CROPREDY 1996

update 05.07.2010

Cropredy 1996 im Fernsehen 
* Bericht aus Forever Young, Heft 6, Teil 1

Forever Young und Clarion
* Bericht, Teil 2

* Vikki Clayton und John Jorgenson
* Peggy und Edward II
* King Earl Boogie Band
Chris Leslie

* Gerry Conway
* Hellecasters
* Joe Brown
* Bericht, Teil 3
* Allan Taylor
* Fotos Fairport
* "And in the 1930's I worked with AI Capone"

* Fairport Setlist
* Interviews mit John Jones John Pegg

Nachfolgend der Bericht aus "Forever Young", Heft 6


Dave Pegg und Glen Latouche



(Originalbericht aus Forever Young, Heft 6, Oktober 1996) 
"Dave, bist Du da drin ?" - Cropredy 1996: Ein ganz besonderes Ereignis


Der Mann neben mir verfolgte offenbar, wie ich, die Absicht, Platz zu schaffen für ein weiteres Pint des schmackhaften 6 X. Dabei brummelte er so etwas wie "was für ein großartiges Ereignis!". Als ich zur Seite schielte, erkannte ich, daß der hierzulande fast vergessene .Altrocker Joe Brown neben mir stand, welcher eine Stunde zuvor ein unerwartet frisches Konzert mit seiner Band gegeben hatte. Schon diese Begegnung allein war den Besuch der Toilette wert gewesen. Doch was wenige Sekunden später ablief, ist wohl noch um einiges außergewöhnlicher: Stapfte doch plötzlich eine weitere Person in den Toilettenwagen und rief lautstark: "Dave, are you in there?". Aus Richtung der verschlossenen Kabine tönte es: "Yes, lt's definitely me". Ich drehte mich um und sah einen verschmitzt dreinblickenden Zeitgenossen, wie er gerade einen Riesenteller offenbar vegetarischen Essens auf einer Ablage neben dem Waschbecken platzierte, was er dem noch in der Kabine weilenden Dave, der diese Mahlzeit offenbar bestellt hatte, (es handelte sich um Herrn Mattacks, wie sich später herausstellte) auch mitteilte. Doch damit der Anekdote noch nicht genug: Kaum stand der schmackhaft aussehende Teller da, näherte sich Ric Sanders mit seiner Geige in der Hand dem "Gebäude" und gab uns - kaum zu glauben - mitten in der Toilette ein Privatkonzert, nicht ohne uns mitzuteilen, daß er bei bester Laune sei. D.M. begab sich zum Essen dann freilich zivilisierterweise an einen anderen Ort.

Dies alles geschah während einer kurzen Ruhepause für Fairport Convention, als Dave Swarbrick und sein ebenfalls in Australien lebender schottischer Kumpel Alistair Hulett alleine auf der Bühne waren. Ansonsten gibt es ja für die meisten Fairporter 4 Stunden lang keine Gelegenheit, persönlichen Bedürfnissen nachzugehen. Ihr fragt Euch, warum ich meinen Bericht mit der Schilderung dieses Erlebnisses einleite? Nun, ich wollte damit symbolisch ausdrücken, daß Fairports Cropredy Festival keineswegs ein gewöhnliches Ereignis ist; natürlich in jeder Hinsicht und auch dann, wenn man bei obiger Gelegenheit nicht zugegen war.

Zunächst einmal ist es stets empfehlenswert, nicht erst zum eigentlichen Festival, das freitags und samstags stattfindet, anzureisen, sondern bereits ein paar Tage vorher. Die Warm-Up-Konzerte im heimeligen Mill Theatre in Banbury sind dank ihrer persönlichen, fast freundschaftlichen Atmosphäre, und der dort noch mehr als auf dem Festival selbst gegebenen Möglichkeit, sich mit den Beteiligten bei einem Bier (große Auswahl, u.a. natürlich 6 X und "Boddington's") zu unterhalten.

.Forever Young" erreichte Banbury per Zug am Mittwochnachmittag. Mit einem "Railair Link" - Ticket ist man in gut zwei Stunden von Heathrow aus in Banbury, ohne die lange Fahrt mit der Underground nach London City und zur "Marylebone Station" machen zu müssen. Die Busse halten in Heathrow direkt vor dem Terminal und fahren tagsüber halbstündlich nach Reading, das direkt an der Bahnlinie Richtung Birmingham, also auch Banbury, liegt. Die Fahrpläne sind gut gekoppelt; wenn man's eilig hat, kann man innerhalb weniger Minuten in den Zug umsteigen. "Forever Young" genehmigte sich freilich im "Jolly Porter" - Pub gegenüber des Bahnhofs ein erstes Pint Bitter Beer. Nach Banbury kommt man sowohl mit Schnellzügen (Intercity) als auch mit Regionalzügen, die öfter halten, und etwa 20 Minuten länger brauchen. Eine Rückfahrkarte von Heathrow nach Banbury kostet bei Railair Link 22 Pfund. Erkundigt Euch nach Spartickets (Saver Return Tickets) !
In Banbury angekommen, und eingecheckt im "Arnberley Guest House", lenkte ich meine Schritte in Richtung des Pubs, wo ich mit mehreren Freunden verabredet war. Glücklicherweise war ich rechtzeitig vor ihnen da, denn das Pub hatte sich umbenannt ­ früher "Flying Horse", jetzt "Old Auctioneer". Ansonsten hätten wir uns wohl verfehlt. Von dort aus ging es dann nach einer preisgünstigen Nahrungsaufnahme in Richtung "MilI Theatre".

