Cropredy 2002 |
... es regnete bereits. Als "Forever Young" am
Dienstagvormittag mit seinen Begleitern Ute und Roland nach 14-stündiger Reise (1070
Kilometer plus Fähre Calais-Dover) in Lichfield ankam, konnte man im Garten bei
Sonnenschein ein Bierchen als Schlaftrunk geniessen und auf ein trockenes Festival hoffen,
während uns aus Süddeutschland die Nachricht über dortigen Dauerregen erreichte.
* 300g "Cheddar Mature"-Käse
(mittelalt) * 1 Pint (0,57 Liter) Bier im Pub zwischen 2.40 und 3.20 EUR * 1 Pint auf dem
Festival zwischen 3.90 und 4.10 EUR * 1 kl. Dose "Baked Beans" bei Tesco's für 0.27 EUR * "Special
Offer" im "Acorn's Inn" in Lichfield: * 1 Flasche Wein im Supermarkt (überwiegend französischer, italienischer und südafrikanischer im Angebot) zwischen 4.90 und 9.80 EUR * 1 Schachtel Zigaretten für 7 EUR * 1 Teller indisches Essen (reichlich) auf
dem Festival für 8.20 EUR |
Festival, 1.Tag: Frühmorgens ging es von Lichfield über die
Autobahn nach Cropredy. Wir waren mit Volker und Jutta aus Berlin am Bahnhof in Banbury
verabredet, um gemeinsam in der Reihe für den Campingplatz anzustehen. Die Organisation
war dieses Jahr besser als 2001. Auf dem großen Parkplatz kurz hinter dem Örtchen
Williamscot durften die Camper sich in mehreren Reihen anstellen, bis das Okay zur
Öffnung des Geländes kam. So gab es also keinen Rückstau bis auf die A 361. Außerdem
hatte das Ganze noch einen anderen Vorteil. Man traf nämlich auf dem Parkplatz viele gute
Bekannte, und das Hallo war groß. "Big Andy" mit Familie und Caravan begrüßte
uns wie immer sehr herzlich und lud gleich vorsorglich zum regelmäßigen Frühstück ein.
Dieser kamen wir dann vor der Abreise am Sonntag nach.
ie hatten es für dieses Jahr mit einem neuen Break versehen. Den Refrain zu Dylan's "Like A Rolling Stone" intonierte Mick Bullard einen Beat später, als man es gewohnt ist. Sehr gut kam ihre Version von Hank De Vitos "Sweet Little Lisa", den meisten wohl besser bekannt von Dave Edmunds oder Albert Lee.
Nach dem Konzert überreichte
ich das Fotoalbum und wurde dafür mit einem schmackhaften Guinness und der neuen CD
belohnt. Ben Bennion erzählte mir, er habe um die Weihnachtszeit, Frau und Sohn folgend,
das Rauchen aufgegeben, weil er nicht der einzige "Qualmer" in der Familie sein
wollte. Mittlerweile rauchen Gattin und Sohn wieder, er aber blieb standhaft.
Mit viel Beifall begrüßt, von Johnny Jones respektvoll angekündigt, wurden die Dubliners. Sie spielten alle ihre Klassiker, und es wurde teilweise kräftig mitgesungen. Immer noch zensiert ist "Seven Drunken Nights".
Wir bekamen nur 5 Strophen zu hören. Die Dubliners sind eine "sehr alte Band", wie die abgebildeten Fotos belegen. Nicht ganz ernst gemeint war die Absage von Johnny Jones, die Herren würden am Tag darauf in New York, und dann in Kroatien auftreten.
Zumindest sah man am Tag darauf am
Bühnenrand den Geiger John Sheehan, der sich Fairports
Auftritt ansah.
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2.Tag, Freitag: Zunächst war eine Besserung des Wetters festzustellen. Gutgelaunt harrte man dem Auftritt von Mundy-Turner um 12.30 Uhr entgegen. Cath Mundy erzählte, sie stamme aus Brisbane, dort im Volksmund "Brissie" genannt - "a lovely sunny place", fügte sie noch an. Sie appellierte dann an den Wettergott, er möge doch "some brissie weather" nach Cropredy schicken. "Walking the William Jolly" war denn auch ein an ihre Heimatstadt gewidmetesr Song.
Sie beherrscht die Pedal-Steel und
Slidegitarre perfekt und bot ein stilistisch sehr abwechslungsreiches Programm von
Counmtry-Rock bis Blues-Rock. Ihre Auswahl an Coverversionen war ebenfalls sehr
erfolgreich. Sie reichte von John Hiatt über John Lennon und Chuck Berry bis hin zu einer
gänsehauterzeugenden Interpretation von "Amazing grace" auf der Slide.
Als sie das spielte kam ein staunender Martin Allcock nach
vorne an den Rand der Bühne. Den stampfenden Bluesrock "Closer" kombinierte sie
während der Zugabe mit dem Klassiker
Geniesserischer Zuhörer "of my favourite band" war der an diesem Abend arbeitslose Dave Pegg. |
3.Tag, Samstag: Bei angenehmem Wetter sorgte ab 12.30 Uhr der
eher aus dem englischen Fernsehen bekannte Richard
Digance für witzige Unterhaltung, wobei sich über Geschmack, was Witze
angeht, streiten lässt. So, als er kundtat, er habe als Baby nicht von der Brust
getrunken, weil seine Mutter Asthma gehabt habe, und die Milch deshalb nach Wick
schmeckte. Seine wenigen Musikstücke waren von gutem Geschmack geprägt, so
interpretierte er z.B. Willie Nelson's "You were always
on my mind" und auf sehr einfallsreiche Art Mark Knopflers "Local hero",
indem er das Publikum zweigeteilt das Rauschen des Meeres und Schreien der Möwen in dem
schottischen Fischerdorf, wo der dazugehörige Film spielte, imitieren ließ.
Das Medley "Swine / UHT" hat Guy Fletcher laut Ansage einst geschrieben, um seinen Musiklehrer
zu ärgern.
Zwischendurch erlebten wir, wie gut Organisation und familiäre Atmosphäre in Cropredy funktionieren. Eltern vermissten ihren 3-jährigen Jungen, den Danny Thompson beschrieb, und schon 10 Sekunden später bekundeten Leute auf dem Feld durch Zuruf, sie hätten ihn gefunden. Daß sie eine einzigartige Stimme hat bewies
erneut Eddi Reader. Sie brachte viele Stücke ihrer aktuellen CD und alte Fairground
Attraction-Sachen wie z.B. "Perfect" und "Find my love".
Warum viele Besucher Probleme mit der nun
folgenden Band hatten (wenn man die Reviews im Internet so studiert), ist mir
schleierhaft. Das Alison Brown Quartet bot auf der Basis großartigen instrumentalen Zusammenspiels eine gekonnte Mischung aus Bluegrass, Jazz und Folk. Alison beim Spielen zu beobachten, wie sie mit ihrer Mimik jeden Ton kommentiert, war allein schon diesen Auftritt wert.
Als nach dem Auftritt Danny Thompson Fußballergebnisse bis hinunter zur 3.Liga verlas, bemerkte er, der "Nashville Mob" (die das Equipement Mitglieder des Alison Brown Quartets) frage, was denn das für merkwürdige Zahlen seien. Der von allen ersehnte Höhepunkt und
Abschluß war dann wieder einmal der Auftritt von Fairport
Convention. Von symphonischer Musik begrüßt stiegen sie mit "The widow
of Westmoreland's daughter" effektvoll ein. Niemand wollte mehr stillstehen,
oder gar sitzen.
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