update 05.07.2010
* Cropredy 1996 im Fernsehen
* Bericht aus Forever Young, Heft 6, Teil 1
* Forever Young
und Clarion
* Bericht, Teil 2
* Vikki Clayton und John
Jorgenson
* Peggy und Edward
II
* King Earl Boogie
Band
* Chris Leslie
* Gerry Conway
* Hellecasters
* Joe Brown
* Bericht, Teil 3
* Allan Taylor
* Fotos Fairport
* "And in the 1930's I worked
with AI Capone"
* Fairport Setlist
* Interviews mit John
Jones John Pegg
Nachfolgend der Bericht aus "Forever Young", Heft 6
Dave Pegg und Glen Latouche
Dies alles geschah während einer kurzen Ruhepause für Fairport Convention, als Dave Swarbrick und sein ebenfalls in Australien lebender schottischer Kumpel Alistair Hulett alleine auf der Bühne waren. Ansonsten gibt es ja für die meisten Fairporter 4 Stunden lang keine Gelegenheit, persönlichen Bedürfnissen nachzugehen. Ihr fragt Euch, warum ich meinen Bericht mit der Schilderung dieses Erlebnisses einleite? Nun, ich wollte damit symbolisch ausdrücken, daß Fairports Cropredy Festival keineswegs ein gewöhnliches Ereignis ist; natürlich in jeder Hinsicht und auch dann, wenn man bei obiger Gelegenheit nicht zugegen war.
Zunächst einmal ist es stets empfehlenswert, nicht erst zum eigentlichen Festival, das freitags und samstags stattfindet, anzureisen, sondern bereits ein paar Tage vorher. Die Warm-Up-Konzerte im heimeligen Mill Theatre in Banbury sind dank ihrer persönlichen, fast freundschaftlichen Atmosphäre, und der dort noch mehr als auf dem Festival selbst gegebenen Möglichkeit, sich mit den Beteiligten bei einem Bier (große Auswahl, u.a. natürlich 6 X und "Boddington's") zu unterhalten.
.Forever Young" erreichte
Banbury per Zug am Mittwochnachmittag. Mit einem "Railair Link" - Ticket
ist man in gut zwei Stunden von Heathrow aus in Banbury, ohne die lange
Fahrt mit der Underground nach London City und zur "Marylebone Station"
machen zu müssen. Die Busse halten in Heathrow direkt vor dem Terminal
und fahren tagsüber halbstündlich nach Reading, das direkt an
der Bahnlinie Richtung Birmingham, also auch Banbury, liegt. Die Fahrpläne
sind gut gekoppelt; wenn man's eilig hat, kann man innerhalb weniger Minuten
in den Zug umsteigen. "Forever Young" genehmigte sich freilich im "Jolly
Porter" - Pub gegenüber des Bahnhofs ein erstes Pint Bitter Beer.
Nach Banbury kommt man sowohl mit Schnellzügen (Intercity) als auch
mit Regionalzügen, die öfter halten, und etwa 20 Minuten länger
brauchen. Eine Rückfahrkarte von Heathrow nach Banbury kostet bei
Railair Link 22 Pfund. Erkundigt Euch nach Spartickets (Saver Return Tickets)
!
In Banbury angekommen,
und eingecheckt im "Arnberley Guest House", lenkte ich meine Schritte in
Richtung des Pubs, wo ich mit mehreren Freunden verabredet war. Glücklicherweise
war ich rechtzeitig vor ihnen da, denn das Pub hatte sich umbenannt
früher "Flying Horse", jetzt "Old Auctioneer". Ansonsten hätten
wir uns wohl verfehlt. Von dort aus ging es dann nach einer preisgünstigen
Nahrungsaufnahme in Richtung "MilI Theatre".
Das Fairport Convention
Warm-Up stand auf dem Programm. Fairport starteten ihr Programm nach langen
Jahren wieder einmal mit "Royal Seleccion No. 13", und sofort waren Band
und Publikum (ausverkauft natürlich) bei bester Laune, insbesondere
Ric Sanders. Er huschte wie ein Derwisch umher und suchte auch ständig
Blickkontakt mit dem Publikum. Witzige Ansagen gab es traditionell sehr
viele, und nicht alle waren schon bekannt. Ein Martin Allcock-Instrumental
wurde von Sanders, mit Zielrichtung auf "ein fairport-geneigtes Publikum"
als .Liver Dance" angesagt. Wir erfuhren, daß Simon Nicols Mandeln
am selben Tag entfernt wurden, als Martin Allcock geboren wurde - aber
nicht im gleichen Krankenhaus. Dave Pegg wartete wieder einmal ständig
lauernd darauf, daß jemand ein Haar verlieren würde, mit dem
er sich dann posierend zieren könnte. Das Medley "Cat On The Mixer
- Three Left Feet" wurde laut Pegg geschrieben, als Allcock Alkoholprobleme
hatte. Jetzt besitze dieser jedoch soviele Instrumente, daß er gar
nicht mehr zum Trinken komme. Eines dieser Instrumente, eine 12-saitige
Gitarre, die wie eine Gibson aussieht, aber von Freeway Jam-Bassist Andy
Viccars gebaut wurde, führte Allcock im Verlauf des Konzerts vor.
