... es regnete bereits. Den Schuh des "rainmasters"
brauchte er sich dieses Jahr nicht anzuziehen. Vielmehr hörte es sogar
während
seines Auftritts am Freitagabend auf zu
regnen, sodaß
Fairport Early Years für
ein "trockenes" Publikum aufspielen konnten.

Als "Forever Young" am Dienstagvormittag mit seinen Begleitern Ute und Roland nach 14-stündiger Reise (1070 Kilometer plus Fähre Calais-Dover) in Lichfield ankam, konnte man im Garten bei Sonnenschein ein Bierchen als Schlaftrunk geniessen und auf ein trockenes Festival hoffen, während uns aus Süddeutschland die Nachricht über dortigen Dauerregen erreichte. 2002 war das erste Jahr des EURO, und man konnte auf der Durchreise in Luxemburg, Belgien und Frankreich die Preise direkt vergleichen, ohne umrechnen zu müssen. 1 Liter Super kostet in Luxemburg 79 Cent (mein Freund Roland sagt aber, der Sprit werde von seinem Auto schneller verbraucht, ist also möglicherweise von geringerer Qualität), in Frankreich haben wir 1.04 EURO bezahlt, also nicht teurer als zuhause. In England legt man umgerechnet ca. 1.20 EURO hin. Da von Bekannten und Verwandten vorher viel über das teure England gesprochen wurde, habe ich mir ein paar Preisbeispiele notiert. Natürlich ist vieles wesentlich teurer als bei uns in Deutschland, aber man kann es nicht verallgemeinern, und Schnäppchen gibt es immer wieder:
* 300g "Cheddar Mature"-Käse
(mittelalt)
bei Tesco's für
ca. 2.80 EUR
* 1 Pint (0,57 Liter)
Bier
im Pub zwischen 2.40 und 3.20 EUR
(entspricht 2.10 bis
2.80 EUR für 1/2 Liter)
* 1 Pint auf
dem Festival zwischen 3.90 und 4.10 EUR
(entspricht 3.40 bis
3.60 EUR für 1/2 Liter)
* CDs zwischen 20 und
24 EUR
* 1 kl. Dose "Baked Beans"
bei Tesco's für 0.27 EUR
* "Special
Offer" im "Acorn's Inn" in Lichfield:
1 Riesenburger + Salat
+ Chips + 1 Glas Wein (0,175 l)
für 5.70 EUR
oder:
2x Fish & Chips +
Salat für 8.90 EUR
* 1 Flasche Wein im Supermarkt
(überwiegend französischer, italienischer
und südafrikanischer
im Angebot) zwischen 4.90 und 9.80 EUR
* 1 Schachtel Zigaretten
für 7 EUR
* 1 Teller indisches
Essen (reichlich) auf dem Festival für 8.20 EUR
(das Essenangebot in
Cropredy ist weiterhin genial - und preislich angemessen).
Neu (oder irre ich?) war
dieses Jahr ein "Burrito"-Stand, wo Vorsicht angesichts
eventueller Schärfe
des zu verspeisenden angesagt war.
Festival, 1.Tag:
Frühmorgens ging es von Lichfield über die Autobahn nach Cropredy. Wir waren mit Volker und Jutta aus Berlin am Bahnhof in Banbury verabredet, um gemeinsam in der Reihe für den Campingplatz anzustehen. Die Organisation war dieses Jahr besser als 2001. Auf dem großen Parkplatz kurz hinter dem Örtchen Williamscot durften die Camper sich in mehreren Reihen anstellen, bis das Okay zur Öffnung des Geländes kam. So gab es also keinen Rückstau bis auf die A 361. Außerdem hatte das Ganze noch einen anderen Vorteil. Man traf nämlich auf dem Parkplatz viele gute Bekannte, und das Hallo war groß. "Big Andy" mit Familie und Caravan begrüßte uns wie immer sehr herzlich und lud gleich vorsorglich zum regelmäßigen Frühstück ein. Dieser kamen wir dann vor der Abreise am Sonntag nach. Ich zeigte ihm das von mir für die Jungs von Freeway Jam zusammengestellte Fotoalbum, das alle Festivals seit 1991 abdeckt. Hinterher bedauerte ich, daß ich dieses einzigartige Teil (für mich persönlich habe ich mir nie solch eine Mühe gemacht) nun aus der Hand geben müsse. Aber ich war ja den "Freeways" aus bekanntem Grund ganz besonders verpflichtet, und "Big Andy" tat denn auch kund:
"It's
very personal. And if you've done it for the band,
you
have to give it to the band."
