FREEWAY JAM:
(Der nachfolgende Text würde ursprünglich als Vorankündigung für den Auftritt der Band 
beim Cropredy-Festival 2002 geschrieben)

Für "Forever Young" eine große Freude, daß diese Lokalmatadoren, gegründet 1986, auftreten. Sie waren 1991 die allererste Band, die ich jemals in Cropredy habe spielen sehen. Nachdem mir ein paar Stunden zuvor eine Tasche mit sämtlichen Utensilien, die die Identität eines Menschen ausmachen, inkl. Papieren, Geld, Schecks, Flugtickets etc., abhanden gekommen waren, sich aber durch einen ehrlichen Finder rechtzeitig vor Festivalbeginn wieder eingefunden hatten, bedeutet mir heute noch das erste von Freeway Jam damals gespielte Stück, eine wunderbare Version des R&B-Klassikers "Feel So Good" sehr viel. 

Ich habe mit den Jungs (oben bei ihrem Cropredy-Auftritt 1991 zu sehen) Freundschaft geschlossen, und mir immer gewünscht, daß sie einen zweiten Auftritt haben werden. 
Ben Bennion, der Gitarrist und Sänger (und Fan des FC Liverpool), dessen Sohn Jim auch schon mal bei Clarion gespielt hat, tritt bisweilen im Duo mit Geiger Tom Leary auf (der aber nicht zur Band gehört). Ben Bennion hat alle Titel des zweiten Albums der Band "Pictures Don't Lie" geschrieben.
Vor Jahren hatte Ben Bennion die Ehre, mit Fairport in Cropredy auf der Bühne zu stehen, während sie Robert Plant begleiteten. Zum Repertoire der Band gehören neben sehr gut interpretierten Klassikern der Rockgeschichte auch eigene Stücke wie das 1995 von Fairport gecoverte "Diamonds And Gold", und das seinerzeit in "Forever Young" als zukünftige Festivalhymne gefeierte "Cropredy Hill", wo es unter anderem heißt: 

"no war, no pain, just be together, the world transformed 
in a glorious trance".

Zur Band gehören noch Schlagzeuger und Witzbold Mick Bullard (er spielt einen "Ludwig"-Set aus den 60-er Jahren und singt auch), Gitarrist Nick Gould und Bassist und Gitarrenbauer Andy Viccars.
Gast auf ihrer 94'er CD "Pictures Don't Lie" waren Dave Pegg und Martin Allcock, sowie Chris Leslie

Auf dem Konzert zu ihrem 10-jährigen Bestehen in der "Mill" in Banbury im Februar 1996 hatten Whitesnake-Gitarrist Bernie Marsden,(mit dem Mick Bullard in einer Band namens "Skinny Cat" war, ehe sich Marsden Whitesnake anschloss), Fairports Multi-Instrumentalist Martin Allcock und der Ex The Nice-Bassist Lee Jackson Gastauftritte. 
Auf Dave Pegg's CD zum 50.Geburtstag sind Freeway Jam als Gäste beteiligt. Am liebsten ist mir aber immer noch ihre Cassette "Framed" von 1991, mit "Feel So Good" als erster Nummer. Darauf findet sich auch "Squeeze Box" von den WHO: 
                           "Mama's got a squeeze box, daddy never sleeps at night".
Ich freue mich auf diese Band am Donnerstag um 16.30 Uhr. Sie werden vom ersten Ton an für gute Stimmung auf dem Festival sorgen. Das garantiere ich.


Danke,Freeway Jam !

Zur ersten Besetzung der Band gehörte übrigens Gitarrist Syd Twynham, der aber nach ein paar Monaten zu seiner Heimatband, der 70-er Jahre Hitband MUD, zurückkehrte.

Letzte Neuigkeit !!! 
Freeway Jam hat rechtzeitig zum Cropredy-Festival 2002 eine neue CD herausgebracht, und zwar auf  A NEW DAY RECORDS.


 
Freeway Jam - There's Life In The Old Dogs Yet
(A NEW DAY RECORDS,  AND CD 54,  2002)
Inhalt aktualisiert am 07.02.02

