonders, daß das
Publikum viele der Texte der Stücke
der eben erst erschienenen CD bereits kannte und mitsang. Die Band bot
gutes Zusammenspiel und richtiggehende solistische Duelle(Gitarre, Geige,
Melodeon) auf der Basis eines treibenden Folkrockrhythmus, der einen Hauch
Cajun und Bluesrock mit einbezog. Der junge Geiger stellte eine Eigenkomposition
vor, zu der man nur tanzen könne, wenn man drei Beine habe. Sehr gut
an kam eine neue Komposition von Quetschenmann Gareth
Turner und P.J. Wright namens My
heart is where my home is to be.
Gareth
Turner von Little Johnny England
Little
Johnny England
Wright kommentierte den Text mit den Worten "not bad for a box player". Die Band spielte fast durchgehend druckvoll und hart, mit oft ungewöhnlichen interessanten Taktzeiten. Am Bühnenrand klatschten Simon Nicol und Martin Allcock anerkennenden Beifall.
Gareth
Turner, Guy Fletcher und P.J. Wright
Gegen Ende kündigte Turner einen Folksong an, worauf Wright entgegnete, er sei ein Rock'n Roller. Turner aber ließ verlauten, er habe in Wrights Wohnzimmer eine Martin Carthy-Platte entdeckt. Als Zugabe spielten Little Johnny England eine grandiose Version von Little Feats "Dixie Chicken".
P.J.
Wright von Little Johnny England
Maartin
Allcock hat's sehr gut gefallen
Anschließend gab
es herzlichen Beifall für Iain Matthews,
der nach 1986 erst zum zweiten Mal in Cropredy auftrat. Begleitet wurde
er von
Andy Roberts und Mark
Griffiths, womit wir 3/4 von Plainsong
quasi für ihren letzten Auftritt auf der Bühne zu stehen hatten.
"Wir sind nicht
traditionell" bemerkte Matthews, "wenn
man jedoch unser Alter zusammenzählt, dann sind wir dann doch traditionell".
Mark
Griffiths, Iain Matthews, Andy Roberts
Matthews lebt nach 27 Jahren in den USA jetzt wieder in Europa (Amsterdam), um "den Sinn des Lebens herauszufinden, aber sagt mir, wenn es zu spät ist."
Die Musik des Trios, mit oft gänsehauterzeugendem
dreistimmigen Gesang, war angenehm entspannt, wobei Roberts auf der
akustischen Gitarre oder der Bouzouki
immer wieder kurze, aber feine Soli beisteuerte. Höhepunkte waren
für mich persönlich das
neueI'm stranded,
Compass
& chart,
Rain of 62 und
das vor der ersten Zugabe als Abschluß gespielte sehr druckvolle
(das einzige rockige Stück)
Back of the bus,
das gar nicht enden wollte. Totenstille beim Zuhören und anhaltenden
Beifall erntete dann das als Zugabe a cappella vorgetragene From
Galway to Graceland, geschrieben von Richard Thompson. Das vorläufige
Ende von Plainsong ist angesichts dieses Auftritts sehr zu bedauern.
Am späten Nachmittag schließlich traten dann die Backroom Boys auf die Bühne, und da war Gitarrenrock höchster Qualität garantiert. Mit "Wir sind die Backstreet Boys, obwohl wir sicherlich wie ihre Väter aussehen", fand Doug Morter gleich den richtigen witzigen Einstieg, wenn der Gag auch alt ist.