Als dann gegen Mittag das Zelt stand, schien sogar die Sonne. Ein dicht bewölkter Himmel noch zwei Stunden zuvor, hatte dies' nicht erhoffen lassen. Mit dem Bus fuhren wir dann noch nach Banbury, um im Pub etwas zu essen und ein wenig "window shopping" zu machen. Rechtzeitig vor Beginn des Ereignissses ging es mit dem Taxi (eines dieser herrlichen alten Autos, in denen man sich gegenüber sitzt) zurück nach Cropredy. Es war zu dritt billiger (5,40) als mit dem Bus (6,00). Leider konnte ich Mick Bullard und Ben Bennion von Freeway Jam nicht mehr vor dem Konzert treffen, sonst hätte ich sie mit dem Fotoalbum als Bestechung dazu verpflichtet, Feel So Good zu spielen, mit dem sie 1991 eröffnet, und damit genau meinen persönlichen Gemütszustand getroffen hatten. Pünktlich um 16.30 Uhr legten sie los, und sie waren großartig. Bassist Andy Viccars war gerade noch rechtzeitig angekommen. Er hatte im Stau gestanden, und Martin Allcock stand bereit, um für ihn einzuspringen.
Ben
Bennion
Sie spielten sehr viel eigene Stücke von ihrer neuen CD, und die Auswahl an Covern bekannterer Stücke war gelungen. Für ihr Cropredy Hill hätte man vorher etwas mehr Propaganda machen müssen, ist es doch eine sehr sympathische Hommage an dieses tolle Festival. Sie hatten es für dieses Jahr mit einem neuen Break versehen.
Mick
Bullard - der englische Levon Helm
Den Refrain zu Dylan's
Like
A Rolling Stone intonierte Mick Bullard
einen Beat später, als man es gewohnt ist. Sehr gut kam ihre Version
von Hank De Vitos Sweet Little Lisa,
den meisten wohl besser bekannt von Dave Edmunds
oder Albert Lee.
|
Something
that I ain't
|
Nach dem Konzert überreichte ich das Fotoalbum und wurde dafür mit einem schmackhaften Guinness und der neuen CD belohnt. Ben Bennion erzählte mir, er habe um die Weihnachtszeit, Frau und Sohn folgend, das Rauchen aufgegeben, weil er nicht der einzige "Qualmer" in der Familie sein wollte. Mittlerweile rauchen Gattin und Sohn wieder, er aber blieb standhaft. Das Geschenk an Freeway Jam hatte ja, wie anderswo näher erläutert, verlorene Wertsachen als Hintergrund. Leider passierte mir dieses Jahr wieder ein ähnliches Mißgeschick. Nach dem Auftritt der Band bemerkte ich nämlich den Verlust meines Geldbeutels mit 60 Pfund und dem Foto meiner Freundin drin - zum Glück keine Papiere und Karten. Dann lief mir Chris Leslie über den Weg, der sich sehr freute und daran erinnerte, daß ich vor 3 Jahren einmal anlässlich eines Fairport-Gigs in Stuttgart für die Band gekocht hatte. Er sagte, er sei wieder gesund und freue sich, wieder spielen zu können. Es fiel auf, daß er um einige Kilo abgenommen hatte. Zweiter Programmpunkt des Festivals war die Joyce Gang um Paul Downes.
Paul
Downes
Sie spielten einen instrumental auf hohem Niveau stehenden Set, wobei mich persönlich das Saxofon bisweilen ein wenig störte. In zwei Stücken gastierte Phil Beer an E-Gitarre, respektive Mandoline.