Fairports Programm
brachte zwar größtenteilS bekannte Klassiker, war aber gegenüber
den letzten Tourneen gehörig umgekrempelt worden. Premiere feierte
ein neues Stück, bei dem man sich in die Zeit der sogenannten progressiven
Rockmusik zurückversetzt fühlte - "Spanish Main" . Die alten
Herren klangen hier mit lauten Gitarren, interessanten Breaks und einem
spannungsgeladenen Arrangement, wie eine junge Rockband - "forever young"
halt. Ich gehe davon aus, daß diese Nummer für das nächste
Album aufgenommen werden wird. Als sie "The Gas Almost Works" ankündigten,
erfuhren wir, daß John Kirkpatrick ursprünglich Mitglied von
Fairport Convention werden sollte; sie hätten ihn dann aber nicht
genommen, da er "keine Runde bezahlen wollte" (Pegg: "yes, we're that kind
of band!"). Kirkpatrick sei dann unklugerweise zu Steeleye Span gegangen
- die Band, bei der angeblich alles in D-Dur gespielt wird.
"Matty Groves" wurde wieder mit dem Heavy-Metal-Intro gespielt. Das Arrangement insgesamt war aber radikal geändert worden, andereBreaks, und der Übergang zu "Dirty Llnen", den wir ja von der Acoustic-Tour kennen, wirkte in voller Bandbesetzung noch überzeugender, weil dynamischer, und es folgten unzählige Soloeinlagen. Aufgelockert wurde das Programm mit der Tanzvorführung 12-jähriger Mädels aus Coventry, die sehr nervös wirkten, zu "Mock Morris". Abschließend folgte natürlich ein vielstimmig mitgesungenes "Meet On The Ledge". Das Außergewöhnliche des diesjährigen Fairport-Warm-Ups war die Tatsache, daß keine .surprise guests" präsentiert wurden, was natürlich die Gerüchteküche brodeln ließ, wer wohl auf dem Festival diese Rolle spielen werde.

Am Donnerstag stand
ein Ausflug nach Oxford auf dem Programm, und der Besuch einiger Plattenläden
lohnte sich, wobei zum wiederholten Mal auffiel, daß in England die
großen Läden, umgekehrt als in Deutschland, teurer sind als
die kleinen. Einen großartigen Fund machte ich in einem kleinen Second-Hand-Laden
nahe des Marktplatzes, fand ich doch ein Originalalbum der .Jan Campbell
Folk Group" von 1969, mit einem schönen Coverfoto, auf dem u.a. Dave
Pegg (mit langen Haaren) mit einer Mandoline in der Hand im Gras sitzend
abgebildet ist.

Und was diese drei
Herren, Jerry Donahue, Will Ray und John Jorgenson,
diese wirklichen Weltklassegitarristen, dann abzogen, war unglaublich.
Sie wurden begleitet von Steve Duncan am Schlagzeug (Ex-Emmylou
Harris, Desert Rose Band u.a.), einer der körperlich am härtesten
arbeitenden, den ich je gesehen habe, und Alan Thomson (ExJohn
Martyn, Backroom Boys u.a. - im Originalbericht mit "p" geschrieben, was
aber falsch ist) am Bass. Auf den Zuschauerrängen sah man fast
nur noch staunende offene Münder. Was auf den beiden sehr empfehlenswerten
CDs der Hellecasters vielleicht noch ein wenig seelenlos und allzu professionell
wirkt (man muß sie laut hören, um diesen Eindruck zu vermeiden),
wirkte live derart dynamisch und spielfreudig, daß kaum jemand stillsitzen
konnte. "Inspector Gadget" und der "High/ander Boogie" waren die perfekten
Einheizer. Bei den unzähligen Gitarrensoli gingen die Köpfe der
Zuhörer teilweise wie beim Tischtennis hin und her. Hören genügte
nicht, man mußte es sehen, was hier ablief. John Jorgenson (letztes
Jahr verhindert, da mit Elton John auf Tournee, was wohl einzig und allein
finanzielle Motivationen hatte), bedankte sich bei einer australischen
Band, deren Name mir leider entfallen ist, daß sie seine Komposition
"Back On Terra Firma" zum Top 10 Hit "down under" gemacht hat. Dramatischer
Höhepunkt des Konzerts der Hellecasters war ihre 15-minütige
Version des "Orange Blossom Special". Das Publikum hatte 2 Stunden
lang die Geschichte der Gitarrenkunst, quer durch alle Stilrichtungen,
vorgeführt bekommen, und die Rhythmussektion hate für genügend
Rock 'N' Roll-Charakter gesorgt. Keinesfalls war es Saitenartistik um ihrer
selbst Willen gewesen! Nach dem Konzert ließ ich mir Jerry Donahues
Video "Country Teen" signieren und bat ihn, einen Ratschlag für junge
Gitarristen draufzuschreiben, und er notierte: "Keep practising every
free mlnute". Aus dem Hintergrund rief jemand: "You have to start practising
10 years ago I"
Da in England die Pubs
immer noch der "closing time" unterworfen sind, blieb nur die Möglichkeit
im Hotel noch den Abend ausklingen zu lassen. Sehr empfehlenswert ist das
dieses Jahr endlich geöffnete indische Takeaway "Jewelln The Crown",
nahe des Bahnhofs von Banbury. Die Preise sind sehr zivil, und die Gerichte
sehr schmackhaft und variantenreich. Alles wird frisch zubereitet, und
man muß etwa 20 Minuten warten. An dieser Stelle eine Anmerkung vorweg
zum Verzehrangebot beim Festival: Ein Mädchen aus Deutschland, das
uns zufällig in einem Pub nahe Cropredy am Sonntag nach dem Ereignis
begegnete, fand, die Preise seien zu hoch gewesen. Man sollte dies' jedoch
in Relation zur Qualität des Angebotenen betrachten. Während
anderswo fast gleiche Preise für fette Bratwürste oder Pommes
Frites und schales Bier, das schon 20 Minuten herumsteht, bezahlt werden
müssen, bietet Cropredy ein Spektrum auf internationalem Niveau. Und
umgerechnet 9 Mark für eine große Schale delikat gewürzten
indischen Essens halte ich nicht für übertrieben. Die Bierpreise
waren auf Drängen der Peggs wieder gesenkt worden und lagen mit 1
Pfund 90 Pence für 1 Pint (also etwa 4,50 Mark) auf einem mehr als
akzeptablen Niveau. 5 Mark für 0,4 Liter (also mengenmäßig
1/3 weniger) sind wohl hierzulande üblich - bei schlechterem Niveau.