Das Fairport Convention Warm-Up stand auf dem Programm. Fairport starteten ihr Programm nach langen Jahren wieder einmal mit "Royal Seleccion No. 13", und sofort waren Band und Publikum (ausverkauft natürlich) bei bester Laune, insbesondere Ric Sanders. Er huschte wie ein Derwisch umher und suchte auch ständig Blickkontakt mit dem Publikum. Witzige Ansagen gab es traditionell sehr viele, und nicht alle waren schon bekannt. Ein Martin Allcock-Instrumental wurde von Sanders, mit Zielrichtung auf "ein fairport-geneigtes Publikum" als .Liver Dance" angesagt. Wir erfuhren, daß Simon Nicols Mandeln am selben Tag entfernt wurden, als Martin Allcock geboren wurde - aber nicht im gleichen Krankenhaus. Dave Pegg wartete wieder einmal ständig lauernd darauf, daß jemand ein Haar verlieren würde, mit dem er sich dann posierend zieren könnte. Das Medley "Cat On The Mixer - Three Left Feet" wurde laut Pegg geschrieben, als Allcock Alkoholprobleme hatte. Jetzt besitze dieser jedoch soviele Instrumente, daß er gar nicht mehr zum Trinken komme. Eines dieser Instrumente, eine 12-saitige Gitarre, die wie eine Gibson aussieht, aber von Freeway Jam-Bassist Andy Viccars gebaut wurde, führte Allcock im Verlauf des Konzerts vor.
Fairports Programm brachte zwar größtenteilS bekannte Klassiker, war aber gegenüber den letzten Tourneen gehörig umgekrempelt worden. Premiere feierte ein neues Stück, bei dem man sich in die Zeit der sogenannten progressiven Rockmusik zurückversetzt fühlte - "Spanish Main" . Die alten Herren klangen hier mit lauten Gitarren, interessanten Breaks und einem spannungsgeladenen Arrangement, wie eine junge Rockband - "forever young" halt. Ich gehe davon aus, daß diese Nummer für das nächste Album aufgenommen werden wird. Als sie "The Gas Almost Works" ankündigten, erfuhren wir, daß John Kirkpatrick ursprünglich Mitglied von Fairport Convention werden sollte; sie hätten ihn dann aber nicht genommen, da er "keine Runde bezahlen wollte" (Pegg: "yes, we're that kind of band!"). Kirkpatrick sei dann unklugerweise zu Steeleye Span gegangen - die Band, bei der angeblich alles in D-Dur gespielt wird.

"Matty Groves" wurde wieder mit dem Heavy-Metal-Intro gespielt. Das Arrangement insgesamt war aber radikal geändert worden, andereBreaks, und der Übergang zu "Dirty Llnen", den wir ja von der Acoustic-Tour kennen, wirkte in voller Bandbesetzung noch überzeugender, weil dynamischer, und es folgten unzählige Soloeinlagen. Aufgelockert wurde das Programm mit der Tanzvorführung 12-jähriger Mädels aus Coventry, die sehr nervös wirkten, zu "Mock Morris". Abschließend folgte natürlich ein vielstimmig mitgesungenes "Meet On The Ledge". Das Außergewöhnliche des diesjährigen Fairport-Warm-Ups war die Tatsache, daß keine .surprise guests" präsentiert wurden, was natürlich die Gerüchteküche brodeln ließ, wer wohl auf dem Festival diese Rolle spielen werde.



Am Donnerstag stand ein Ausflug nach Oxford auf dem Programm, und der Besuch einiger Plattenläden lohnte sich, wobei zum wiederholten Mal auffiel, daß in England die großen Läden, umgekehrt als in Deutschland, teurer sind als die kleinen. Einen großartigen Fund machte ich in einem kleinen Second-Hand-Laden nahe des Marktplatzes, fand ich doch ein Originalalbum der .Jan Campbell Folk Group" von 1969, mit einem schönen Coverfoto, auf dem u.a. Dave Pegg (mit langen Haaren) mit einer Mandoline in der Hand im Gras sitzend abgebildet ist.

Mein Freund Oliver war im siebten Himmel, als er eine fast komplette Sammlung von raren All About Eve - Singles erstehen konnte, zu einem Preis, den er auf dem Sammlermarkt im Extremfall wohl für eine der Scheiben hätte hinblättern müssen. So war natürlich Anlass gegeben, das Ganze zu begießen. Ich machte die sensationelle Entdeckung eines Pubs, wo ein Pint Bitter nur 1 Pfund 35 Pence kostete (ca DM 3.20). Gerade in dem von Touristen überlaufenen Oxford hätte ich das nicht erwartet.

Dies' alles trug natürlich zur Steigerung der Laune bei, mit der wir uns zum Warm-Up der Hellecasters, auch im "MilI Theatre" begaben. Dave Pegg hatte am Vorabend alle Gitarristen gewarnt, sich dieses Konzert lieber nicht anzusehen, da sie sich danach wohl entschließen würden, ihre Gitarre an den Nagel zu hängen. Es stellte sich heraus, daß der Donnerstagabend ein ungünstiger Termin ist. Die meisten Festivalgäste treffen an diesem Tag ein. Da es mehrheitlich Camper sind, fahren sie direkt nach Cropredy, um sich dort erst einmal "häuslich einzurichten". Dabei ist es zwangsläufig nicht ihr erster Gedanke, eiligst nach Banbury hineinzufahren, Daher war das Konzert nur spärlich besucht. Gleich zu Beginn gab es eine Riesenüberraschung: Die herrlichen Instrumente der Hellecasters standen schon parat, doch plötzlich trat unter herzlichem Beifall und mit viel "Hallo!" begrüßt, eine Dame auf die Bühne, die viele Fairport-Fans vergangenes Jahr in Cropredy gerne mit Fairport auf der Bühne gesehen hätten, was jahrelang eine Selbstverständlichkeit gewesen war.  Ich spreche - natürlich - von Vikki Clayton. Sie hatte ganz frech Jerry Donahue angerufen, und ihn gefragt, ob es ihnen etwas ausmache, wenn sie - unangekündigt - im Vorproramm aufträte. Donahue hält große Stücke auf ihre stimmlichen Fähigkeiten und sagte spontan zu. Vikki Clayton präsentierte einige neue Kompositionen, die für ihr nächstes Album geplant sind. Sie erhielt viel Beifall von einem Publikum, das eigentlich schon auf etwas ganz anderes eingestimmt war. Vikki Clayton spielte anschließend noch die Rolle der Ansagerin für die Hellecasters.

