Cropredy 1999 - Meet on the mud
oder:
"It's not a horse, it's a cow"

updated 12.08.2009

Friday 13th

Blazing Homesteads
Chris While & Julie Matthews
Jacqui Mc Shee's Pentangle
Dave Swarbrick & Kevin Dempsey
Dylan Project
Richard Thompson Band
Barrage

Ein historisches Bild:  Don Backhurst, bekannt als "the Indian chief",
einer der langjährigsten Fairport-Getreuen, starb nur wenige Tage nach
dem Cropredy-Festival 1999. Links neben ihm die Eltern von
Ric Sanders, rechts Emma Davis, Fairport-Fan von Kind auf.

Saturday 14th

Barrage
annA rydeR
Paul Mitchell Band
Ralph McTell
Robbie McIntosh Band
Maddy Prior
Fairport Convention

Wieder einmal ein Ereignis ohnegleichen war das Cropredy-Festival 1999. Es ist müßig, Höhepunkte aufzählen zu wollen. Fairport selbst ließen wieder einmal (standesgemäß) ein euphorisches Publikum zurück - und das bei am Ende guten Wetter. Ergreifend war es, den "Vollblutmusiker" schlechthin, Dave Swarbrick, zu erleben. Mit welcher Hingabe er, trotz unübersehbarer gesundheitlicher  Probleme, spielte, trieb wohl nicht nur mir Tränen der Ergriffenheit in die Augen. "Swarb" trat zusammen mit Kevin Dempsey und mit Fairport für die Hälfte des "Full House"-Albums, sowie zwei weitere ältere Nummern, auf. Mit dem für ihn typischen Humor kündigte er für Ende August "seinen ersten Folkclub-Gig seit seinem Tod an"an.

Blazing Homesteads

Einheizer am ersten Tag waren dieBlazing Homesteads, eine gute Folkrock-Band um Sängerin Christine Franey und Fiddler Mark Mitchell. Mit It ain't gonna rain versuchten sie, den Wettergott zu beschwören, was leider nichts nutzte.

+++
Blazing Homesteads

Chris While & Julie Matthews

Herrlichen Duettgesang und unterhaltsame Zwischenansagen boten die Ex-Albionfrauen Chris While & Julie Matthews. Gast für White water running war Chris Leslie. Sie boten rockige Nummern im Stile von Go north und wunderbare Slowsongs, wozu auch ein sehr gelungenes Cover des Sixties-Hits I only wanna be with you gehörte. Special guest war Kellie While, die mittlerweile zur Albion Band zurückgekehrt ist, und mit dieser auch im Jahr darauf nach Deutschland kam. Zusammen mit ihrer Mutter intonierte sie In the light of my mother's eye.


Julie Matthews


 Mutter und Tochter:  Chris & Kellie While


 Kellie While

Jacqui Mc Shee's Pentangle

Jacqui Mc Shee's Pentangle, mit Gerry Conway am Schlagzeug, boten einen klanglich sphärischen, jazzig angehauchten Set.
"Cosmic guest" war Ric Sanders, welcher kommentierte:  "Aren't they fantastic, I'm a fan". Das Programm bot auch alte Klassiker wie House carpenter. Gast bei der zweiten Zugabe war David Hughes.

Dave Swarbrick & Kevin Dempsey

Anschließend kamen Dave Swarbrick & Kevin Dempsey, demnächst unter dem Namen COFA auf Tour, auf die Bühne. Die besorgten Blicke des Publikums schweiften außer auf den besorgniserregenden Zustand Swarbricks auch in Richtung der nun stetig vorüber ziehenden dunklen Wolken. Die Musik war akustischer Folk von instrumental erster Güte.

Zum Programm gehörte auch My heart's in New South Wales, eine Komposition Swarbricks über seine Zeit in Australien, und The watches of my wives, wozu er sich witzige Bemerkungen über seine Verflossenen nicht verkneifen konnte. Sehr viel Anstand bewiesen die anwesenden Fotografen (auch "Forever Young"), die es vermieden, Fairports Fiddle-Idol beim Benutzen des bereit stehenden Atemgeräts abzulichten.


 Trotz Krankheit spürt man:  dieser Mann ist ein Vollblutmusiker

Dylan Project

Erster rockiger Höhepunkt war das Dylan Project, verstärkt durch Gerry Conway und den Tasten-Crack John "Rabbit" Bundrick. Der Highlights gab es viele, insbesondere die herrlichen Slide-Soli von P.J. Wright, oder auch, wie er in Down in the cove seine Dobro einsetzte. Just like a woman ist laut Simon Nicol "our second favourite Dylan song". Zum treibenden Reggae-Groove von You gotta serve somebody sangen große Teile des Publikums den Text mit.