Apropos Essen: Rindfleisch sah man nur selten; nicht nur hier hatten
die Peggs organisatorisch flexibel reagiert. .Forever Young" - seit Jahren
ein Freund der stets schmackhaften Beefburger in Cropredy - gesteht hiermit,
dieses Jahr vorsichtiger gewesen zu sein. Hühnchen und hauptsächlich
indisches Essen waren dieses Mal angesagt. Und für Vegetarier ist
Cropredy nebenbei bemerkt sowieso ein Paradies; das liegt aber wohl auch
zum Teil daran, daß viele der aktiven Musiker Fleisch verachten.
(Originalbericht
aus Forever Young, Heft 6, Oktober 1996) Das
Festival begann dieses Jahr am Freitag früher als gewohnt bereits
um 17.00 Uhr, und Clarion, eine der vielversprechenden jungen Folkrock-Bands,
sorgten gleich für gute Stimmung. Unter den vor der Bühne kräftig
mitgehenden und tanzenden Fans befand sich unter anderem auch Martin Allcock.
Musikalisch kann man sie wohl am ehesten mit Steeleye Span vergleichen.
Einen Beitrag zur Steigerung des Selbstbewußtseins des Bassisten
von Clarion leistete nach dem Konzert Festival-Chef Dave Pegg, als er Mat
Davies mit den Worten .you're my hero!" in Empfang nahm. Der ebenfalls
gerade auftauchende Danny Thompson antwortete auf Anfrage von "Forever
Young", dieses Jahr stehe er nicht als Bühnenkonferencier zur Verfügung,
da die Fußballsaison erst eine Woche später anfinge. Das Verkünden
der Ergebnisse sei immer eine seiner Lieblingsbeschäftigungen gewesen.
Der ihn vertretende Malcolm Stent von der BBC konnte nicht gerade
überzeugen, und erhielt einige unfreundliche Zwischenrufe. Im Anschluß
an Clarion gingen Chris Leslie, Ric Sanders-Vertreter beim ,,25-jährigen"
und Beryl Marriott, die alte Dame des englischen Folk, auf die Bühne
und hatten angesichts der geringen Lautstärke ihres Vortrags einen
schweren Stand. Dennoch ist es erstaunlich, wie auch diese akustische und
lyrische Musik von den zahlreichen jungen Leuten (direkt vor der Bühne
liegt das Durchschnittsalter des Publikums bei etwa 18), mit lautstarkem
Beifall belohnt wird.
Zwischendurch kam es
zu einer überraschenden Begegnung mit Graeme Taylor. Er erzählte
mir, daß die John Kirkpatrick Band einen sehr guten Lauf habe,
und daß John B. Spencer, in dessen Band er jahrelang gespielt
hatte, für das ROUNDTOWER-Label einige irische Bands produziert habe.
Ansonsten konzentriere sich Spencer im Moment ganz und gar darauf, Kriminalromane
zu schreiben. Graeme Taylor verdient nach eigener Aussage seinen Lebensunterhalt
immer noch überwiegend durch sein Zusammenarbeiten mit Rolf Harris.
Kurz darauf kam es zum Gespräch mit Patrick Humphries, Autor
des legendären "Meet On The Ledge"-Buchs und der Richard Thompson-Biografie
"Strange Affair". Er erzählte, das schwierigste an seinem Werk über
Thompson sei weniger mangelnde Hilfsbereitschaft des Musikers gewesen,
als vielmehr der streng-moslemische Lebensabschnitt Thompsons und die Ehe
mit Linda Thompson.
Mittlerweile hatten
Edward II die Bühne betreten, und ihre Mischung aus in die
Beine gehendem Reggae und keltischer Musik sorgte für Hochstimmung
im Publikum. Überall wurde getanzt. Die Kombination beispielsweise
von "Will Ye Go Lassie Go" mit Bob Marley-Klassikern wirkte fast selbstverständlich,
als lägen die Highlands und Jamaika geographisch gar nicht so weit
auseinander. Edward II sind im Herbst in Deutschland auf Tour. Unbedingt
hingehen! Sie sind außerdem sehr nette und gesprächige Leute.