Und was diese drei Herren, Jerry Donahue, Will Ray und John Jorgenson, diese wirklichen Weltklassegitarristen, dann abzogen, war unglaublich. Sie wurden begleitet von Steve Duncan am Schlagzeug (Ex-Emmylou Harris, Desert Rose Band u.a.), einer der körperlich am härtesten arbeitenden, den ich je gesehen habe, und Alan Thomson (Ex­John Martyn, Backroom Boys u.a. - im Originalbericht mit "p" geschrieben, was aber falsch ist) am Bass.  Auf den Zuschauerrängen sah man fast nur noch staunende offene Münder. Was auf den beiden sehr empfehlenswerten CDs der Hellecasters vielleicht noch ein wenig seelenlos und allzu professionell wirkt (man muß sie laut hören, um diesen Eindruck zu vermeiden), wirkte live derart dynamisch und spielfreudig, daß kaum jemand stillsitzen konnte. "Inspector Gadget" und der "High/ander Boogie" waren die perfekten Einheizer. Bei den unzähligen Gitarrensoli gingen die Köpfe der Zuhörer teilweise wie beim Tischtennis hin und her. Hören genügte nicht, man mußte es sehen, was hier ablief. John Jorgenson (letztes Jahr verhindert, da mit Elton John auf Tournee, was wohl einzig und allein finanzielle Motivationen hatte), bedankte sich bei einer australischen Band, deren Name mir leider entfallen ist, daß sie seine Komposition "Back On Terra Firma" zum Top 10 Hit "down under" gemacht hat. Dramatischer Höhepunkt des Konzerts der Hellecasters war ihre 15-minütige Version des "Orange Blossom Special".  Das Publikum hatte 2 Stunden lang die Geschichte der Gitarrenkunst, quer durch alle Stilrichtungen, vorgeführt bekommen, und die Rhythmussektion hate für genügend Rock 'N' Roll-Charakter gesorgt. Keinesfalls war es Saitenartistik um ihrer selbst Willen gewesen! Nach dem Konzert ließ ich mir Jerry Donahues Video "Country Teen" signieren und bat ihn, einen Ratschlag für junge Gitarristen draufzuschreiben, und er notierte: "Keep practising every free mlnute". Aus dem Hintergrund rief jemand: "You have to start practising 10 years ago I"

Da in England die Pubs immer noch der "closing time" unterworfen sind, blieb nur die Möglichkeit im Hotel noch den Abend ausklingen zu lassen. Sehr empfehlenswert ist das dieses Jahr endlich geöffnete indische Takeaway "Jewelln The Crown", nahe des Bahnhofs von Banbury. Die Preise sind sehr zivil, und die Gerichte sehr schmackhaft und variantenreich. Alles wird frisch zubereitet, und man muß etwa 20 Minuten warten. An dieser Stelle eine Anmerkung vorweg zum Verzehrangebot beim Festival: Ein Mädchen aus Deutschland, das uns zufällig in einem Pub nahe Cropredy am Sonntag nach dem Ereignis begegnete, fand, die Preise seien zu hoch gewesen. Man sollte dies' jedoch in Relation zur Qualität des Angebotenen betrachten. Während anderswo fast gleiche Preise für fette Bratwürste oder Pommes Frites und schales Bier, das schon 20 Minuten herumsteht, bezahlt werden müssen, bietet Cropredy ein Spektrum auf internationalem Niveau. Und umgerechnet 9 Mark für eine große Schale delikat gewürzten indischen Essens halte ich nicht für übertrieben. Die Bierpreise waren auf Drängen der Peggs wieder gesenkt worden und lagen mit 1 Pfund 90 Pence für 1 Pint (also etwa 4,50 Mark) auf einem mehr als akzeptablen Niveau. 5 Mark für 0,4 Liter (also mengenmäßig 1/3 weniger) sind wohl hierzulande üblich - bei schlechterem Niveau.  Apropos Essen:  Rindfleisch sah man nur selten; nicht nur hier hatten die Peggs organisatorisch flexibel reagiert. .Forever Young" - seit Jahren ein Freund der stets schmackhaften Beefburger in Cropredy - gesteht hiermit, dieses Jahr vorsichtiger gewesen zu sein. Hühnchen und hauptsächlich indisches Essen waren dieses Mal angesagt. Und für Vegetarier ist Cropredy nebenbei bemerkt sowieso ein Paradies; das liegt aber wohl auch zum Teil daran, daß viele der aktiven Musiker Fleisch verachten.




Forever Young und Clarion


Chris Leslie

(Originalbericht aus Forever Young, Heft 6, Oktober 1996) Das Festival begann dieses Jahr am Freitag früher als gewohnt bereits um 17.00 Uhr, und Clarion, eine der vielversprechenden jungen Folkrock-Bands, sorgten gleich für gute Stimmung. Unter den vor der Bühne kräftig mitgehenden und tanzenden Fans befand sich unter anderem auch Martin Allcock. Musikalisch kann man sie wohl am ehesten mit Steeleye Span vergleichen. Einen Beitrag zur Steigerung des Selbstbewußtseins des Bassisten von Clarion leistete nach dem Konzert Festival-Chef Dave Pegg, als er Mat Davies mit den Worten .you're my hero!" in Empfang nahm. Der ebenfalls gerade auftauchende Danny Thompson antwortete auf Anfrage von "Forever Young", dieses Jahr stehe er nicht als Bühnenkonferencier zur Verfügung, da die Fußballsaison erst eine Woche später anfinge. Das Verkünden der Ergebnisse sei immer eine seiner Lieblingsbeschäftigungen gewesen. Der ihn vertretende Malcolm Stent von der BBC konnte nicht gerade überzeugen, und erhielt einige unfreundliche Zwischenrufe. Im Anschluß an Clarion gingen Chris Leslie, Ric Sanders-Vertreter beim ,,25-jährigen" und Beryl Marriott, die alte Dame des englischen Folk, auf die Bühne und hatten angesichts der geringen Lautstärke ihres Vortrags einen schweren Stand. Dennoch ist es erstaunlich, wie auch diese akustische und lyrische Musik von den zahlreichen jungen Leuten (direkt vor der Bühne liegt das Durchschnittsalter des Publikums bei etwa 18), mit lautstarkem Beifall belohnt wird.