+++
Doug
Morter und Alan Thomson
Er schlug dem Publikum seinen "Plan" vor, der da hieß, es sei am besten, wenn sie spielten und das Publikum betrunken würde. Denn je betrunkener die Leute wären, umso besser klängen sie. Am Schlagzeug saß der vielbeschäftigte Gerry Conway. Blickfang, und von ihrem Vater stolz vorgestellt, war Gastsängerin Kristina Donahue. Sie sang eine von der Band interessant arrangierte Version des Evergreens Whiskey in the jar. Die Backroom Boys spielten einen insgesamt sehr blues-rockigen Set. In 12 Bar Bender sorgte der Gast an den Tasten - kein Geringerer als Martin Allcock - für den Bläsersatzersatz (dieses Wort betrachte ich als von mir erfunden). Mystery Train sagte Spaßvogel Morter als einen Titel an, den "vor vielen Monden ein anderer berühmter Folksänger namens Elvis Presley" aufgenommen habe. Das eingestreute Pedal-Steel-Solo kam in Wirklichkeit aus Allcocks Keyboard. Weitere gespielte Titel waren Brief encounter, Bright lights, big city von Jimmy Reed und als bis zum Höchsttempo zum Höhepunkt getriebener Abschluß der Orange Blossom Special. Allcock streute ein "Bonanza" - Zitat ein. Gast bei einer Nummer war Ric Sanders.
++++++++
Gerry
Conway mit Leib und Seele dabei / Maaaaartin Allcock gern gesehener
Überraschungsgast
So mag ich Maart am liebsten: mit der elektrischen Gitarre
Als gegen 20.00 Uhr
der Himmel wolkenlos war und dank umgehängtem nassen Handtuch der
Nacken von Sonnenbrand
verschont geblieben war, freuten sich
alle auf die Rückkehr der Albion Band
nach Cropredy. Sie hatten wenige Wochen zuvor einige sehr schwach besuchte
Konzerte in Deutschland absolviert.
Kellie
While
Umsomehr war es ihnen an diesem Abend
zu gönnen, daß sie mit fast dem gleichen Set hier von mehr als
15.000 Leuten
tosenden Beifall ernteten.
Ashley
Hutchings räumte ein, dies' sei das größte Publikum
für diese Besetzung gewesen.
Schon die erste Nummer, ein Instrumental
von Teufelsgeiger und Publikumsliebling Joe Broughton,
sorgte für beste Laune. Richard Thompsons Unlucky
in love folgte ein Medley aus der Fernsehserie "Ridge Riders",
die laut Hutchings nur etwa 1000 Leute aus dem Publikum kennen dürften,
weil sie nur in Südengland ausgestrahlt wird. In "Ken's hornpipes"
gab es gar ein Drumsolo zu bestaunen.
Makellos und bestens aufeinander eingespielt
wirkte die Albion Band. Kellie While bewies,
daß es eine Zukunft der weiblichen Stimmen im Folk-Rock gibt. Aus
dem Rahmen fiel die zehnminütige Zugabe - als Symbol für
die Vielseitigkeit der Band jedoch bestens
geeignet - ,ein Blues-Medley,
bei dem Geiger Joe Broughton und Drummer Neil
Marshall Gitarrensoli intonierten, während Kellie
While am Schlagzeug saß. Nur Ashley
Hutchings blieb bei seinem angestammten Instrument.
+++++
+++++
Kellie
While, Joe Broughton, Ashley Hutchings
Mit gespannter Erwartung
harrte man dann der Band Priory Of Brion um
Dave Pegg-Kumpel
Robert Plant, der im übrigen
unzählige Autogramme zu schreiben
hatte. Die Songauswahl Plants war sehr geschmackvoll. Zum Programm gehörten
Bluebird
von Stephen Stills, Morning
dew von Tim Rose, If
I were a carpenter,
Hey Joe,
eine Nummer aus Elmer Gantrys "Velvet Opera",
ein mir entfallener alter Soultitel von
Ben E. King,
sowie die beiden ehemals von
Van Morrison's Them
bekanntgemachten Gloria und Baby
please don't go. Mir persönlich behagte jedoch, von wirklich
ansprechenden Beiträgen auf der Hammond abgesehen, der Stil der Band
nicht. Einen Gitarrist der ersten Liga vermisste man bei diesem Programm
am meisten. Offenbar waren viele Besucher auch meiner
Meinung, denn das anfangs noch gut gefüllte
Feld, leerte sich schon bald bis zur Hälfte. Man konnte hinter dem
Soundtower
ohne Mühe durch die zahlreichen Lücken
quer über das Gelände laufen, was normalerweise am Freitagabend
in Cropredy eher schwierig ist.