Die Richard Thompson
Band (Thompson, Thompson, Zorn, Mattacks) war natürlich von vielen
mit Spannung erwartet worden, brauchte aber nach einigen eher ruhigen Stücken
eine lange Anlaufzeit, bis Bewegung ins Publikum kam. Wie ich selbst
miterlebte, schreckte das einige Newcomer im Publikum ab, die sich dann
angesichts des einsetzenden Regens in ihre Unterkunft zurückzogen.
Somit entging ihnen der elektrisierende zweite Teil des Konzerts, in dem
ein Klassiker den anderen jagte, und von den neuen Stücken gefiel
insbesondere "Put It There Pel" mit einem aberwitzigen Gitarrensolo. "I
want To See The Bright Lights Tonight" konnte mit einer völlig neu
arrangierten
Version überzeugen.
.Don't it on my Jimmy Shands" motivierte das gesamte Publikum zum Mitsingen;
es wurde als "fingersnipping Swing" musikalisch interessant abgewandelt.
Höhepunkt für mich persönlich war wieder einmal "Tear stained
letter"; ein tolles Erlebnis 18000 Leute mittanzen zu sehen und mitsingen
zu hören.
Pegg liebt haarige Angelegenheiten
(hier mit 3 Mitgliedern von Edward II)
++
++
Richard
Thompson und zwei seiner Fans (Emma + "Forever Young")
(Originalbericht aus Forever Young, Heft 6, Oktober 1996) Am Samstagmittag war die King Earl Boogie Band genau die richtige Medizin, um die müden Geister und Glieder wieder aufzuwecken. Ihre fröhliche Jugband-, Boogie Woogie, Skiffle- und Bluesmusik animierte zum Tanzen und Mitsingen. Zum Programm gehörten auch einige Mungo Jerry-Titel. In ungewohnter Umgebung sah man dann einen der besten Schlagzeuger Englands, Gerry Conway, neuerdings übrigens liiert mit Jacqui Me Shee, auftreten. Er begleitete auf allen möglichen Schlaginstrumenten (unter anderem trommelte er mit den Händen auf einer Holzkiste) den nur in England bekannten Folksänger und sehr fingerfertigen Akustikgitarristen David Hughes, dessen Stimme ein wenig an Leo Kottke erinnert. Gast bei einem Stück war Ric Sanders, und er zweckentfremdete seine Geige, um bei einem Perkussionsolo Conways einzusteigen.
Die mir bis dahin
völlig unbekannte Atlantic Wave Band bot eine durchaus kompetente
Mischung aus englisch / amerikanischem Folk und Rock, wobei letzteres Element
überwog. Mittlerweile signierte der Originalbassist von Jethro Tull,
Gien Cornick, die neue CD der wiederformierten Wild Turkey. Auch
Ashley Hutchings stand später zum Autogramme geben zur Verfügung.
Sein "The Guv'nor Vol. 4" war frisch auf dem Markt. Zwei Stunden lang standen
die Leute an seinem Tisch Schlange. Leider verschwand er anschließend
gleich wieder vom Gelände, und es gelang "Forever Young" nicht ihn
zusammen mit Dave Pegg abzulichten, wogegen letzterer rein gar nichts gehabt
hätte.
Dann stolperte ich
über Allan Taylor, der im Moment an seinem Songbook arbeitet.
Er berichtete stolz, Fairport würden mit ihm zusammen zwei seiner
Stücke spielen. Ein paar Meter weiter stand Robert Plant und
trank ein Bier. Er war wieder einmal nur rein zum Vergnügen gekommen.
In Cropredy kann er unbehelligt sein Bier geniessen und der Musik zuhören.
Dave Pegg beobachtete ich bei vorbildlicher Tätigkeit, als er auf
den Boden geworfene Zigarettenkippen einsammelte und in Mülltonnen
warf. So stellt man sich sympathische Chefs vor, oder ?
Leider etwas kürzer
als im Mill Theatre war der Auftritt der Hellecasters, die diesen
Auftritt vor einem großen Publikum sichtlich genossen. Sie dürften
in Cropredy sehr viele Freunde gewonnen haben; ihre CDs gingen jedenfalls
weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln.
Apropos CDs: Terrapin
Records hatten an ihrem Stand die Preise angezogen; teilweise mußte
man 15 Pfund für einen Silberling hinbättern. Da sind Woodworms
12 Pfund doch wirklich sehr human. Einen sehr warmen und herzlichen Empfang
bereitete das Publikum dem Duo Show 0f Hands, namentlich Phil
Beer und Steve Knightley, welcher sich am Tag danach auch noch
als talentierter Cricket-Spieler erwies. Es ist sehr ungewöhnlich,
welch' energiegeladenen und auch lauten Set zwei Leute vor 18000 Zuhörern
abliefern können. "Forever Young" hatte während diesem Auftritt
die Ehre, den Soundtower zu besichtigen: zwei 48-Kanal-Mischpulte (eines
ganz allein für Fairport) und unzählige andere Geräte sorgten
wieder einmal für den in Cropredy gewohnten sehr guten Ton.