Zwischendurch kam es zu einer überraschenden Begegnung mit Graeme Taylor. Er erzählte mir, daß die John Kirkpatrick Band einen sehr guten Lauf habe, und daß John B. Spencer, in dessen Band er jahrelang gespielt hatte, für das ROUNDTOWER-Label einige irische Bands produziert habe. Ansonsten konzentriere sich Spencer im Moment ganz und gar darauf, Kriminalromane zu schreiben. Graeme Taylor verdient nach eigener Aussage seinen Lebensunterhalt immer noch überwiegend durch sein Zusammenarbeiten mit Rolf Harris. Kurz darauf kam es zum Gespräch mit Patrick Humphries, Autor des legendären "Meet On The Ledge"-Buchs und der Richard Thompson-Biografie "Strange Affair". Er erzählte, das schwierigste an seinem Werk über Thompson sei weniger mangelnde Hilfsbereitschaft des Musikers gewesen, als vielmehr der streng-moslemische Lebensabschnitt Thompsons und die Ehe mit Linda Thompson.
Mittlerweile hatten Edward II die Bühne betreten, und ihre Mischung aus in die Beine gehendem Reggae und keltischer Musik sorgte für Hochstimmung im Publikum. Überall wurde getanzt. Die Kombination beispielsweise von "Will Ye Go Lassie Go" mit Bob Marley-Klassikern wirkte fast selbstverständlich, als lägen die Highlands und Jamaika geographisch gar nicht so weit auseinander. Edward II sind im Herbst in Deutschland auf Tour. Unbedingt hingehen! Sie sind außerdem sehr nette und gesprächige Leute.

Die Richard Thompson Band (Thompson, Thompson, Zorn, Mattacks) war natürlich von vielen mit Spannung erwartet worden, brauchte aber nach einigen eher ruhigen Stücken eine lange Anlaufzeit, bis Bewegung ins Publikum kam.  Wie ich selbst miterlebte, schreckte das einige Newcomer im Publikum ab, die sich dann angesichts des einsetzenden Regens in ihre Unterkunft zurückzogen. Somit entging ihnen der elektrisierende zweite Teil des Konzerts, in dem ein Klassiker den anderen jagte, und von den neuen Stücken gefiel insbesondere "Put It There Pel" mit einem aberwitzigen Gitarrensolo. "I want To See The Bright Lights Tonight" konnte mit einer völlig neu arrangierten
Version überzeugen. .Don't it on my Jimmy Shands" motivierte das gesamte Publikum zum Mitsingen; es wurde als "fingersnipping Swing" musikalisch interessant abgewandelt. Höhepunkt für mich persönlich war wieder einmal "Tear stained letter"; ein tolles Erlebnis 18000 Leute mittanzen zu sehen und mitsingen zu hören.
 



Pegg liebt haarige Angelegenheiten (hier mit 3 Mitgliedern von Edward II)
 
 

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Richard Thompson und zwei seiner Fans  (Emma + "Forever Young")

(Originalbericht aus Forever Young, Heft 6, Oktober 1996) Am Samstagmittag war die King Earl Boogie Band genau die richtige Medizin, um die müden Geister und Glieder wieder aufzuwecken. Ihre fröhliche Jugband-, Boogie Woogie­, Skiffle- und Bluesmusik animierte zum Tanzen und Mitsingen. Zum Programm gehörten auch einige Mungo Jerry-Titel. In ungewohnter Umgebung sah man dann einen der besten Schlagzeuger Englands, Gerry Conway, neuerdings übrigens liiert mit Jacqui Me Shee, auftreten. Er begleitete auf allen möglichen Schlaginstrumenten (unter anderem trommelte er mit den Händen auf einer Holzkiste) den nur in England bekannten Folksänger und sehr fingerfertigen Akustikgitarristen David Hughes, dessen Stimme ein wenig an Leo Kottke erinnert. Gast bei einem Stück war Ric Sanders, und er zweckentfremdete seine Geige, um bei einem Perkussionsolo Conways einzusteigen.

Die mir bis dahin völlig unbekannte Atlantic Wave Band bot eine durchaus kompetente Mischung aus englisch / amerikanischem Folk und Rock, wobei letzteres Element überwog. Mittlerweile signierte der Originalbassist von Jethro Tull, Gien Cornick, die neue CD der wiederformierten Wild Turkey. Auch Ashley Hutchings stand später zum Autogramme geben zur Verfügung. Sein "The Guv'nor Vol. 4" war frisch auf dem Markt. Zwei Stunden lang standen die Leute an seinem Tisch Schlange. Leider verschwand er anschließend gleich wieder vom Gelände, und es gelang "Forever Young" nicht ihn zusammen mit Dave Pegg abzulichten, wogegen letzterer rein gar nichts gehabt hätte.
Dann stolperte ich über Allan Taylor, der im Moment an seinem Songbook arbeitet.  Er berichtete stolz, Fairport würden mit ihm zusammen zwei seiner Stücke spielen. Ein paar Meter weiter stand Robert Plant und trank ein Bier. Er war wieder einmal nur rein zum Vergnügen gekommen. In Cropredy kann er unbehelligt sein Bier geniessen und der Musik zuhören. Dave Pegg beobachtete ich bei vorbildlicher Tätigkeit, als er auf den Boden geworfene Zigarettenkippen einsammelte und in Mülltonnen warf. So stellt man sich sympathische Chefs vor, oder ?