Nobody sings Dylan like Gibbons


P.J. Wright, nicht nur an der Pedal-Steel

Als Steve Gibbons ansagte: "the next song is from Infidels, it's called When The Ship Comes In", fragte man sich, ob das denn
nun ein Affront gegenüber Dylan sei, denn bei geschlossenen Augen hört es sich an (es findet sich auf der später veröffentlichten Live-CD des Konzerts), als sage hier jemand seinen eigenen Song an. Aber ihr wisst ja:  "nobody sings Dylan like Gibbons".
Der Siedepunkt der Stimmung wurde bei dem mächtigen Bluesrocker Highway 61 revisited  und der darauf folgenden ersten
Zugabe Like a rolling stone  erreicht. Chris Leslie und Ric Sanders waren mit auf die Bühne gekommen.


 Ric Sanders & P.J. Wright

"Rolling stone" ging nahtlos über in Twist and shout, und spätestens jetzt konnte niemand mehr still stehen.
 


Richard Thompson Band

Als die Richard Thompson Band antrat, und der Meister selbst den ersten Akkord anschlug, öffneten sich die Himmelspforten. Fast zwei Stunden lang regnete es wie aus Kübeln, doch dies' tat der Stimmung keinen Abbruch. Die Band spielte einen grandiosen Set, der mit vier für die neue Platte vorgesehenen, vielversprechenden neuen Stücken eingeleitet wurde. Sohn Teddy Thompson agierte an der Rhythmusgitarre eher unauffällig. Pete Zorn an diversen Instrumenten war spielfreudig wie immer, und Danny Thompsons
treibende Bassläufe ließen dank der Abmischung des Mixers das Blut des Publikums rhythmisch in Wallung geraten. Tear stained letter wurde auf fast 10 Minuten ausgebaut, mit nicht enden wollenden Gitarrensoli und einer aussetzenden Band, die dem Publikum
Gelegenheit zum Alleinsingen gab. Erste Zugabe war 1952 Vincent Black Lightning mit einem veränderten Text, der auf die nähere Umgebung Cropredys zugeschnitten war. Eine sehr guten Eindruck machte der dunkelhäutige Drummer Michael Jerome aus Dallas, Texas. Gast an der Mundharmonika war Julian Dawson.


 Richard Thompson schlug den ersten Akkord und die Himmelspforten öffneten sich

++
  Sohn Teddy Thompson war auch dabei  -  rechts Allrounder Pete Zorn


 der nicht verwandte Danny Thompson zupfte einen flotten Darm


 eine Neuentdeckung für Schlagzeugfreaks:  Michael Jerome aus Dallas

Wie bestellt, endete direkt nach Thompsons Gig der Regen, und es stand noch die kanadische Formation Barrage auf dem Programm. Die Hälfte des Publikums verhielt sich anständig und jubelte der gut einheizenden 10-köpfigen Combo, mit sechs Geigen, zu. Ihre Mischung aus Folk, Texas Swing und Rock, unter anderem eine großartige Version von Ghost riders in the sky, konnte begeistern.
Am Samstag durften sie um 13.00 Uhr als erste Band noch einmal ran.

2. Tag

Am zweiten Tag trat man mit wasserfesten Schuhen und anders gekleidet an, und vielleicht besserte sich gerade deshalb das Wetter. Den am Tag zuvor entstandenen Schlamm auf dem Gelände nahm man billigend in Kauf.


 Meet on the mud

Barrage


 Barrage:  clappin', reelin', fiddlin' etc.


 2 von 7 Fiddler/innen


 auch gesanglich überzeugte Barrage

++
 sind sie nicht süß ?

Anna Ryder

Schon um 13.00 Uhr war das Feld fast zur Hälfte gefüllt. Anna Ryder trat nach Barrage auf, und ihr Set litt unter der Tatsache, daß das Publikum sich noch nicht so recht nahe vor die Bühne wagte, wo die Platzverhältnisse am schlimmsten waren. So entgingen den meisten wichtige Elemente ihres Vortrags.

Paul Mitchell Band

Ansprechenden Mainstream-Rock bot die Paul Mitchell Band mit Maartin Allcock an Keyboards und Pedal-Steel. Der Spitzname des Drummers ist "Gig", und er wurde angesagt mit den Worten "the artist formerly known as concert". Interessant war ihre Coverversion von Hoyt Axtons Angelina. Mittlerweile waren sommerliche Temperaturen bei Sonnenschein eingekehrt, und man konnte sich gar, zufrieden der Musik lauschend, zum Bräunen hinlegen. Die Zufahrtswege für Lieferanten und Musiker waren mit Stroh ausgelegt worden.

Ralph Mc Tell

Als Ralph Mc Tell auf die Bühne kam, fing es zwar furchtbar, aber zum Glück nur kurz, zu giessen an. Mc Tell titulierte das ausharrende Publikum als "you're heroic". Die Leute dankten es ihm durch lautstarkes Mitsingen bei seinen vielen Klassikern, wozu auch Streets of London, Michael in the garden und der Zimmerman Blues gehörten.

Robbie Mc Intosh Band

Die Robbie Mc Intosh Band bot zwei Stunden lang eine gute Mischung aus treibendem Blues- und Countryrock, und der Chef an der Gitarre, sowie Promi-Basser Pino Palladino, glänzten instrumental.