Ebenfalls von Anfang
an das Publikum auf seiner Seite hatte Joe Brown, nachdem er mit
dem Rock 'N' Roll Klassiker "lt'll Be Me" eingestiegen war. Zu seiner Band
"The Bruvvers" gehören Schlagzeuger Phil Capaldi, Gitarrist
Neil Gauntlett und Bassist Dave Nilo. Joe Brown, ein erstaunlich
guter Gitarrist übrigens, konnte auf einer Tournee 1996 mehr als 50
große Konzerthallen ausverkaufen. Die zahlreichen Coverversionen,
welche die Band spielte, waren keineswegs ein Abklatsch, sondern wirkten
frisch und sorgten für ausgelassene Stimmung. Zum Set gehörten:
"Midnight Special", .I'm Henry VIII", .Hava Nagilah" und natürlich
sein größter Hit, "Picture Of You".
In der Zwischenzeit
spielte Richard Thompson backstage Fußball mit seinen Söhnen,
wobei der kleinere immer wieder heulend resignierte, weil es nicht so richtig
klappte, obwohl ihm der Papa kompetente Anleitung gegeben hatte.
++++
King Earl Boogie Band:
Colin Pattenden /Ex-Bassist von Manfred Mann's Earth Band und Colin Earl
+++++
Mit Leib und Seele dabei:
Gerry Conway (links)
Rechts die Hellecasters:
l-r: Alan Thomson, Steve Duncan, Will Ray, John Jorgenson, Jerry Donahue
+++
The Hellecasters
Will Ray und John
Jorgenson (Hellecasters)
Jerry Donahue,
leider immeretwas zu weit im Hintergrund bei den Hellecasters
++++
Joe Brown (links) mit
einem exzellenten Auftritt
Allan Taylor als gern
gehörter Gast bei Fairport
(Originalbericht
aus Forever Young, Heft 6, Oktober 1996) Als
Fairport Convention dann gegen 20.00 Uhr auf die Bühne gingen, wurden
sie mit stürmischem Applaus begrüßt. Es muß ein großartiges
Gefühl für einen Musiker sein, so empfangen zu werden. Auf den
Anheizer "Royal Seleccion No. 13" folgten weitere Klassiker wie "Walk Awhile",
"tbe Widow Of Westmoreland", "Cup Of Tea - Loaf Of Bread", und der Jubel
kannte keine Grenzen, als Dave Swarbrick auf die Bühne kam.
Zuvor war schon Allan Taylor als Gast herzlich empfangen worden,
mit dem Fairport "Lady Of Pleasure" und "Calling On" spielten. Fairport
und Swarbrick stiegen ein mit "Keilman's Petition", worauf die Band die
Bühne verließ (und teilweise an einer seltsamen Begegnung in
der Toilette beteiligt war), und Dave Swarbrick mit dem "Bonny Black Hare"
alleine zurückließ. Mit seinem Freund Alistair Hulett wurde
dann "Blue Murder" vorgetragen, ehe sich für vier weitere Klassiker
die Band inklusive einem gesättigten Dave Mattacks und Gitarrenmeister
Jerry Donahue wieder auf der Bühne einfand: "Hexhamsnire Lass",
"It Suits Me Well", "Brilliancy Medley" und "Rosie" ließen die Stimmung
immer mehr ansteigen. Alles beruhigte sich dann ein wenig, als "Red And
Gold" angestimmt wurde. Viele Balladen aber waren an diesem Abend nicht
angesagt. Stücke wie "Surfeit Of Lampreys" und" The Naked Highwayman"
sind mittlerweile feste Bestandteile des Fairport-Sets, eigentlich gar
nicht mehr wegzudenken. Eine große Überraschung war dann der
Gastauftritt Richard Thompsons, denn er beschränkte sich keineswegs
darauf, Fairport bei irgeneinem Klassiker zubegleiten. Nein, man hatte
offenbar intensiv geprobt, und Fairport spielte mit ihm zusammen 4 seiner
Stücke. Die Titelauswahl war zudem sehr überraschend: "Hand
Of Kindness", "Galway To Graceland", das ich zuvor noch nie in voller Bandbesetzung
gehört hatte, "Nobody's Wedding" (lange nicht gehört!) und ein
elektrisierendes "Gypsy Love Songs". Fairport sind die perfekte Begleitband,
und sie gönnten sich danach nur zwei eigene Stücke mit "Jewel
ln The Crown" (agressiver als bisher gespielt) und" The Wounded Whale",
ehe der eigentliche "suprise guest" auf die Bühne; ein Blickfang wahrlich,
und eine großartige Stimme außerdem: Sam Brown, die
Tochter von Joe Brown. Sie sang drei Stücke, und Fairport konnten
ihre Vielseitigkeit unter Beweis stellen. Dem Millionenhit "Stop" folgte
Aretha FrankIins "Never Loved A Man" und mit "Shoora Shoora" ein weiterer
Soulklassiker, bei dem Dave Pegg kräftig mitsang. Etwa zur selben
Zeit tauchte backstage ganz überraschend Roy Wood auf und begab
sich in Richtung Bühne. Sein Kommen war völlig unerwartet, und
die herzliche Begrüssung durch den überraschten Dave Pegg (ehe
sie zur Zugabe zurück auf die Bühne gingen) war ein sehr schöner
menschlicher Moment. "Who Knows Where The Time Goes" (mit hervorragenden
Gitarrebeiträgen von Donahue) wurde leider wieder nicht von einem
weiblichen Gast gesungen; Simon Nicol war hier stimmlich phasenweise
etwas daneben.
Ich meine, das ist
nicht so schlimm, weil ja sowieso fast alle Leute mitsingen, aber die beste
Lösung ist es bestimmt nicht.