Leider etwas kürzer als im Mill Theatre war der Auftritt der Hellecasters, die diesen Auftritt vor einem großen Publikum sichtlich genossen. Sie dürften in Cropredy sehr viele Freunde gewonnen haben; ihre CDs gingen jedenfalls weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln.
Apropos CDs: Terrapin Records hatten an ihrem Stand die Preise angezogen; teilweise mußte man 15 Pfund für einen Silberling hinbättern. Da sind Woodworms 12 Pfund doch wirklich sehr human. Einen sehr warmen und herzlichen Empfang bereitete das Publikum dem Duo Show 0f Hands, namentlich Phil Beer und Steve Knightley, welcher sich am Tag danach auch noch als talentierter Cricket-Spieler erwies. Es ist sehr ungewöhnlich, welch' energiegeladenen und auch lauten Set zwei Leute vor 18000 Zuhörern abliefern können. "Forever Young" hatte während diesem Auftritt die Ehre, den Soundtower zu besichtigen: zwei 48-Kanal-Mischpulte (eines ganz allein für Fairport) und unzählige andere Geräte sorgten wieder einmal für den in Cropredy gewohnten sehr guten Ton.

Ebenfalls von Anfang an das Publikum auf seiner Seite hatte Joe Brown, nachdem er mit dem Rock 'N' Roll Klassiker "lt'll Be Me" eingestiegen war. Zu seiner Band "The Bruvvers" gehören Schlagzeuger Phil Capaldi, Gitarrist Neil Gauntlett und Bassist Dave Nilo. Joe Brown, ein erstaunlich guter Gitarrist übrigens, konnte auf einer Tournee 1996 mehr als 50 große Konzerthallen ausverkaufen. Die zahlreichen Coverversionen, welche die Band spielte, waren keineswegs ein Abklatsch, sondern wirkten frisch und sorgten für ausgelassene Stimmung. Zum Set gehörten: "Midnight Special", .I'm Henry VIII", .Hava Nagilah" und natürlich sein größter Hit, "Picture Of You".

In der Zwischenzeit spielte Richard Thompson backstage Fußball mit seinen Söhnen, wobei der kleinere immer wieder heulend resignierte, weil es nicht so richtig klappte, obwohl ihm der Papa kompetente Anleitung gegeben hatte.
 


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King Earl Boogie Band: Colin Pattenden /Ex-Bassist von Manfred Mann's Earth Band und Colin Earl
 

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Mit Leib und Seele dabei:  Gerry Conway  (links)
Rechts die Hellecasters:  l-r: Alan Thomson, Steve Duncan, Will Ray, John Jorgenson, Jerry Donahue

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The Hellecasters


 Will Ray und John Jorgenson  (Hellecasters)



(aus Forever Young, Heft 6, Oktober 1996) "... sehr spontan, und wohl auch ein wenig frech, reagierte Vikki Clayton, nachdem sie von John Jorgenson von den Hellecasters gerade erfahren hatte, was er nach dem Festival denn so zu unternehmen gedenke. 'Nun, zuerst werde ich Elton für ein paar Tage besuchen, und dann werde ich noch kurz bei David Bowie vorbeischauen'. Vikki Claytons Beitrag lautete wie folgt: 'Und ich werde zuerst einmal das von meinen Söhnen hinterlassene Geschirr aufspülen, und dann werde ich ihnen wohl etwas kochen müssen'."


 Jerry Donahue, leider immeretwas zu weit im Hintergrund bei den Hellecasters
 

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Joe Brown (links) mit einem exzellenten Auftritt
Allan Taylor als gern gehörter Gast bei Fairport


 