Am Samstagmorgen um 7.45 Uhr begab ich
mich auf dem Zeltplatz zum Kaffeholen, und Dave Pegg,
bepackt mit vier oder fünf Kaffebechern, und begleitet von einem Kind,
war überraschend auch schon unterwegs und hatte Probleme, sein Auto
aufzubekommen, wobei ihm "Forever Young"
natürlich bereitwillig Hilfestellung leistete. Daß er mich ausgerechnet
nach meiner Meinung zu Robert Plant fragte,
war für mich nicht überraschend. Ich sagte ihm, das Programm
habe mir gefallen, um nicht in ein Fettnäpfchen zu treten. Um 10.00
Uhr gab es vor 100 interessierten Zuhörern den Fairport-Soundcheck
auf der Hauptbühne zu bewundern.
Martin Allcock
bediente das Keyboard und die 12-saitige Gitarre aus Ahornholz eines vorgesehenen
berühmten Überraschungsgastes.
Anschließend begab sich "Forever Young" ins "Banbury House Hotel", wo zur Präsentation der eben erschienen Sandy Denny - Biografie "No more sad refrains" eingeladen war. Als Video gezeigt wurde ein seltener, käuflich nicht erwerbbarer BBC-Film, in dem Sandy Denny solo die Stücke Northstar grassman, Crazy lady Blues (mit ungewohntem Fingerpicking-Gitarrenspiel) und Late November vorträgt. Die Stimmung im Raum war irgendwie bedrückend und ergreifend. Jerry Donahue war schon vorher hinausgegangen, kam dann aber (mit Sonnenbrille) zurück und ließ sich die Clips noch einmal vorspielen, nachdem die meisten Gäste wieder gegangen waren. Kristina Donahue kündigte mir gegenüber an, sie werde am Abend eine Denny-Nummer singen, und auch drei Stücke zusammen mit Iain Matthews.
++++++++++++
Kristina
Donahue / Iain Matthews
Das Festival war mittlerweile Aussagen meiner Freunde zufolge mit der recht guten Coverband The Unprofessionals, zu der zwei Söhne des Freeway Jam-Gitarristen Ben Bennion gehören und dem viel Beifall erhaltenden Bob Fox, dessen neue CD mit Fairport-Unterstützung sowieso immer wieder über die P.A. als Zwischenmusik gespielt wurde, weitergegangen.
Stackridge mit einer Mischung aus Folk-Rock, 70's Art Rock und Pop sorgten zwar nicht gerade für Begeisterungsstürme, waren aber auf jeden Fall eine Truppe, die Niveau und Geschmack bot. Sympathische Randerscheinung war zwischendurch, daß ein Mädel von der Crew der Veranstalter mit einem Eimer Wasser und Schwamm ausgerüstet über's Gelände lief und für Abkühlung sorgte. Ein unter der Hitze leidender und nun etwas zufriedener wirkender Zeitgenosse kommentierte: "Ich habe selten schönere Erfahrungen im Leben gemacht, aber es gibt welche".
Sehr laut für Stimmung sorgten wie schon ein paar Jahre zuvor die Hamsters mit ihrer Mischung aus Jimi Hendrix- Titeln und an ZZ Top angelehntem Power-Rock. Der Gitarrist und die druckvolle Rhythm Section (genaue Namen der Musiker werden der Öffentlichkeit verschwiegen) präsentierten sich als instrumental auf hohem Niveau stehendes klassisches Rocktrio. Zu den Höhepunkten zähltenWho knows von Hendrix' "Band Of Gypsies"- Album, das Medley Purple Haze / Star Spangled Banner, der Cadillac Walk und zwei, drei eigene Stücke in offensiv treibender Bluesrockmanier.
Die Gemüter
etwas beruhigen konnten dann als vorletzter Programmpunkt
Show
Of Hands, die aber für ein akustisches Duo
dennoch erstaunlich laut spielen. Die
beiden konnten auf eine große Fangemeinde im Publikum bauen, die
jedes ihrer Stücke kannte und mitsang. "The oak", "No song to sing"
von Michael Chapman (Phil Beer sagte, dieser
sei wieder auf Tour), Cars, ein rockiger
Blues, Cousin Jack und
The
Galway farmer als Abschluß waren für mich die besten
Nummern. Eine Zugabe wurde ihnen leider nicht mehr gestattet,weil es der
Zeitplan nicht mehr zuließ.