Phil
Beer
Downes und Beer haben ja seit Jahren zusammengearbeitet, u.a. bei der Arizona Smoke Revue.
Mit viel Beifall begrüßt, von Johnny Jones respektvoll angekündigt, wurden die Dubliners. Sie spielten alle ihre Klassiker, und es wurde teilweise kräftig mitgesungen.
Eamonn
Campbell
Immer noch zensiert ist Seven Drunken Nights. Wir bekamen nur 5 Strophen zu hören.
Barney
Mc Kenna
DieDublinerssind eine "sehr alte Band", wie die abgebildeten Fotos belegen. Nicht ganz ernst gemeint war die Absage von Johnny Jones, die Herren würden am Tag darauf in New York, und dann in Kroatien auftreten. Zumindest sah man am Tag darauf am Bühnenrand den Geiger John Sheehan, der sich Fairports Auftritt ansah.
John
Sheehan
Mit Spannung erwartet wurden e2K, die in völlig neuer Besetzung antraten. Das vorher karibische Element ist jetzt durch afrikanische Klänge ersetzt worden, wobei jedoch die Einflüsse britischen Folks beibehalten wurden. Sängerin ist jetzt die wundervolle Kellie While, die jedoch auch weiterhin noch Mitglied der Albion Band ist. Nach zähem Beginn sorgte die Band für gute Stimmung, und insbesondere der Einsatz des tragbaren Keyboards durch den aus Ghana stammenden Kwame Yeboahwar sehr eindrucksvoll. Er spielte viele tolle Soli. Am Ende harrten leider nur noch etwa 1.000 Getreue aus, denn es hatte stark geregnet, und man begab sich ziemlich durchnässt zur Nachtruhe.
2.Tag, Freitag:
Zunächst war eine Besserung des Wetters festzustellen. Gutgelaunt harrte man dem Auftritt von Mundy-Turner um 12.30 Uhr entgegen. Cath Mundy erzählte, sie stamme aus Brisbane, dort im Volksmund "Brissie" genannt - "a lovely sunny place", fügte sie noch an. Sie appellierte dann an den Wettergott, er möge doch "some brissie weather" nach Cropredy schicken. Walking the William Jolly war denn auch ein an ihre Heimatstadt gewidmeter Song.
Cath
Mundy und Jay Turner
Sie und ihr Ehemann Jay Turner, mit denen "forever young" nach dem Konzert ein äußerst sympathisches Gespräch führte, boten ein sehr unterhaltsames Programm, und viele ihrer Lieder zeichnen sich durch eingängige Melodik aus.

Sehr bewegend war das a cappella vorgetragene
Little
birds, das von einem Ort in Nord-Brasilien handelt, wo nach
dem Bau einer
Zuckerfabrik nach und nach das soziale
Gefüge zerstört wurde. Die Arbeiter erhielten einen Lohn von
1 Dollar pro Tag, die sanitären Zustände waren unzumutbar, und
es gab keine medizinische Versorgung und Medikamente. Mangels Vorhandensein
von Verhütungsmitteln hatten die Frauen im Durchschnitt 9 Kinder.
Viel Applaus fand Cath Mundys stimmliche Imitation des in Australien lebenden
Vogels Kookaburra, Holy road
beschrieb sie als textliche Verarbeitung ihrer ersten Erfahrungen mit englischen
Autobahnen.
In Anbetracht dessen, was geboten wurde,
kam dann der Auftritt von Sarah Jory und ihrer
Band etwas zu früh am Tag. Wie einige Besucher des Festivals, die
sich u.a. im Internet über das Konzert äußerten, eine Beurteilung
ihres Stils als Country herausnahmen, ist mir schleierhaft. Sie überhörten
mit dieser Voreingenommenheit das grandiose Können dieser Musikerin,
die für mich persönlich "die" Neuentdeckung in Cropredy 2002
war.