Die Jungs aus Banbury waren meine erste Live-Erfahrung in Cropredy, anno 1991 -  nachzulesen im Festival-Bericht 2002.Angesichts des Geburtsjahrs von "Forever Young" (1955) ist der Titel der aktuellen CD dieser wunderbaren Band fast schon so etwas wie ein Lebensmotiv.Freeway Jam spielen einen klassischen, zeitlosen Rock. Die gewählten Coverversionen sind geschmackvoll ausgesucht, und das eigene Material (7 der 14 Stücke wurden von Ben Bennion geschrieben) fällt qualitativ nicht ab. Man startet den CD-Player, wird von einem Rhythmus auf der Akustikgitarre begrüßt, und schon bald kommen Bass und Schlagzeug mit rhythmischen Groove. Waiting For The Tide, in dem Bennion die Hoffnung besingt, daß die Gezeiten irgendwann in seinem Sinne kommen und gehen, hat auch sonst alle Ingredienzien des Classic Rock, wozu natürlich Soli auf der elektrischen Gitarre gehören.
Auf dem Info-Sheet zur CD erfährt man, es gehe um die 80'er Jahre, und jene, die auf den New Age-Zug gesprungen sind.
Der Titelsong der CD ist eine von Ben Bennion mit verändertem Text versehene Nummer von Bob Dylan - etwas, an das sich ursprünglich nur Ashley Hutchings  ("Million Dollar Bash") gewagt hat. Ich konnte nicht herausbe- kommen, ob, wann, und für welche Scheibe Dylan diese Nummer selbst aufgenommen hat.
Die Melodie ist ziemlich identisch mit der von It takes a lot to laugh.., das wir ja in Cropredy auch von den Fairports gehört haben.Long Way From Memphis, gesungen vom zweiten Gitarristen Nick Gould, ist ein Rocker von Lonnie Mack, einem gefragten US-Gitarristen, der aber vielen vielleicht am ehesten bekannt ist, weil er auf der Doors' "Morrison Hotel" Bass gespielt hat. 
Crazy 'Bout A Mercury, Kennern als "Mercury Blues" bekannt, wirkt im Intro fast schon country-mäßig, obwohl Freeway Jam mit dieser Musikrichtung nichts am Hut hat. Im Mittelteil spielt Ben Bennion ein schönes Solo auf der Akustischen. Chris Leslie liefert direkt im Anschluß, sich genial anpassend, ein ziemlich amerikanisch klingendes Fiddle-Solo.
Like A Rolling Stone, obwohl in den letzten Jahren ziemlich oft breit getreten, wirkt hier doch einigermaßen frisch - gesungen von Schlagzeuger Mick Bullard. Das Gitarrensolo von Ben Bennion ist sehr gefühlvoll.
Martin Allcock spielt Orgel, als hätte er sein Leben lang nichts anderes getan - und das ist als Kompliment gemeint.
In Willin', dem Little Feat-Klassiker, glänzt "Maart" mit grandiosem Mandolinen-Solo. Die Auswahl dieser Nummer ist natürlich kein Zufall.Der Autor Lowell George, verstorbener Gitarrenheld von Little Feat, war Namens- geber einer berühmten Kneipe in Barford St. Michael in Oxfordshire, wo außer den Peggs und Martin Allcock auch Mick Bullard residiert.Die tolle Pedal-Steel in dieser Aufnahme kommt von P.J. Wright.
Get It (Mobile Phone), eine Komposition von Ben Bennion, ist von der Melodie her eine Kopie von "Cropredy Hill", jener genialen Nummer dieser Band von 1994, die das Cropredy-Festival würdigt, und die zu Unrecht nicht schon seit langer Zeit ein großer Hit bei den "Croppers" ist.

Musikalische Gewürznoten in diesem Stück sind einige an Bo Diddley erinnernde Passagen.
Textlich handelt es sich einen Seitenhieb gegen "this crazy machine".
"Wenn der Fluß voll von Whisky wäre, und ich eine Ente, dann würde ich bis auf den Grund tauchen, und nie wieder hoch kommen", so heißt es in Divin' Duck Blues, einem Klassiker von Sleepy John Estes, den Freeway Jam sehr sympathisch relaxt interpretieren.
A Fisherman's Tale ist eine Eigenkomposition von Ben Bennion, mit wunderbarer Gitarrenarbeit von ihm selbst und grooviger Begleitung seiner Bandkollegen, die textlich wohl ausdrücken soll, daß er sich jedes einzelne Pfund in seinem Leben als Handwerker (der er ist) hat selbst hart erarbeiten müssen (und deswegen vernünftig damit umgeht) - sehr sympathisch !!!
Angel From Montgomery, ein Klassiker, oft nachgesungen, wurde von John Prine geschrieben, passt aber sehr gut ins Repertoire. Neben dem nachdenklich machenden Text fällt die schöne Pedal-Steel von P.J. Wright auf.
Layin' Salt Into The Wound ist von der Hookline her an Fairports "Dangerous" angelehnt. Der Text erinnert daran, daß man als Mitglied einer im relativen Wohlstand lebenden Gesellschaft nie seine Ideale vergessen sollte, und daß die Welt anderswo in einem verheerenden Zustand ist, oder wie Ben Bennion selbst formuliert, "ein Blick auf die Heuchelei der modernen Zeit".
In Van Morrisons The Healing Has Begun spielt Chris Leslie eine sehr schöne Begleitung auf der Geige zu einem irisch angehauchten Arrangement.
Daß The Band zu den Lieblingsgruppen der Jungs gehören könnte, merkt man nicht nur daran, daß Schlagzeuger Mick Bullard bisweilen singt, sondern auch an den teilweise ähnlichen Arrangements. 
Beispiel hierfür ist Ben Bennions Ladies In Waiting. Den Gesang mal nicht berücksich- tigt, könnte man es durchaus als bisher unveröffentlichte Aufnahme von The Band verkaufen. Der pazifistische Text drückt den Wunsch aus, daß es nie wieder Frauen geben soll, die am Bahnhof oder im Hafen auf ihre aus dem Krieg zurückkehrenden Männer warten.Das Stück wurde zuvor bereits schon einmal von WAZ aufgenommen. Die Stimmung ist "love & peace", auch im letzten Stück Thirty Years Too Late, und der textliche Idealismus wirkt nie plump oder plakativ. 
Ben Bennion kommt nicht mit dem erhobenen intellektuellen Zeigefinger. Wer ihn und seine sympathischen Bandkollegen kennt, kauft ihm seinen Idealismus, den Glauben an bessere Zeiten, ab.Beeinflußt von Dylans "A hard rain's gonna fall" befasst sich Ben Bennion hier mit den Ereignissen des 11.September.

