Joyce
Gang - No True Road
(PICKAXE PA 004 2000)
(Besprechung kam als Vorbericht
für ihren Auftritt in Cropredy 2002)
www.joycegang.co.uk
"Stilvielfalt" ist das Schlüsselwort
für diese Scheibe, und instrumental eindeutig dominierend ist das
Saxofon (mal Alt-, mal Tenor-) von David Mc
Keown.
Wenn in Cropredy am Donnerstag die Joyce
Gang als zweite Band spielen wird, nachdem Freeway
Jam mit größter Wahrscheinlichkeit die Leute richtig
gut in Stimmung gebracht haben wird, dann werden wohl die meisten Besucher
schon zu diesem Zeitpunkt denken: "Mensch, Dave Pegg hat mal wieder
ein richtig anspruchsvolles und abwechslungsreiches Programm zusammengestellt".
Das erste Stück der CD, "600.000",
beginnt mit einem schmissigen E-Gitarrenriff, und dann kommt dieses Saxofon,
das uns die ganze Zeit verfolgen wird, und mich persönlich irgendwie
an Zirkusmusik erinnert, was jetzt nicht abwertend gemeint ist. Im Text
findet sich die für Musiker oft biografische Zeile "you know that
I travel around the world".
Es geht weiter mit "Campus Crusader",
dessen eingängiger, fröhlicher Rhythmus die guten alten Medicine
Head (die hatten nicht bloß das unsägliche "One and one
is one" im Programm) wiedererweckt.
"White Is The True Colour Of My True
Love's Hair", Teil 1 der zweiten Nummer, hat fast schon Cool-Jazz Charakter,
sehr sanft, und getragen von Saxofon, akustischer Gitarre und Klarinette,
sehr bald aber abgelöst von Teil 2 namens "The Hand In The Bush",
Jazz Rock pur: mitreissende Rhythmik, Gitarrenläufe im D-Zugtempo,
und Instrumentalsoli, unisono von mehreren Instrumenten gleichzeitig virtuos
gespielt.
"Closer" stellt eine scharfe Akustikgitarre
im Reggaerhythmus nach vorne. Ansonsten passiert hier wenig.
"Holy Woeful Mound" hat durch den
Charakter des Gesangs, begleitet von Percussion und Akustikgitarre, beschwörenden
Charakter. Textlich geht es um einen Friedhof in Belfast, der viele außergewöhnliche
Grabsteine vorweisen kann.
Die Soli auf der akustischen Gitarre und
das kurze Einschieben einiger Flamenco-Passagen (Paul
Downes) wirken sehr geschmackvoll.
"Sailing" ist ein simples Folkstück.
Mit Whistle, Akustikgitarre und Percussion klingt es nach einer irischen
Strassenballade. Textlich heißt es, daß man immer wieder zu
sich selbst zurückfindet.
"Somebody Else" beschreibt das Gefühl,
wenn Du einen langjährigen Freund plötzlich mit anderen Augen
siehst. Akustische Rhythmusgitarre und die elektrische Lead-Gitarre, begleitet
von Uillean Pipes, sorgen für Celtic Rock Flair.
"Paddy Goes To Holyland / The True Likeness"
ist ein witziges, sich im Tempo steigerndes Duett von Akustikgitarre und
Saxofon, später noch ergänzt durch eine Bodhran.
Intro auf der verzerrten E-Gitarre, dann
Einsatz des Saxofons, das sich aber wieder zurückzieht. "Walking
Song" kann ich mir als Publikumsfavorit vorstellen. Überwiegend
beschränkt sich das ganze auf Gesang, der zum Mitsingen animiert,
begleitet von E-Gitarre und sparsamer Perkussion und schrägen Basspassagen.
Der Song hat etwas Rotziges und erinnert
mich persönlich an Wreckless Eric.
Das kurze Akustikgitarrensolo ist grandios.
"Robert And The Cowboys", ganz simpel
arrangiert mit halbakustischen Gitarren und Percussion, ist einer meiner
Favoriten. Paul Downes hat eine mit
Ben
Bennion von Freeway Jam fast identische
Stimme. Zu einer sehr schönen Melodie wird ein allerdings eher nachdenklich
stimmender Text über jemandem, der als Alkoholiker in der Gosse landet,
vorgetragen.
"The Rose In The Thorn" wurde von
einem gewissen Mike Lennon geschrieben (entfernt
verwandt), und ist ein sehr getragener Song in Mollstimmung, ganz simpel
nur von der Akustikgitarre begleitet, mit einem eingeschobenen Solo der
Klarinette.
Über die Vergänglichkeit geht
es in "The End Of The Innocence", das mit einem Gewitter anfängt.
Die Slide-Gitarre setzt ein paar Tupfer drauf, begleitet von einer schnell
gezupften E-Gitarre, ehe schneller werdendes Schlagzeug und Saxofon das
Ganze zu einem zum Mitschnippen anregenden langen Stück mit vielen
Instrumentalsoli werden lassen.
Das abschließende "Roads" ist
ein Ohrwurm, dem man sich nicht entziehen kann, geprägt von schnellen
Akustikgitarren, Klarinette und blubberndem Bass.
Ich persönlich freue mich nach mehrmaligem
Anhören der CD darauf, die Joyce Gang
im August live zu sehen.