Sarah
Jory Band
Sarah
Jory
Sie beherrscht die Pedal-Steel und Slidegitarre
perfekt und bot ein stilistisch sehr abwechslungsreiches Programm von Country-Rock
bis Blues-Rock. Ihre Auswahl an Coverversionen
war ebenfalls sehr erfolgreich. Sie reichte von
John
Hiatt über John Lennon und Chuck
Berry bis hin zu einer Gänsehaut erzeugenden Interpretation
von Amazing grace auf der Slide. Als
sie das spielte, kam ein staunender
Martin Allcock
nach
vorne an den Rand der Bühne. Den stampfenden Bluesrock
Closer
kombinierte sie während der Zugabe mit dem Klassiker Walk
right back, und die versammelte Cropredy-Gemeinde sang lautstark
mit.

Die Schlange während ihrer anschliessenden Autogrammstunde am WOODWORM-Stand war unendlich lang. Ein kompetentes Urteil über die erst 30-jährige Musikerin gab mir gegenüber im Oktober Keith Buck, der musikalische Begleiter von Sally Barker ab. Er nämlich, selbst ein Pedal-Steel-Spieler allererster Sahne, gab zu, daß er, als erSarah Jorys erstes Album hörte, das sie im Alter von 11 Jahren eingespielt hatte, drauf und dran gewesen sei, das Spielen dieses Instruments aufzugeben.
Die
Keyboarderin der Sarah Jory Band
Norval
Cree von der Sarah Jory Band
Mehr über Sarah Jory ==> hier
Magna Carta, die einen ruhigen akustischenSet spielten, beruhigten dann die in Regung geratenen Gemüter wieder. Zu ihrem Repertoire gehörten u.a. alte Klassiker wie Fields of gold und Time for the leaving, aber auch neues Material.
Was dann danach die Oysterband bot, ließ Magna Carta im Nachhinein als Ruhepause am Nachmittag erscheinen. Die Jungs, die sich nach langen Jahren der Meinungsverschiedenheit mit Dave Pegg, der nicht gut auf sie zu sprechen gewesen war, glücklich schätzten nach 1988 zum zweiten Mal nach 1988 in Cropredy auftreten zu dürfen, hatten vom ersten Ton an das Publikum auf ihrer Seite. Lauthals mitgesungen wurde bei Trademark-Songs wie One green hill und Granite years, und sehr gelungen war ihre Interpretation von Blackwaterside, das sich auf ihrem neuen Album findet. Während sie My mouth vortrugen war am Himmel gar ein blauer Fleck zu finden. Ein auch fürs Auge attraktives Duett lieferte sich Gast Ric Sanders mit Cellist Chopper.
Oysterband
mit Gast Ric Sanders
The deserter wurde von einem tausendstimmig mitgesummten Basslauf begleitet. Als lautstark geforderte Zugabe spielten sie eine tolle Version des Talking Heads Hits Road to nowhere, Don't be afraid und das ergreifende Put out the lights of London City. Leider endete das Konzert mit einem nicht kräftigen, aber anhalten Nieselregen.
Dieser hielt an, als Richard & Danny Thompson die Bühne betraten. Da keine komplette Band antrat, wurde Richard kurzfristig im Programm vor Fairport gezogen, nachdem er zunächst als Headliner des zweiten Tages angekündigt worden war. Neben den erwarteten Klassikern brachte Thompson in gitarristischer Hochform auch einige neue Stücke, u.a. das witzige My daddy is a mummy. Lacherfolg erntete er mit einer Madonna gewidmeten schottischen Hochzeitsnummer und einer 8-minütigen musikalischen Reise durch die letzten 1000 Jahre. Hierbei intonierte er Musik eines italienischen Komponisten aus dem 15.Jahrhundert, des "italienischen Leonard Cohen sozusagen, wenn wir einen bräuchten", wie er kommentierte.

In dieses Medley baute er auch eine Coverversion von Britney Spears' Oops I did it again ein.
Danny
Thompson
Glückliche
Fans
Während des Konzerts hörte es auf zu regnen, und es blieb für den Rest des Abends und der Nacht trocken. Die Pause bis zu Fairports "Early Years" - Gig füllten Bob Fox & Anna Ryder.