(Originalbericht aus Forever Young, Heft 6, Oktober 1996) Als Fairport Convention dann gegen 20.00 Uhr auf die Bühne gingen, wurden sie mit stürmischem Applaus begrüßt. Es muß ein großartiges Gefühl für einen Musiker sein, so empfangen zu werden. Auf den Anheizer "Royal Seleccion No. 13" folgten weitere Klassiker wie "Walk Awhile", "tbe Widow Of Westmoreland", "Cup Of Tea - Loaf Of Bread", und der Jubel kannte keine Grenzen, als Dave Swarbrick auf die Bühne kam. Zuvor war schon Allan Taylor als Gast herzlich empfangen worden, mit dem Fairport "Lady Of Pleasure" und "Calling On" spielten. Fairport und Swarbrick stiegen ein mit "Keilman's Petition", worauf die Band die Bühne verließ (und teilweise an einer seltsamen Begegnung in der Toilette beteiligt war), und Dave Swarbrick mit dem "Bonny Black Hare" alleine zurückließ. Mit seinem Freund Alistair Hulett wurde dann "Blue Murder" vorgetragen, ehe sich für vier weitere Klassiker die Band inklusive einem gesättigten Dave Mattacks und Gitarrenmeister Jerry Donahue wieder auf der Bühne einfand: "Hexhamsnire Lass", "It Suits Me Well", "Brilliancy Medley" und "Rosie" ließen die Stimmung immer mehr ansteigen. Alles beruhigte sich dann ein wenig, als "Red And Gold" angestimmt wurde. Viele Balladen aber waren an diesem Abend nicht angesagt. Stücke wie "Surfeit Of Lampreys" und" The Naked Highwayman" sind mittlerweile feste Bestandteile des Fairport-Sets, eigentlich gar nicht mehr wegzudenken. Eine große Überraschung war dann der Gastauftritt Richard Thompsons, denn er beschränkte sich keineswegs darauf, Fairport bei irgeneinem Klassiker zubegleiten. Nein, man hatte offenbar intensiv geprobt, und Fairport spielte mit ihm zusammen 4 seiner Stücke. Die Titelauswahl war zudem sehr überraschend:  "Hand Of Kindness", "Galway To Graceland", das ich zuvor noch nie in voller Bandbesetzung gehört hatte, "Nobody's Wedding" (lange nicht gehört!) und ein elektrisierendes "Gypsy Love Songs". Fairport sind die perfekte Begleitband, und sie gönnten sich danach nur zwei eigene Stücke mit "Jewel ln The Crown" (agressiver als bisher gespielt) und" The Wounded Whale", ehe der eigentliche "suprise guest" auf die Bühne; ein Blickfang wahrlich, und eine großartige Stimme außerdem: Sam Brown, die Tochter von Joe Brown. Sie sang drei Stücke, und Fairport konnten ihre Vielseitigkeit unter Beweis stellen. Dem Millionenhit "Stop" folgte Aretha FrankIins "Never Loved A Man" und mit "Shoora Shoora" ein weiterer Soulklassiker, bei dem Dave Pegg kräftig mitsang. Etwa zur selben Zeit tauchte backstage ganz überraschend Roy Wood auf und begab sich in Richtung Bühne. Sein Kommen war völlig unerwartet, und die herzliche Begrüssung durch den überraschten Dave Pegg (ehe sie zur Zugabe zurück auf die Bühne gingen) war ein sehr schöner menschlicher Moment. "Who Knows Where The Time Goes" (mit hervorragenden Gitarrebeiträgen von Donahue) wurde leider wieder nicht von einem weiblichen Gast gesungen; Simon Nicol war hier stimmlich phasenweise etwas daneben.
Ich meine, das ist nicht so schlimm, weil ja sowieso fast alle Leute mitsingen, aber die beste Lösung ist es bestimmt nicht. 
"Meet On The Ledge" war dann wieder der auf die Tränendrüsen drückende Abschluß, und jeder, mit dem ich sprach, schwor, nächstes Jahr wiederzukommen. Wieder einmal verließ man den Ort des Geschehens mit dem Gefühl, für sein Geld einen mehr als adäquaten Gegenwert bekommen zu haben. Wie sagte doch Dave Pegg zu einem Vertreter der Zeitschrift MOJO anlässlich Cropredy 1996 ?:

" Wir sind unabhängig von Plattenfirmen und Modetrends ... wir überleben einzig und allein durch eigene Verantwortung, und das ist gewiß ein ehrlicher Weg des Überlebens. Wir sind glücklich, daß dies' so ist."

Der MOJO-Berichterstatter (übrigens im Rahmen einer Reportage über mehrere Festivals dieses Sommers) resümierte denn auch zu Ehren von Fairport Convention: "Cropredy und die Fairporter stehen für etwas sehr wichtiges in unserer Zeit: ein tief verinnerlichtes Gefühl der nationalen Einheit, der Toleranz und Zuneigung, und sie sind zurecht stolz darauf ... mögen sie lange so weitermachen! Ich werde auf jeden Fall wiederkommen. "

Um hier nicht in den Verdacht der blinden Fantümelei zu verfallen: Dieser Reporter namens Andy Soutter ist keineswegs ein Fairport-Fan, und er zog das zitierte Resümee im Zusammenhang eines Vergleichs verschiedener großer Festivals. Man muß also kein "Fairport Maniac" sein, um zu dem Schluß zu kommen, daß Cropredy eines der positivsten musikalischen Ereignisse des Jahres ist. Kommt nächstes Jahr und überzeugt Euch selbst! Die Fairporter haben es verdient, und Ihr werdet es nicht bereuen.
Wer sich übrigens für nähere Informationen zur Wadworths Brewery (6 X) interessiert, oder eine Mütze oder ein Sweatshirt kaufen will schreibt an die:   Wadworths Brewery in Devizes, Wiltshire SN 10 1 JW, ENGLAND.

Einen Tag nach dem Festival stand um 14.00 Uhr ein Cricket-Match auf dem Sportplatz in Cropredy an. Es traten an eine Auswahl von Musikern gegen ein Team von Cropredy. Unter den Aktiven befanden sich u.a. Dave Pegg (der nach eigener Aussage 3 Wochen lang trainiert hatte), Simon Nicol, Steve Knightley, Richard Thompson und Danny Thompson. Nach 5 Stunden war das Match beendet, und das Cropredy-Team hatte gewonnen. "Forever Young" fragte Simon Nicol, ob 5 Stunden Dauer normal seien, und erhielt zur Antwort: "Normal sind 5 Tage", worauf der Schreiber dieser Zeilen lauthals lachte. Leider kam dies' einer Blamage gleich, denn wie ein Experte später mitteilte, sind 5 Tage tatsächlich der Normalfall. Doch damit war nicht der einzige Lapsus passiert: Beim Interview mit John Jones (siehe weiter hinten), dem Stage-Manager in Cropredy, ließ ich das Diktiegerät mitlaufen, ohne den Antworten in jeder Phase aufmerksam zu lauschen (man war ja noch müde vom Vortag). Also wurde zwischendurch immer wieder kräftig genickt, um vorzutäuschen, man habe alles verstanden.
Das genaue Anhören der Antworten würde dann zuhause in aller Ruhe geschehen. Möglicherweise nickte "Forever Young" jedoch auch, als John Jones beim Aufzählen einiger berühmter Namen, mit denen er schon gearbeitet habe, mitteilte: "And in the 1930's I worked with AI Capone".  Darauf werde ich nächstes Jahr unter Anwendung einer rhetorisch eleganten Form wohl zurückkommen müssen.