Freeway Jam sind Oldies, ohne Zweifel, aber sie liefern keinen kalten Aufguss altbekannter Sachen. Sie sind um Eigenständigkeit bemüht, und ihr Auftritt in Cropredy 2002 (unten besprochen) bot neben dem Material ihrer CDs auch Interpretationen anderen gut ausgesuchten Materials.

Mick Bullard hat "Forever Young" übrigens die Zusage gegeben, an dessen 50.Geburtstag (2005) mit Freeway Jam live aufzuspielen. Vielleicht kann ich ja Fairport als Vorgruppe engagieren (war nur ein Witz!)?


 
FREEWAY JAM - Cropredy 2002

Leider konnte ich Mick Bullard und Ben Bennion von Freeway Jam nicht mehr vor dem Konzert treffen, sonst hätte ich sie mit dem Fotoalbum, das ich für sie zusammengestellt hatte, als Bestechung dazu verpflichtet, 
Feel So Good zu spielen, mit dem sie 1991 eröffnet, und damit genau meinen persönlichen Gemütszustand getroffen hatten.
Pünktlich um 16.30 Uhr legten sie los, und sie waren großartig. Bassist Andy Viccars war gerade noch rechtzeitig angekommen. Er hatte im Stau gestanden, und Martin Allcock stand bereit, um für ihn einzuspringen.
Sie spielten sehr viel eigene Stücke von ihrer neuen CD, und die Auswahl an Covern bekannterer Stücke war gelungen. Für ihr Cropredy Hill hätte man vorher etwas mehr Propaganda machen müssen, ist es doch eine sehr sympathische Hommage an dieses tolle Festival. Sie hatten es für dieses Jahr mit einem neuen Break versehen. Den Refrain zu Dylan's Like A Rolling Stone intonierte Mick Bullard einen Beat später, als man es gewohnt ist. Sehr gut kam ihre Version von Hank De Vitos Sweet Little Lisa, den meisten wohl besser bekannt von Dave Edmunds oder Albert Lee.


Die Set-List von Freeway Jam:

Something that I ain't
The mobile line
Buffalo River home
Gambler of love
Lovin' in my baby's eyes
Thirty years too late
Mobile phone
A fisherman's tale
Perfectly good guitar
Willin'
Cropredy Hill
Waitin' for the tide
The shape I'm in
Low down dirty mean
Sweet little Lisa
Like a rollin' stone

Nach dem Konzert überreichte ich das Fotoalbum und wurde dafür mit einem schmackhaften Guinness und der neuen CD belohnt. Ben Bennion erzählte mir, er habe um die Weihnachtszeit, Frau und Sohn folgend, das Rauchen aufgegeben, weil er nicht der einzige "Qualmer" in der Familie sein wollte. Mittlerweile rauchen Gattin und Sohn wieder, er aber blieb standhaft.
Das Geschenk an Freeway Jam hatte ja, wie anderswo näher erläutert, verlorene Wertsachen als Hintergrund. Leider passierte mir dieses Jahr wieder ein ähnliches Mißgeschick. 
Nach dem Auftritt der Band bemerkte ich nämlich den Verlust meines Geldbeutels mit 60 Pfund und dem Foto meiner Freundin drin - zum Glück keine Papiere und Karten.