Viel Wehmut , vor allem bei älteren Fans, kam dann angesichts des mit vielen lange nicht gespielten Nummern gespickten Fairport-Sets auf. Joe Boyd sagte sie an und wärmte die alte Geschichte mit dem Strip-Club in der Londoner Gerrad Street auf. Gut gewählt war die von Vikki Clayton wie immer überzeugend interpretierte Nummer Come all ye aus "Liege & Lief". Dann wurden Iain Matthews und Judy Dyble auf die Bühne gebeten, und Richard Thompson begrüßte sie mit dem Instrumental-Oldie Wheels. George Gold, ein alter Kumpel aus Muswell Hill, spielte Blues-Harmonika in einer tollen Version von Dylans It takes a lot to laugh, it takes a train to cry. Von vielen Besuchern noch nie live gehört war wohl Tale in a hard time, das sie einst dem stets in einem durch Drogen beeinflussten Tim Hardin gewidmet hatten. Held neben dem in großartiger Form befindlichen Richard Thompson war natürlich Dave Swarbrick, der enormes Durchhaltevermögen bewies, und bei Million dollar bash auch Mandoline spielte. "Special guest" war hier der "adlige" Marc Ellington. Den ergreifenden Abschluss bildete das von Vikki Clayton gesungene Who knows where the time goes.
Fairport Set-List
Come
all ye
Time
will show the wiser
One
sure thing
Jack
O'Diamonds
It
takes a lot to laugh, it takes a train to cry
I'll
keep it with mine
Tale
in a hard time
Nottamun
Town
Cajun
woman
Million
dollar bash
Wings
The
deserter
Sir
Patrick Spens
The
lark in the morning Medley
Tam
Lin
Who
knows where the time goes
Geniesserischer Zuhörer "of my favourite band" war der an diesem Abend arbeitslose Dave Pegg.
Simon Nicol geniesst
es sichtlich, an der Seite seines Lieblingsgitarristen zu spielen
3.Tag, Samstag:
Bei angenehmem Wetter sorgte ab 12.30 Uhr der eher aus dem englischen Fernsehen bekannte Richard Digance für witzige Unterhaltung, wobei sich über Geschmack, was Witze angeht, streiten lässt. So, als er kundtat, er habe als Baby nicht von der Brust getrunken, weil seine Mutter Asthma gehabt habe, und die Milch deshalb nach Wick schmeckte. Seine wenigen Musikstücke waren von gutem Geschmack geprägt, so interpretierte er z.B. Willie Nelsons You were always on my mind und auf sehr einfallsreiche Art Mark KnopflersLocal hero, indem er das Publikum zweigeteilt das Rauschen des Meeres und Schreien der Möwen in dem schottischen Fischerdorf, wo der dazugehörige Film spielte, imitieren ließ. Was an der Geschichte dran ist, daß er seinerzeit Barriemore Barlow von Jethro Tull auf Dave Pegg hingewiesen habe, als dieser gerade im Fernsehen zu sehen war, worauf Barlow Pegg an Ian Anderson als zukünftigen Tull-Bassist empfohlen habe, vermag ich nicht zu beurteilen.
Frisch aus den USA zurückgekommen präsentierten sich Little Johnny England trotz noch vorhandenem Jetlag in prächtiger Form. Sie boten die von ihnen gewohnte gute Mischung aus Folkrock und Little Feat-Einflüssen. Das Medley Swine / UHT hat Guy Fletcher laut Ansage einst geschrieben, um seinen Musiklehrer zu ärgern.
Little Johnny
England: Mat Davies, Guy Fletcher, P.J. Wright
In ihrer Zugabe zitierten sie respektlos die beiden Klassiker Sunshine of your love und Smoke on the water.
Gareth
Turner
Weitere Erkenntnis dieses Auftritts: P.J. Wright ist für mich einer "der" Gitarristen.
Zwischendurch erlebten wir, wie gut Organisation und familiäre Atmosphäre in Cropredy funktionieren. Eltern vermissten ihren 3-jährigen Jungen, den Danny Thompson beschrieb, und schon 10 Sekunden später bekundeten Leute auf dem Feld durch Zuruf, sie hätten ihn gefunden.