Der "alte" und der "neue" - Ric Sanders und Dave Swarbrick

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"Swarb"

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Simon Nicol, Ric Sanders


Foto aus dem Programmheft - Maart kommt direkt aus der "Voodoo Lounge"

(aus "Forever Young, Heft 6, Oktober 1996) 
Beim diesjährigen Cropredy-Festival war erstmals das Fernsehen anwesend. Der Privatsender "Central TV" aus Birmingham brachte eine 3/4-stündige, sehr gut gemachte Dokumentation über das Festival, mit sehr vielen Interviews, Zuschauerbefragungen und einem Blick hinter die Kulissen, mit dem es gelingt, deutlich zu machen, daß es sich hier nicht um ein gewöhnliches Ereignis handelt. Neben einigen Konzerteinspielungen, unter anderem ein ergreifendes "Meet On The Ledge" mit tausendfachem Chorus, wird hauptsächlich das Drum und Dran beleuchtet. In der Fernsehdokumentation erfahren wir unter anderem, daß "das Festival für den besonderen Stellenwert von Fairport Convention sehr wichtig ist", daß Cropredy 820 Einwohner hat, daß das "Brasenose" - Pub vor dem Festival Bier für 18.000 englische Pfund eingekauft hat, daß die Gemeindehalle ohne die Gewinne während des Festivals (Frühstücksangebot) kaum erhalten werden könnte, daß der örtliche Sportverein sich dank Fairport ein neues Vereinsheim bauen konnte, daß Martin Allcock von 18.000 Festivalgästen mindestens 6.000 mit Vornamen kennt, daß eine 14-jährige Festivalbesucherin das Cropredy-Festival dem gleichzeitigen Auftritt von Oasis in Knebworth (wo ihre Mutter weilte) vorzog, daß Pink Floyd zwar in der selben Szene als Fairport entstanden seien, und später auch Konzerte vor größerem Publikum gegeben hätten, daß sie aber heute weit weniger aktiv seien als Fairport (Pegg: "we work harder"), daß viele Besucher aus der Zeit der 60'er Jahre in Cropredy das einzige Festival sehen, welches noch eine ähnliche Atmosphäre biete, und daß ein etwa 20-jähriger Arbeiter auf dem Festival findet, er habe in Cropredy mit weit mehr zivilisierten Personen zu tun als anderswo.

Cropredy Set-List 1996 - Fairport

Royal Sellecion
Walk Awhile
Widow of Westmoreland
Con Casey's (+ Dancers)
Cup of Tea
Crazy Man Michael
Spanish Main
Lady of Pleasure (+ Alan)
Calling On (+ Alan) 
Portmeirion

Slipjigs and Reels
Keilma's Petition Petition (+Swarb)
Bonny Black Hare (Swarb solo) 
Blue Murder (Swarb+Alistair) 
Hexhamshire Lass (+Swarb+JD) 
Suits me Well (+Swarb+JD) 
Brilliancy Medley (+Swarb+JD) 
Rosie (+Swarb+JD)

Red + Gold
Surfeit of Lampreys 
Diamonds+Gold 
Naked Highwayman 
Gas/Cat/Feet

Hiring F'air
Hand of Kindness (+ R T ) 
Galway to Graceland (+RT)

Nobody's Wedding (+RT)  ..
Gypsy Love Songs (+RT')+Sam, Clare + Margo
Jewel in the Crown
Wounded Whale
Stop (+Sam)'+ Clare + Margo
Never Loved a Man (+Sam) Clare + Margo
Shoora Shoora (+Sam) Clare + Margo
Red Tide
Mock Morris
Milltown Maid
Matty
Who Knows - with Jerry Donahue
Meet and Goodnight   -  Everyone



(Interviews aus Forever Young, Heft 6, Oktober 1996) 


Die Leute im Hintergrund - - "Cropredy behind the scenes"

Das Anliegen von "Forever Young" soll es an dieser Stelle sein, Licht zu werfen auf das, was sich im Hintergrund, und während der Vorbereitung des Festivals abspielt. Denn gerade das ist es, was Cropredy wohl von anderen Ereignissen dieser Art unterscheidet. Ein Großteil der fleissigen Helfer auf dem Gelände sind ehrenamtlich tätige Bekannte und Verwandte der Musiker, und nur im technischen Bereich werden bezahlte Profis eingesetzt. Auch der "Banbury Guardian" widmete sich der organisatorischen Seite und stellte in einem ganzseitigen Artikel Dave Peggs Frau Christine vor, die praktisch das ganze Jahr mit der Organisation beschäftigt ist. Die Konzessionen für die Händler werden beispielsweise bereits im September des Vorjahres eines jeden Festivals vergeben. Christine Pegg sitzt während des gesamten Festivals in ihrem Caravan und ist nicht dazu zu bewegen, diesen zu verlassen. Ausgerüstet mit Telefon und Funkgeräten muß sie immer sofort reagieren können, wenn es etwas zu delegieren gibt.

"Forever Young" unterhielt sich zunächst mit John Jones, dem Stage-Manager des Festivals, der viele Jahren mit Fairport Convention zusammengearbeitet hat. 1975 begann er als Tourmanager bei ihnen und blieb bis 1978. Anschliessend arbeitete er für Van Morrison anlässlich der "Comrnon One" - Tour, danach mit den Wings und Tony Bennett. Jones erzählte mir, er sei ein großer Jazz-Fan und schätze es hoch ein, mit diesem Mann gearbeitet zu haben. Auch für Johnny Guitar Watson und die deutsche Band Fury In The Slaughterhouse fungierte Jones als Manager. Zudem ist er als musikalischer Direktor vieler Festivals tätig gewesen, wobei er das körperliche Arbeiten auf Festivals "von der Pieke auf" gelernt hat, und dem Vernehmen nach gegenüber Leuten, die nicht besonders fleissig sind, durchaus einen rauhen Ton an den Tag legen kann.

Gab es beim diesjährigen Festival irgendwelche besonderen Vorkommnisse im organisatorischen Bereich ?