"Meet On The Ledge" war dann wieder der auf die Tränendrüsen
drückende Abschluß, und jeder, mit dem ich sprach, schwor, nächstes
Jahr wiederzukommen. Wieder einmal verließ man den Ort des Geschehens
mit dem Gefühl, für sein Geld einen mehr als adäquaten Gegenwert
bekommen zu haben. Wie sagte doch Dave Pegg zu einem Vertreter der Zeitschrift
MOJO anlässlich Cropredy 1996 ?:
" Wir sind unabhängig
von Plattenfirmen und Modetrends ... wir überleben einzig und allein
durch eigene Verantwortung, und das ist gewiß ein ehrlicher Weg des
Überlebens. Wir sind glücklich, daß dies' so ist."
Der MOJO-Berichterstatter
(übrigens im Rahmen einer Reportage über mehrere Festivals dieses
Sommers) resümierte denn auch zu Ehren von Fairport Convention: "Cropredy
und die Fairporter stehen für etwas sehr wichtiges in unserer Zeit:
ein tief verinnerlichtes Gefühl der nationalen Einheit, der Toleranz
und Zuneigung, und sie sind zurecht stolz darauf ... mögen sie lange
so weitermachen! Ich werde auf jeden Fall wiederkommen. "
Um hier nicht in den
Verdacht der blinden Fantümelei zu verfallen: Dieser Reporter namens
Andy Soutter ist keineswegs ein Fairport-Fan, und er zog das zitierte Resümee
im Zusammenhang eines Vergleichs verschiedener großer Festivals.
Man muß also kein "Fairport Maniac" sein, um zu dem Schluß
zu kommen, daß Cropredy eines der positivsten musikalischen Ereignisse
des Jahres ist. Kommt nächstes Jahr und überzeugt Euch selbst!
Die Fairporter haben es verdient, und Ihr werdet es nicht bereuen.
Wer sich übrigens
für nähere Informationen zur Wadworths Brewery (6 X) interessiert,
oder eine Mütze oder ein Sweatshirt kaufen will schreibt an die:
Wadworths Brewery in Devizes, Wiltshire SN 10 1 JW, ENGLAND.
Einen Tag nach dem Festival
stand um 14.00 Uhr ein Cricket-Match auf dem Sportplatz in Cropredy
an. Es traten an eine Auswahl von Musikern gegen ein Team von Cropredy.
Unter den Aktiven befanden sich u.a. Dave Pegg (der nach eigener Aussage
3 Wochen lang trainiert hatte), Simon Nicol, Steve Knightley, Richard Thompson
und Danny Thompson. Nach 5 Stunden war das Match beendet, und das Cropredy-Team
hatte gewonnen. "Forever Young" fragte Simon Nicol, ob 5 Stunden Dauer
normal seien, und erhielt zur Antwort: "Normal sind 5 Tage", worauf der
Schreiber dieser Zeilen lauthals lachte. Leider kam dies' einer Blamage
gleich, denn wie ein Experte später mitteilte, sind 5 Tage tatsächlich
der Normalfall. Doch damit war nicht der einzige Lapsus passiert: Beim
Interview mit John Jones (siehe weiter hinten), dem Stage-Manager
in Cropredy, ließ ich das Diktiegerät mitlaufen, ohne den Antworten
in jeder Phase aufmerksam zu lauschen (man war ja noch müde vom Vortag).
Also wurde zwischendurch immer wieder kräftig genickt, um vorzutäuschen,
man habe alles verstanden.
Das genaue Anhören
der Antworten würde dann zuhause in aller Ruhe geschehen. Möglicherweise
nickte "Forever Young" jedoch auch, als John Jones beim Aufzählen
einiger berühmter Namen, mit denen er schon gearbeitet habe, mitteilte: "And
in the 1930's I worked with AI Capone". Darauf werde ich nächstes
Jahr unter Anwendung einer rhetorisch eleganten Form wohl zurückkommen
müssen.
Der "alte" und der "neue"
- Ric Sanders und Dave Swarbrick
++++
"Swarb"
+++
Simon Nicol, Ric Sanders
Foto aus dem Programmheft
- Maart kommt direkt aus der "Voodoo Lounge"
(aus
"Forever Young, Heft 6, Oktober 1996)
Beim diesjährigen Cropredy-Festival war erstmals das Fernsehen anwesend.