Daß sie eine einzigartige Stimme
hat bewies erneut Eddi Reader. Sie brachte
viele Stücke ihrer aktuellen CD und
alte Fairground Attraction - Sachen wie z.B.
Perfect
und Find my love. Ergreifend
war ihre Darbietung von Fly away. Sie
wurde begleitet von den beiden sehr guten Gitarristen Boo
Hewerdineund
Colin Reid, die auch Soloauftritte
gewährt bekamen. Passende PerKussion steuerte bisweilen Roy
Dodd bei, und in Dirty daughter,
einem Stück über "going home to Glasgow", gab es eine fantastische
Mundharmonika-Einlage à la "Room to move".
Mir ist leider nicht bekannt, wer der
Könner war.
Eddi
Reader
Eddi Readers Auftritt wurde begleitet von einem 10-minütigen heftigen Regenschauer.
Als Danny Thompson mit Witzen über englische Fußballstars die Zeit bis zum Auftritt von Deborah Bonham überbrückte, kam jedoch wieder die Sonne heraus.
Thompson zitierte u.a.:
"I
can see the carrot at the end of the tunnel"
(Stuart Pierce)
"I
want to play for an italian team, like Barcelona for example"
(Paul Gascoigne)
Deborah Bonham, die Schwester des Ex-Zeppelin Drummers, bot einen sehr rockigen Set, und die Nervosität war ihr deutlich anzumerken. Am Schlagzeug spielte Ex-Humble Pie Jerry Shirley, wobei sie auch deren Black coffee coverten. Speziell dem Cropredy-Publikum gewidmet war ihre Interpretation von The battle of Evermore von Led Zeppelin, für das ja einst Sandy Denny mit ins Studio gebeten worden war. Deborah kann eine klassische Rockröhre vorweisen, bewies aber auch - u.a. mit einer a cappella vorgetragenen Nummer, die an "Brothers in arms" von den Dire Straits erinnerte - daß sie viel Feingefühl hat. Als die Band Rock'n Roll von Led Zeppelin intonierte, fingen einige Hardcore-Zeppelin-Fans bloßbäuchig zu tanzen an. Am Ende grüßte sie einen Freund, der sie 1979 nach Knebworth mitgenommen hatte.
Warum viele Besucher Probleme mit der nun
folgenden Band hatten (wenn man die Reviews im Internet so studiert), ist
mir schleierhaft. Fairport steht für instrumentales Können und
anspruchsvolle Arrangements. Also: was soll das Gezetere,
Alison
Brown sei zu jazzig?
Alison
Brown
Das Alison Brown Quartet bot auf der Basis großartigen instrumentalen Zusammenspiels eine gekonnte Mischung aus Bluegrass, Jazz und Folk. Alison beim Spielen zu beobachten, wie sie mit ihrer Mimik jeden Ton kommentiert, war allein schon diesen Auftritt wert. Sie spielte u.a. My favorite Marcia zu Ehren einer ehemaligen Astronautin, die zum ersten Mal in ihrem Leben einen Fanbrief geschrieben hatte, weil sie von der Musik so begeistert gewesen war. Sie selbst und ihre Band glänzten mit sehr vielen grandiosen Soli.
Kendrick
Freeman, Drummer des Alison Brown Quartetts
Als nach dem Auftritt Danny Thompson Fußballergebnisse bis hinunter zur 3.Liga verlas, bemerkte er, der "Nashville Mob" (Mitglieder des Alison Brown Quartets, die das Equipement wegräumten) frage, was denn das für merkwürdige Zahlen seien.
Der von allen ersehnte Höhepunkt und Abschluß war dann wieder einmal der Auftritt von Fairport Convention. Von symphonischer Musik begrüßt stiegen sie mit The widow of Westmoreland's daughter effektvoll ein. Niemand wollte mehr stillstehen, oder gar sitzen. Simon Nicol bezeichnete Cropredy als "a viable dream come true".