Als Fairport dann
die Bühne betrat war der Jubel natürlich groß - dreieinhalb
Stunden "greatest Folk Rock band of the world" standen schließlich
an. Sie begannen mit einem mir unbekannten Instrumental-Medley und ließen
Dangerous
folgen. Simon Nicol steuerte die gewohnt messerscharfen
Riffs bei. Als Reminiszenz an die lokalen Besucher kam Banbury
Fair, über einen Markt, der jedes Jahr
im Oktober in Banbury stattfindet, und
den
ChrisLeslie den Leuten dringend anriet,
einmal zu besuchen. Mit Crazy man Michael,
mittlerweile als eine von Simon Nicols Paradestücken zu bezeichnen,
und Hexhamshire Lass (Chris Leslie
Dave
Swarbrick stilistisch überzeugend nachempfindend) folgten die
ersten älteren Stücke. Dann wurde
Maartin
Allcock auf die Bühne gebeten, und fiel wieder einmal durch
extravagantes Outfit auf. Er spielte wie immer großartig Gitarre,
für ein Stück seines neuen Soloalbums OX
15 und Red Tide, sowie Jewel
in the crown. Der nächste Gitarrenhero schloß sich
an, und "Maart" wechselte zum Keyboard. Gerry Conway
begrüßte
Jerry Donahue mit den
Worten: "I'm godfather to his daughter"
Rockin' the dog,
von Donahue einst als Werbemusik für "Hush Puppies" eingespielt, bedeutete
einen stilistischen Wechsel im Programm. Die bildhübsche
Kristina
Donahue(der stolze Blick des Vaters war unübersehbar) wagte
sich durchaus überzeugend an Sandy Dennys
Gold
dust. Danach verließen Pegg, Sanders und Allcock die Bühne,
und Gründungsvater Ashley Hutchings
kam freudig bejubelt zum Mikrofon. Er
bemerkte mit süffisantem Lächeln, daß
Dave
Pegg ihn als einen Mann mit der gleichen Haarfarbe begrüßt
hatte. Hinzu stieß noch Iain Matthews,
und zusammen mit Kristina Donahue sang er
aus den "Heyday"-Tagen
Gene Clarks
Tried so hard,
Richard und Mimi Farinas Reno, Nevada
und ein ergreifend schönes Suzanne
von Leonard Cohen.
Es ging weiter mit fairportuntypischem Material - aber sie können ja sowieso alles spielen. Für die aussteigenden Ashley Hutchings und Iain Matthews kamen Pegg, Sanders, Leslie und Allcock (Akkordeon), und als weiterer Gast Eddi Reader auf die Bühne. Sie sang eine countryähnliche Nummer namens Hummingbird, und Jerry Donahue spielte ein stilistisch passendes Solo allererster Güte. Als zweite Nummer sang sie What you do is what you get, wozu Maartin Allcock elektrischen Kontrabass spielte. Dann war wieder Zeit für Fairport-Material. Ric Sanders und Chris Leslie spielten wieder einmal im Schnellzugtempo den Bowman's retreat fast unisono.
++++
++++
Netter
als Cliff Richard -- Fairports Chris Leslie / Vollblutmusiker
Ric Sanders / Simon Nicol
Unglaublich herzlich, weil angesichts des
beängstigenden gesundheitlichen Zustands kaum einer mit einem Auftritt
gerechnet hatte, war dann der Empfang für Dave
Swarbrick. "Trotz aller widrigen Ereignisse und auch zum Trotz des
Daily Telegraph", kommentierte
das Erscheinen seines wohl langjährigsten
und treuesten musikalischen Freundes. Es wurde die Frage aufgeworfen, was
zuerst da gewesen sei, die Henne oder das Ei, worauf Swarbrick korrigierte,
die folgende Melodie sei zuerst da gewesen. Natürlich kam jetzt
The
hen's march thru' the midden / Four poster bed - Donahue
mit den bekannten Gitarrenlicks wie auf dem "Rosie"-Album. Als wunderschönes
Fiddle-Trio" folgte dann My heart's in New South
Wales, als Erinnerung an Swarbricks Australien-Zeit. Swarbrick
ließ es sich nicht nehmen, auch bei "Sir
B.Mc Kenzie's daughter's lament for the 77th mounted lancers' retreat from
the straits
of Lochmond,
in the year of our Lord 1748, on the occasion of the announcement of her
marriage to the Laird of Kinleakie"
mitzuspielen.
