Joyce Gang:
www.joycegang.co.uk

Das Repertoire des Trios reicht von irischen Traditionals bis Jazz. Sie spielten bereits vor einigen Jahren schon einmal in Cropredy. Zu ihren Instrumenten gehören Gitarre, Bodhran, Saxofon, Klarinette, Cello, Mandoline und Keyboards. John Redmond, der Bodhran-Spieler, wurde in Dublin direkt neben der Guinnes-Brauerei geboren, was möglicherweise Einfluss auf seine Karriere hatte. Ehe er zur Joyce Gang kam, war er jahrelang durch Eurpa getingelt. Paul Downes lernte schon in früher Kindheit Gitarre spielen und ist seit dem 12.Lebensjahr ein enger Freund von Steve Knightley, durch den er später Phil Beer kennenlernte, mit welchem er als Duo quer durch Europa tourte, ehe sie gemeinsam die Gruppe Arizona Smoke Revue gründeten. Danach schloß er sich der Joyce Gang an und tritt bisweilen auch solo auf. David Mc Keown wuchs in Belfast auf und lernte Klarinette spielen. Er hasste zunächst dieses Instrument. Nachdem er seine große Liebe für Musik entdeckt hatte, spielte er in London jahrelang Jazz, ehe er zur Joyce Gang fand, wo er Jazz und Traditionals perfekt miteinander verbinden kann. 
Das aktuelle Album der Band ist unten besprochen.


 
Joyce Gang - No True Road
(PICKAXE  PA 004 2000)
(Besprechung kam als Vorbericht für ihren Auftritt in Cropredy 2002)
www.joycegang.co.uk

"Stilvielfalt" ist das Schlüsselwort für diese Scheibe, und instrumental eindeutig dominierend ist das Saxofon  (mal Alt-, mal Tenor-) von David Mc Keown.
Wenn in Cropredy am Donnerstag die Joyce Gang als zweite Band spielen wird, nachdem Freeway Jam mit größter Wahrscheinlichkeit die Leute richtig gut in Stimmung gebracht haben wird, dann werden wohl die meisten Besucher schon zu diesem Zeitpunkt denken:  "Mensch, Dave Pegg hat mal wieder ein richtig anspruchsvolles und abwechslungsreiches Programm zusammengestellt".
Das erste Stück der CD, "600.000", beginnt mit einem schmissigen E-Gitarrenriff, und dann kommt dieses Saxofon, das uns die ganze Zeit verfolgen wird, und mich persönlich irgendwie an Zirkusmusik erinnert, was jetzt nicht abwertend gemeint ist. Im Text findet sich die für Musiker oft biografische Zeile "you know that I travel around the world".
Es geht weiter mit "Campus Crusader", dessen eingängiger, fröhlicher Rhythmus die guten alten Medicine Head (die hatten nicht bloß das unsägliche "One and one is one" im Programm) wiedererweckt.
"White Is The True Colour Of My True Love's Hair", Teil 1 der zweiten Nummer, hat fast schon Cool-Jazz Charakter, sehr sanft, und getragen von Saxofon, akustischer Gitarre und Klarinette, sehr bald aber abgelöst von Teil 2 namens "The Hand In The Bush", Jazz Rock pur:  mitreissende Rhythmik, Gitarrenläufe im D-Zugtempo, und Instrumentalsoli, unisono von mehreren Instrumenten gleichzeitig virtuos gespielt.
"Closer" stellt eine scharfe Akustikgitarre im Reggaerhythmus nach vorne. Ansonsten passiert hier wenig.
"Holy Woeful Mound" hat durch den Charakter des Gesangs, begleitet von Percussion und Akustikgitarre, beschwörenden Charakter. Textlich geht es um einen Friedhof in Belfast, der viele außergewöhnliche Grabsteine vorweisen kann.
Die Soli auf der akustischen Gitarre und das kurze Einschieben einiger Flamenco-Passagen (Paul Downes) wirken sehr geschmackvoll.
"Sailing" ist ein simples Folkstück. Mit Whistle, Akustikgitarre und Percussion klingt es nach einer irischen Strassenballade. Textlich heißt es, daß man immer wieder zu sich selbst zurückfindet.
"Somebody Else" beschreibt das Gefühl, wenn Du einen langjährigen Freund plötzlich mit anderen Augen siehst. Akustische Rhythmusgitarre und die elektrische Lead-Gitarre, begleitet von Uillean Pipes, sorgen für Celtic Rock Flair.
"Paddy Goes To Holyland / The True Likeness" ist ein witziges, sich im Tempo steigerndes Duett von Akustikgitarre und Saxofon, später noch ergänzt durch eine Bodhran.
Intro auf der verzerrten E-Gitarre, dann Einsatz des Saxofons, das sich aber wieder zurückzieht. "Walking Song" kann ich mir als Publikumsfavorit vorstellen. Überwiegend beschränkt sich das ganze auf Gesang, der zum Mitsingen animiert, begleitet von E-Gitarre und sparsamer Perkussion und schrägen Basspassagen.
Der Song hat etwas Rotziges und erinnert mich persönlich an Wreckless Eric.
Das kurze Akustikgitarrensolo ist grandios.
"Robert And The Cowboys", ganz simpel arrangiert mit halbakustischen Gitarren und Percussion, ist einer meiner Favoriten.  Paul Downes hat eine mit Ben Bennion von Freeway Jam fast identische Stimme. Zu einer sehr schönen Melodie wird ein allerdings eher nachdenklich stimmender Text über jemandem, der als Alkoholiker in der Gosse landet, vorgetragen.
"The Rose In The Thorn" wurde von einem gewissen Mike Lennon geschrieben (entfernt verwandt), und ist ein sehr getragener Song in Mollstimmung, ganz simpel nur von der Akustikgitarre begleitet, mit einem eingeschobenen Solo der Klarinette.
Über die Vergänglichkeit geht es in "The End Of The Innocence", das mit einem Gewitter anfängt. Die Slide-Gitarre setzt ein paar Tupfer drauf, begleitet von einer schnell gezupften E-Gitarre, ehe schneller werdendes Schlagzeug und Saxofon das Ganze zu einem zum Mitschnippen anregenden langen Stück mit vielen Instrumentalsoli werden lassen.
Das abschließende "Roads" ist ein Ohrwurm, dem man sich nicht entziehen kann, geprägt von schnellen Akustikgitarren, Klarinette und blubberndem Bass.

Ich persönlich freue mich nach mehrmaligem Anhören der CD darauf, die Joyce Gang im August live zu sehen.