Der Privatsender "Central TV" aus Birmingham brachte eine 3/4-stündige,
sehr gut gemachte Dokumentation über das Festival, mit sehr vielen
Interviews, Zuschauerbefragungen und einem Blick hinter die Kulissen, mit
dem es gelingt, deutlich zu machen, daß es sich hier nicht um ein
gewöhnliches Ereignis handelt. Neben einigen Konzerteinspielungen,
unter anderem ein ergreifendes "Meet On The Ledge" mit tausendfachem Chorus,
wird hauptsächlich das Drum und Dran beleuchtet. In der Fernsehdokumentation
erfahren wir unter anderem, daß "das Festival für den besonderen
Stellenwert von Fairport Convention sehr wichtig ist", daß Cropredy
820 Einwohner hat, daß das "Brasenose" - Pub vor dem Festival Bier
für 18.000 englische Pfund eingekauft hat, daß die Gemeindehalle
ohne die Gewinne während des Festivals (Frühstücksangebot)
kaum erhalten werden könnte, daß der örtliche Sportverein
sich dank Fairport ein neues Vereinsheim bauen konnte, daß Martin
Allcock von 18.000 Festivalgästen mindestens 6.000 mit Vornamen kennt,
daß eine 14-jährige Festivalbesucherin das Cropredy-Festival
dem gleichzeitigen Auftritt von Oasis in Knebworth (wo ihre Mutter weilte)
vorzog, daß Pink Floyd zwar in der selben Szene als Fairport entstanden
seien, und später auch Konzerte vor größerem Publikum gegeben
hätten, daß sie aber heute weit weniger aktiv seien als Fairport
(Pegg: "we work harder"), daß viele Besucher aus der Zeit der 60'er
Jahre in Cropredy das einzige Festival sehen, welches noch eine ähnliche
Atmosphäre biete, und daß ein etwa 20-jähriger Arbeiter
auf dem Festival findet, er habe in Cropredy mit weit mehr zivilisierten
Personen zu tun als anderswo.
Cropredy Set-List 1996 - Fairport
Royal Sellecion
Walk Awhile
Widow of Westmoreland
Con Casey's (+ Dancers)
Cup of Tea
Crazy Man Michael
Spanish Main
Lady of Pleasure (+ Alan)
Calling On (+ Alan)
Portmeirion
Slipjigs and Reels
Keilma's Petition Petition (+Swarb)
Bonny Black Hare (Swarb solo)
Blue Murder (Swarb+Alistair)
Hexhamshire Lass (+Swarb+JD)
Suits me Well (+Swarb+JD)
Brilliancy Medley (+Swarb+JD)
Rosie (+Swarb+JD)
Red + Gold
Surfeit of Lampreys
Diamonds+Gold
Naked Highwayman
Gas/Cat/Feet
Hiring F'air
Hand of Kindness (+ R T )
Galway to Graceland (+RT)
Nobody's Wedding (+RT) ..
Gypsy Love Songs (+RT')+Sam, Clare + Margo
Jewel in the Crown
Wounded Whale
Stop (+Sam)'+ Clare + Margo
Never Loved a Man (+Sam) Clare + Margo
Shoora Shoora (+Sam) Clare + Margo
Red Tide
Mock Morris
Milltown Maid
Matty
Who Knows - with Jerry Donahue
Meet and Goodnight -
Everyone
Das Anliegen von "Forever Young" soll es
an dieser Stelle sein, Licht zu werfen auf das, was sich im Hintergrund,
und während der Vorbereitung des Festivals abspielt. Denn gerade das
ist es, was Cropredy wohl von anderen Ereignissen dieser Art unterscheidet.
Ein Großteil der fleissigen Helfer auf dem Gelände sind ehrenamtlich
tätige Bekannte und Verwandte der Musiker, und nur im technischen
Bereich werden bezahlte Profis eingesetzt. Auch der "Banbury Guardian"
widmete sich der organisatorischen Seite und stellte in einem ganzseitigen
Artikel Dave Peggs Frau Christine vor, die praktisch das ganze Jahr mit
der Organisation beschäftigt ist. Die Konzessionen für die Händler
werden beispielsweise bereits im September des Vorjahres eines jeden Festivals
vergeben. Christine Pegg sitzt während des gesamten Festivals in ihrem
Caravan und ist nicht dazu zu bewegen, diesen zu verlassen. Ausgerüstet
mit Telefon und Funkgeräten muß sie immer sofort reagieren können,
wenn es etwas zu delegieren gibt.
"Forever Young" unterhielt sich zunächst
mit John Jones, dem Stage-Manager des Festivals, der viele Jahren
mit Fairport Convention zusammengearbeitet hat. 1975 begann er als Tourmanager
bei ihnen und blieb bis 1978. Anschliessend arbeitete er für Van Morrison
anlässlich der "Comrnon One" - Tour, danach mit den Wings und Tony
Bennett. Jones erzählte mir, er sei ein großer Jazz-Fan und
schätze es hoch ein, mit diesem Mann gearbeitet zu haben. Auch für
Johnny Guitar Watson und die deutsche Band Fury In The Slaughterhouse fungierte
Jones als Manager. Zudem ist er als musikalischer Direktor vieler Festivals
tätig gewesen, wobei er das körperliche Arbeiten auf Festivals
"von der Pieke auf" gelernt hat, und dem Vernehmen nach gegenüber
Leuten, die nicht besonders fleissig sind, durchaus einen rauhen Ton an
den Tag legen kann.
Gab es beim diesjährigen
Festival irgendwelche besonderen Vorkommnisse im organisatorischen Bereich
?
Alles, was an Problemen
hinter der Bühne vorkommt, bleibt mein persönliches Geheimnis.
Dieses Jahr hatten wir große Angst vor einem Dauerregen, und freitagabends
gab es einige technische Probleme deshalb. Eine Katastrophe wäre das
auch für die Leute an der Bar gewesen, die ja nicht überdacht
ist. In den letzten Jahren hatten wir mit dem Wetter immer sehr viel Glück
gehabt. Mit dem Sound hatten wir zu Beginn des Fairport-Sets ein wenig
Probleme. (Nebenbei bemerkt, aber von Jones
nicht erwähnt: Als die Hellecasters etwas früher als geplant
auf die Bühne traten, war kein Mixer auf dem Soundtower anwesend.