Der Gäste gab es wieder zahlreiche:
Anna Ryder
kam für The crowd, mit prächtigem
Bass-Intro von Dave Pegg. Bei einem Jig-Medley
gesellten sich Neil Wayne (von FREE
REED RECORDS) an der Concertina und Ian Blake
(ehemals Pyewackett) an der Klarinette hinzu. Bei Journeyman
spielte Simon Nicol Leadgitarre. Eine äußerst
kuriose Besetzung sahen wir bei You ain't goin'
nowhere, einer alten Dylan-Nummer, die aber eher durch die Byrds
bekannt geworden war. Gitarre spielte Roger Hill,
und am Schlagzeug saß Tom Farnall, begleitet
von den Gesangsstimmen von
Ian Matthews und
Eddie
Reader, sowie Ashley Hutchings am Bass,
Richard
Thompson, Gitarre und Marc Ellington
(der Adlige) mit Backing Vocals. Bei Sloth
glänzten Thompson und Donahue mit langen Soli.

Ein Wunder war es, wie
Dave
Swarbrick auch an diesem Abend mindestens
eine Stunde mitspielte. Insbesondere beim Brilliancy
Medley
glänzte er wie in alten Tagen. Seinen
Gesangspart bei Rosie übernahm
sehr kompetent
Chris Leslie. Vikki
Clayton bewies, daß sie erste Wahl als Sandy Denny-Interpretin
ist.
Swarb
beeindruckend vertieft in seinen Beitrag
Ralph Mc Tell sang das von Trevor Lucas geschriebene The plainsman und sein eigenes England, oh England. Auch die Tom Connelly Dancers (7 Mädels, 1 Junge) waren wieder da. Sie tanzten zu Martin Allcocks Milltown Maid.

Nach langer Zeit hörten wir, in der Originalbesetzung von 1990, auch Claudy banks einmal wieder, wobei das Arrangement für die Ohren ungewohnt war, da "Maart" statt Keyboards Akustikgitarre spielte. Das klang dann schon ziemlich anders. Matty Groves wurde von einem Intro auf der akustischen Gitarre durch Simon Nicol eingeleitet, dann ging man zum schon öfter angewandten Reggae-Rhythmus über, und Dave Pegg warf derweil jovial seine Mütze ins Publikum. Das unvermeidliche Meet on the ledge, wie immer stark auf die Tränendrüsen drückend, sah wieder einmal unzählige Gäste auf der Bühne stehen. Mit dabei u.a. Ashley Hutchings plus Sohnemann, John Jones, die Oysterband, Eddie Reader und ein Mitglied des deutschen Jethro Tull-Fanclubs.
Fairport Setlist, Samstag
The
widow of Westmoreland's daughter
Happy
man
The
crowd
My
love is in America
Double
lead through / Off she goes
Journeyman's
grace
Walk
awhile
Doctor
of physicks
Now
be thankful
Flowers
of the forest
You
ain't goin' nowhere
Poor
Will and the jolly hangman
Sloth
Hen's
march thru' the midden / Four poster bed
Polly
on the shore
Stranger
to himself
Rising
for the moon
John
the gun
Brilliancey
Medley / Cherokee Shuffle
Rosie
The
plainsman
Red
& gold
England
Milltown
maid
Claudy
banks
Slipjigs
& reels
The
naked highwayman
Red
tide
Jewel
in the crown
Everything
but the skirl / Let there be drums
The
light of day
Bowman's
retreat
Matty
Groves
Dirty
linen
Meet
on the ledge
"After The Show" gab es im Zelt eine Session mit Bob Fox, Geoff Hughes, Eddie Reader u.a., bei der Klassiker der Beatles, Rolling Stones und von Billie Holiday zum Vortrag kamen.
Bob
Fox (links) after the show; rechts Geoff Hughes
Mick
Bullard und Paul Smith feierten bis zum Schluß.
Am Tag danach verabschiedete uns Freund "Big Andy" in seinem Caravan mit einem echten englischen Frühstück, und bei herrlichem Sonnenschein machten wir auf der Fahrt nach Dover noch eine Stippvisite in Sunbury, südwestlich von London, wo in idyllischer Umgebung gar einige Verwegene in der Themse planschten.