++++++++
 Robbie Mac Intosh

++
 Pino Palladino, geandioser Bassist   -   Mark Feltham, Ex Nine Below Zero


 Melvin Duffy spielte gar nicht countrymäßig


Der Set von Maddy Prior entging mir leider fast völlig, da ich Miranda Ward traf, die Ex-Freundin von Sandy Denny, in deren Haus letztere seinerzeit die Treppe hinunterstürzte, ehe sie im Krankenhaus verstarb. Miranda Ward zeigte mir Originalfotos von Sandy Denny und stellte mich Tochter Georgia Denny, für die Dave Swarbrick so etwas wie der zweite Vater ist, vor.

FAIRPORT CONVENTION


 von Fairport gibt's außer diesem Ausschnitt aus dem Banbury Guardian leider kein Foto

Rechtzeitig zum Auftritt Fairports war der Himmel fast wolkenlos, und die Stimmung wunderbar. Ohne großartige Ansage fingen sie an. Nach einigen Stücken, die auf dem nächsten Album zu finden sein werden, kam Steve Ashley als Gast, und sie spielten das wunderschöne Fire and wine. Auch die Mädels der Tom Connelly Dancers präsentierten sich, unterstützt von Fiddler Tom Leary und Akkordeonist Gareth Turner, wieder dem Publikum. Jerry Donahue spielte The encounter und bat dann seine Tochter Kristina Donahue
auf die Bühne, die Richard Thompsons I wish I was a fool for you vortrug. Grandios war es wie bei Around the bend sich Jerry Donahue und Maartin Allcock mit den Gitarrensoli abwechselten. Tosender Beifall begrüßte Dave Swarbrick, der für eine gelungene Version von
Polly on the shore antrat. In rasantem Tempo zeigte er dann bei The hen's march ..., daß man auch in seiner Verfassung zu Höchstleistungen imstande ist. Doch damit nicht genug:  Später kam es noch zur oben schon erwähnten Wiederbelebung des "Full House" - Materials. Zwischendurch überzeugte Chris Leslie mit einer seiner vielversprechenden neuen Kompositionen, The dancer.
Maddy Prior, unterstützt von Jacqui Mc Shee und Maartin Allcock am Kontrabass sang Deep in the darkest night.  Vor dem erneuten Auftritt Swarbricks brachte Fairport eine der beliebtesten neuen Nummern, Rocky road. Zu Dirty linen, jenem aberwitzig schnell gespielten Medley, das alle Beteiligten zu Höchstleistungen fordert, steuerte Bruce Rowland Perkussion bei. Als perfekte Richard Thompson Band glänzte Fairport bei When I get to the border, Waltzing's for dreamers und em alles zum Kochen bringenden Crash the party. Daß die nun wieder alleingelassenen Fairporter darauf das schnelle Instrumental Royal Seleccion No.13 folgen ließen, zeugt von gutem Spürsinn. Close to you war die letzte ruhige Nummer, ein hitverdächtiger Beitrag Chris Leslies. Dangerous,John Gaudie,Matty Groves / Rutland Reel / Sack the juggler und das unvermeidliche Meet on the ledge bildeten den adäquaten Abschluß eines wieder einmal perfekt durchgeführten Festivals. Lediglich der Bierpreis von 2.50 Pfund stieß ein wenig sauer auf.

Fairport Setlist 1999:

1.  Still A Mystery
2.  Good Fortune/Four Tunes
3.  Banbury Fair
4.  The Wood And The Wire
5.  Fire And Wine - Steve Ashley
6.  Close To The Wind - Maart
7.  The Dragonfly/Jake's Jig - Tom Leary, Gareth Turner, Tommy Connolly Dancers
8.  Crazy Man Michael
9.  Naked Highway Man
10.  Pockets On Fire - annA rydeR
11.  Sailing Boat - annA rydeR
12.  First Encounter - Jerry Donahue, Maart
13.  For The Shame Of Doing Wrong - Kristina Donahue, JD, Maart
14.  Around The Bend - Jerry Donahue, Maart
15.  Polly On The Shore - Jerry Donahue, Swarb
16.  The Hen's March - JD, Swarb
17.  The Dancer
18.  The Hiring Fair
19.  Some Old Salty - Maddy Prior, Jacqui McShee
20.  Deep In The Darkest Night - Maddy Prior Jacqui McShee Maart
21.  Bowman's Retreat
22.  Rocky Road
23.  The Woodworm Swing
24.  Walk Awhile - RT, Swarb
25.  Sloth - RT, Swarb
26.  Dirty Linen - RT, Swarb
27.  When I Get To The Border - RT
28.  Waltzing's For Dreamers - RT
29.  Crash The Party - RT
30.  Royal Seleccion #13
31.  Close To You
32.  Danqerous
33.  John Gaudie
34. Matty Groves/Rutland Reel/Sack The Juggler
36. MOTL