Alles, was an Problemen hinter der Bühne vorkommt, bleibt mein persönliches Geheimnis. Dieses Jahr hatten wir große Angst vor einem Dauerregen, und freitagabends gab es einige technische Probleme deshalb. Eine Katastrophe wäre das auch für die Leute an der Bar gewesen, die ja nicht überdacht ist. In den letzten Jahren hatten wir mit dem Wetter immer sehr viel Glück gehabt. Mit dem Sound hatten wir zu Beginn des Fairport-Sets ein wenig Probleme. (Nebenbei bemerkt, aber von Jones nicht erwähnt: Als die Hellecasters etwas früher als geplant auf die Bühne traten, war kein Mixer auf dem Soundtower anwesend. Wie mir gewöhnlich gut unterrichtete Kreise berichteten, soll Jones, der selbst eigentlich kein Techniker ist, hastig nach oben geklettert sein und alle Regler nach oben geschoben haben.)

Nachdem Du mit so vielen berühmten Leuten zusammengearbeitet hast, was hat Dich denn dann dazu bewogen, immer wieder zu Fairport zurückzukommen und mit ihnen zu arbeiten. Was ist so speziell an dieser Band? 

Was mich persönlich angeht, so ist es mir zunächst ein mai eigentlich völlig egal, mit wem ich arbeite. Und wenn es der Papst wäre, oder der amerikanische Präsident, oder irgendeine Mega-Band, und ich habe mit einigen von ihnen gearbeitet. Fairport Convention aber ist meine ewige Liebe. Es ist wie mit einem noch nicht fertigen Bild. Wir alle sind von Nutzen in verschiedener Hinsicht, und obwohl ich aufgehört habe, mit ihnen auf Tournee zu gehen, was Rob Braviner übernommen hat, möchte ich sagen, daß ich jedem Festival, wo und wann auch immer, Fairport Convention empfehlen kann. Für mich persönlich sind sie Musiker erster Klasse, was sich ja auch regelmäßig durch die Gastauftritte in Cropredy bestätigt. Sie können für fast jedermann die Backing Band spielen, von Robert Plant bis Sam Brown oder Roy Wood von Wizzard und Move. Wo sonst findest Du solche Genies? Für mich ist es ein Privileg, immer noch mit ihnen zu tun zu haben. Und natürlich sind es auch viele Kleinigkeiten am Rande, die mich begeistern. Meine größte Freude dieses Jahr war es zum Beispiel - und das macht für mich die Essenz dieses Festivals aus - , mit Leuten wie Beryl Marriott und Dave Swarbrick zusammenzusein, und dann dieses junge Publikum zu sehen, das durchaus amüsiert hätte reagieren können, diese Leute aber mit einem außerqewöhnlich herzlichen Beifall verabschiedete - trotz ihres Alters. Ich persönlich bin keiner, der im Vordergrund steht, ich arbeite im Hintergrund. Wir alle müssen wirklich sehr viel arbeiten, bevor die Fairporter das Ruder übernehmen. Aber ich wünsche mir, daß sie es noch lange tun.


Als wären wir nie dagewesen !

Anschließend sprach ich mit John Pegg, dem älteren Bruder von Dave, der im übrigen eine üppigere Haarpracht als sein berühmterer Bruder hat.

Was ist Dein Tätigkeitsbereich auf dem Festival ?

Ich habe verschiedene Aufgaben, eine davon ist die Zusammenarbeit mit der Crew, wenn die allerersten Vorbereitungen vor dem Festival getroffen werden. Das heißt, die Zäune aufzubauen, die Markierungen anzubringen, den Aufbau der Toiletten zu überwachen, dafür zu sorgen, daß die Bühne rechtzeitig steht, dafür zu sorgen, daß die Eingänge ausreichend gekennzeichnet sind, und dann am Mittwoch die Plätze für die Händler zu markieren, also die Essens- und Kleiderstände. Wie Du wahrscheinlich weißt, sind wir um ein vielseitiges Angebot an Essen bemüht; wir wollen besser sein als andere Festivals. Auch Handwerksarbeiten werden angeboten, teilweise vor den Augen der Leute angefertigt, andere kommen natürlich auch aus Taiwan oder anderswoher. Die Händler kommen am Donnerstag an, und ich muß mich darum kümmern, sie einzuweisen und dafür zu sorgen, daß sie sich an die Vorschriften halten, denen wir bei einem solchen Ereignis unterworfen sind. Dabei gibt es bisweilen Meinungsunterschiede, aber letztendlich wollen alle Leute mit Konzessionen ein Jahr später wiederkommen, denn erstens machen sie in der Regel gutes Geld, und zweitens höre ich immer wieder, daß sie sich hier wohlfühlen.
Nach dem Festival muß natürlich alles abgebaut werden, aber wir gönnen uns eine Pause und veranstalten ein Cricket-Match. In der nächsten Woche muß alles weggeräumt werden, damit, wenn die Farmer ihr Vieh wieder auf das Feld lassen, alles so aussieht, als wären wir nie dagewesen. Was das Publikum angeht, bin ich sicher, daß mindestens ein Drittel der Leute regelmäßige Besucher sind, um Fairport zu sehen, weil sie ansonsten keine Gelegenheit dazu haben. Und die Leute haben eine gute Zeit, wie mir schon viele bestätigt haben. Das Festival läuft fast immer ohne größeren Ärger ab, von einigen kleineren Zwischenfällen einmal abgesehen. Aber solche passieren nicht oft, denn es ist ein richtiggehendes Familien-Festival. Für die Organisation wird sehr viel Mühe aufgebracht, die örtlichen dienstlichen Behörden unterstützen uns sehr gut, und das Sicherheits­personal ist freundlich. Das alles zusammengenommen macht Cropredy zu einem
Festival der besonderen Art.


 John Pegg, Bruder von Dave, beim Zuschneiden von Mülltonnen für das Festival