Wie mir gewöhnlich gut unterrichtete Kreise berichteten, soll Jones,
der selbst eigentlich kein Techniker ist, hastig nach oben geklettert sein
und alle Regler nach oben geschoben haben.)
Nachdem Du mit so
vielen berühmten Leuten zusammengearbeitet hast, was hat Dich denn
dann dazu bewogen, immer wieder zu Fairport zurückzukommen und mit
ihnen zu arbeiten. Was ist so speziell an dieser Band?
Was mich persönlich angeht, so ist es mir zunächst ein mai eigentlich
völlig egal, mit wem ich arbeite. Und wenn es der Papst wäre,
oder der amerikanische Präsident, oder irgendeine Mega-Band, und ich
habe mit einigen von ihnen gearbeitet. Fairport Convention aber ist meine
ewige Liebe. Es ist wie mit einem noch nicht fertigen Bild. Wir alle sind
von Nutzen in verschiedener Hinsicht, und obwohl ich aufgehört habe,
mit ihnen auf Tournee zu gehen, was Rob Braviner übernommen hat, möchte
ich sagen, daß ich jedem Festival, wo und wann auch immer, Fairport
Convention empfehlen kann. Für mich persönlich sind sie Musiker
erster Klasse, was sich ja auch regelmäßig durch die Gastauftritte
in Cropredy bestätigt. Sie können für fast jedermann die
Backing Band spielen, von Robert Plant bis Sam Brown oder Roy Wood von
Wizzard und Move. Wo sonst findest Du solche Genies? Für mich ist
es ein Privileg, immer noch mit ihnen zu tun zu haben. Und natürlich
sind es auch viele Kleinigkeiten am Rande, die mich begeistern. Meine größte
Freude dieses Jahr war es zum Beispiel - und das macht für mich die
Essenz dieses Festivals aus - , mit Leuten wie Beryl Marriott und Dave
Swarbrick zusammenzusein, und dann dieses junge Publikum zu sehen, das
durchaus amüsiert hätte reagieren können, diese Leute aber
mit einem außerqewöhnlich herzlichen Beifall verabschiedete
- trotz ihres Alters. Ich persönlich bin keiner, der im Vordergrund
steht, ich arbeite im Hintergrund. Wir alle müssen wirklich sehr viel
arbeiten, bevor die Fairporter das Ruder übernehmen. Aber ich wünsche
mir, daß sie es noch lange tun.
Als wären
wir nie dagewesen !
Anschließend sprach ich mit John
Pegg, dem älteren Bruder von Dave, der im übrigen eine üppigere
Haarpracht als sein berühmterer Bruder hat.
Was ist Dein Tätigkeitsbereich
auf dem Festival ?
Ich habe verschiedene
Aufgaben, eine davon ist die Zusammenarbeit mit der Crew, wenn die allerersten
Vorbereitungen vor dem Festival getroffen werden. Das heißt, die
Zäune aufzubauen, die Markierungen anzubringen, den Aufbau der Toiletten
zu überwachen, dafür zu sorgen, daß die Bühne rechtzeitig
steht, dafür zu sorgen, daß die Eingänge ausreichend gekennzeichnet
sind, und dann am Mittwoch die Plätze für die Händler zu
markieren, also die Essens- und Kleiderstände. Wie Du wahrscheinlich
weißt, sind wir um ein vielseitiges Angebot an Essen bemüht;
wir wollen besser sein als andere Festivals. Auch Handwerksarbeiten werden
angeboten, teilweise vor den Augen der Leute angefertigt, andere kommen
natürlich auch aus Taiwan oder anderswoher. Die Händler kommen
am Donnerstag an, und ich muß mich darum kümmern, sie einzuweisen
und dafür zu sorgen, daß sie sich an die Vorschriften halten,
denen wir bei einem solchen Ereignis unterworfen sind. Dabei gibt es bisweilen
Meinungsunterschiede, aber letztendlich wollen alle Leute mit Konzessionen
ein Jahr später wiederkommen, denn erstens machen sie in der Regel
gutes Geld, und zweitens höre ich immer wieder, daß sie sich
hier wohlfühlen.
Nach dem Festival
muß natürlich alles abgebaut werden, aber wir gönnen uns
eine Pause und veranstalten ein Cricket-Match. In der nächsten Woche
muß alles weggeräumt werden, damit, wenn die Farmer ihr Vieh
wieder auf das Feld lassen, alles so aussieht, als wären wir nie dagewesen.
Was das Publikum angeht, bin ich sicher, daß mindestens ein Drittel
der Leute regelmäßige Besucher sind, um Fairport zu sehen, weil
sie ansonsten keine Gelegenheit dazu haben. Und die Leute haben eine gute
Zeit, wie mir schon viele bestätigt haben. Das Festival läuft
fast immer ohne größeren Ärger ab, von einigen kleineren
Zwischenfällen einmal abgesehen. Aber solche passieren nicht oft,
denn es ist ein richtiggehendes Familien-Festival. Für die Organisation
wird sehr viel Mühe aufgebracht, die örtlichen dienstlichen Behörden
unterstützen uns sehr gut, und das Sicherheitspersonal ist freundlich.
Das alles zusammengenommen macht Cropredy zu einem
Festival der besonderen
Art.
John Pegg, Bruder
von Dave, beim Zuschneiden von Mülltonnen für das Festival