Anschließend wurde
Martin
Carthy als der Mann mit den schönsten Hemden auf dem ganzen
Gelände angesagt. Dave Pegg, der dann
nur ein bißchen Percussion beisteuerte, wurde durch
Ashley
Hutchings abgelöst, und Fairport spielte eine alte Albion Band-Single
- Postman's knock,
und die Besucher tanzten kräftig mit.
Eine sehr schöne Idee - auch als Pause für die Band - war es, nun das klassische Duo Martin Carthy & Dave Swarbrick mit dem Publikum allein zu lassen. Sie brachten Both ears in the tail.
Es folgten drei Stücke mit Fairport
allein vom "Wood & the wire"-Album, doch dann war schon der nächste
Gast auf der Bühne:
Bob Fox, laut Dave
Pegg ein echter Partyhengst, der die anderen anlässlich der vergangenen
Winter-Tour unter den Tisch getrunken habe, durfte
einen Song seines im Woodworm-Studio aufgenommenen
neuen Albums vortragen. Pegg entschuldigte sich für die Ansage, da
die Frau von Bob Fox im Publikum sei. Herrlicher 4-stimmiger Gesang kennzeichnete
eine Version von Andy M. Stewarts
(Silly Wizard) Ramblin'
river. Bob Fox ging und Fairport brachte The
Hiring fair und The wood & the
wire als kurze Beruhigung,
ehe der nächste lautstark umjubelte
Gast antrat: Roger Hodgson von Supertramp.
Er lebt mittlerweile seit vielen Jahren in Paris und kündigte seinen
ersten Auftritt auf einer englischen Bühne seit 17 Jahren an. Es ist
klar, daß die Klassiker Breakfast in America,
The
logical song und Give a little bit
ein begeistertes Publikum fanden. Hodgson schob solo ein Stück seiner
neuen CD, "Open the door", ein.
Als John Gaudie, aus einem Fairport-Konzert nicht mehr wegzudenken, sich anschloß, wurde allen klar, daß das Finale nicht mehr weit war. Matty Groves, wieder einmal völlig neuartig arrangiert, und die unvermeidliche Hymne Meet on the ledge mit unzähligen Bühnengästen (auch Steve Gibbons war gekommen) sorgten für den gewohnt wehmütigen Ausklang.
Anna
Ryder
Nach Ende des offiziellen Programms gab es bis früh in den Morgen eine private Session im Backstagezelt, an der Eddi Reader, Dave Pegg (Akustikgitarre), Anna Ryder und ein mir unbekannter Geiger beteiligt waren.
Eddi
Reader und Dave Pegg beim Jamming - Ulla Hilger und Unbekannt lauschen
Zum gejammten Material gehörten Nummern
wie Loudon Wainwrights "Swimming song", Joni Mitchells "A case of you"
und "Big yellow taxi", "Love me" (Elvis Presley), die Hank Williams-Klassiker
"Your cheatin' heart", "Jambalaya" und "Mind your own business", eine hinreissende
Bob Dylan-Parodie von Dave Pegg mit "All along the watchtower" (auf Wunsch
von "Forever Young") und Lennon / Mc Cartneys "I want to hold your hand".
Um fünf Uhr morgens, als ich mich wirklich nicht mehr wach halten
konnte, war ein Ende der privaten
Jamsession noch nicht abzusehen. Sie hatten
ihren Spaß - Vollblutmusiker halt !
Stephanie
Pegg, Simon Nicol, Paul Smith