OYSTERBAND
www.oysterband.co.uk

 
Folgender Text wurde von mir ursprünglich als Vorankündigung für Cropredy 2002 geschrieben.

Die Pogues als Kontrast zu den traditionellen Dubliners wären wohl zuviel des Guten gewesen, zumal Dave Pegg diese Band ja sowieso nicht leiden kann. Er hat sie mal in einem Wortspiel als "The Men They Should Have Hung" bezeichnet. Die Oysterband sind auf jeden Fall die bessere Alternative. Sie haben zwar auch eine leicht punkige Attitüde, zeitigen aber garantiert ein gesitteteres Benehmen als die Pogues. 

(Mensch, bin ich ein altmodischer Dackel !) 
Die "Oysters", seit 1980 bestehend, garantieren einen sowohl treibenden und tanzbaren, als auch instrumental versierten, Folk-Rock. Die Vorläufergruppe Fiddler's Dram zählte übrigens Cathy Lesurf zu ihren Reihen und landete mit "Day Trip To Bangor" 1979 auf dem 3.Platz der englischen Hitparade. 
Danach ging Cathy zur Albion Band
Auf "Wide Blue Yonder" (1987), produziert von Clive Gregson, coverte die Band Nick Lowe's "The Rose Of England"; später machten sie das Gleiche mit New Order's "Love Vigilantes". 
Ihre Version des amerikanischen Klassikers "I Fought The Law" zählt für mich zu den Höhepunkten britischen Folk-Rocks. 
Die Oyster Band bringt vor ihrem Auftritt in Cropredy eine lange Tournee durch Europa hinter sich. Sie werden direkt vom "Sidmouth Festival" nach Oxfordshire kommen. 
Ian Telfer, Fiddle und Concertina, geboren in Falkirk und aufgewachsen in Aberdeen, jobbte sich nach wenig erfolgreichem Studium als "überqualifizierter Skinhead" durch's Leben, ehe die Musik sein Leben rettete. 
Nachdem er mit dem schon erwähnten Top-Hit viel Geld verdient hatte, gründete er zusammen mit Sänger und "Quetschen-Spieler" John Jones die eher traditionelle, noch wenig rockige "Oyster Ceilidh Band".
Er wurde in Aberystwyth in Wales geboren, wuchs aber in Yorkshire auf. Sein familiäres Umfeld machte aus ihm einen politisch interessierten, sich stark für Gerechtigkeit einsetzenden Menschen. Er hasst die Torys. Neben Musik ist Fussball seine große Liebe. 
In Exeter studierte er Politik und Soziologie; später war er eine Zeit lang Englischlehrer, ehe er Ian Telfer kennenlernte (s.o.). Musik wurde sein Beruf. Mittlerweile lebt er wieder in der Nähe von Wales und bemüht sich, wallisisch zu lernen.
"Chopper" (Ray Cooper), Bass und Cello, Sohn einer schottischen Mutter und eines englischen Vaters fing mit 14 Jahren an, Bass zu lernen, weil zwei seiner Kumpels noch ein Bassist für ihre Band fehlte. Beeinflusst von Blues, Folk-Rock, amerikanischer psychedelischer Musik, aber auch durch Velvet Underground und Iggy Pop, stellten sie plötzlich fest, daß sie Punkmusik machten. Später ging er in Brighton auf die Kunstakademie, verließ diese aber vorzeitig, schloß sich einer Punkband namens Amazorblades an und kaufte sich irgendwann ein Cello. Dann musizierte er eine Weile mit alten Freunden, die später 3 Mustaphas 3 gründeten. 1988 kam er zur Oyster Band.
Alan Prosser, Gitarrist, einst neben anderen auch mit der Albion Band zusammenarbeitend, verließ vor vielen Jahren die Kent University und schlug sich als Pizzabäcker und "Minnesänger" durch. Gerüchten zufolge erfand er als Koch die Bolognese-Sauce mit Bananengeschmack. Alan ist seit Beginn Mitglied der Oysters.
Drummer Lee Partis stammt aus Romford, Essex. Als er Frank Zappa, Jean Paul Sartre und Hedonismus kennenlernte, beschloß er Geld für einen Umzug nach San Francisco zu sparen. Zum Schlagzeug kam er dann eher zufällig, weil es auf einer Party das einzige Instrument war, zu dem sich bei einer Jam-Session niemand begab.Lee machte ein Album mit Kirsty Mac Coll und hatte mit ihr einen Auftritt bei "Top Of The Pops"; auch zur Band von Jah Wobble gehörte er eine Zeit lang.
Danach glaubte er jahrelang, spirituell werden zu müssen 
("Tai Chi"), machte keine Musik mehr, heiratete und wurde Vater. Dann rief ihn "Chopper" an, und von da an änderte sich sein Lebenslauf wieder.
 

Nachfolgend CD-Besprechung (en)


 
Oysterband - Here I Stand
(RUNNING MAN RECORDS  RUNMAN CD 101,  1999)

Mit dieser CD zeigen die Oysters nicht zum ersten Mal, daß sie sich nicht in der Folk-Rock-Schublade verkriechen wollen. Bisweilen fehlt die Aufmüpfigkeit früherer Tage, aber das ist bei dem vorhandenen musikalischen Niveau verzeihbar. Für mich sind sie immer noch die positive Alternative zu den Pogues. Außerdem haben sie sich ja schon früher bei anderen Musiksparten bedient, so etwa, als sie 1989 "Love Vigilantes" von New Order coverten.
"On The Edge", zu deutsch etwa: "auf der Kippe", heißt denn auch programmatisch der erste Titel. Die Melodie eines Reels übernimmt die Führung, aber da hören wir überraschende Versatzstücke, die von "Sgt. Pepper" und den Who stammen könnten. Das Rhythmusteam kocht, und der Chorus kommt rotzig wie eh und je.
"This Is The Voice" hingegen ist eine melancholische Nummer, fast schon brav.
"In Your Eyes" ist eher poppig, und Alan Prosser lässt erahnen, daß er wohl Richard Thompson zu seinen Lieblingsgitarristen zählt. Bodhran spielt hier Gino Lupari von Four Men & A Dog, denen ja bekanntlich Schubladendenken ebenfalls unbekannt ist.
"Street Of Dreams" ist mit schöner gezupfter Gitarre, drohnenhaftem Bass und dezentem Schlagzeugeinsatz sehr geschmackvoll arrangiert. Die angenehme Frauenstimme stammt von einer gewissen Rowan Godel. Am Ende steigert sich das Ganze zu einem "Wall Of Sound" mit Jig & Reel-Fiddle als Leadinstrument.
"Ways Of Holding On" hat mit Folk-Rock rein gar nichts zu tun. Der Sound erinnert irgendwie an 80-er Jahre Gruppen wie Echo & The Bunnymen.
"A Time Of Her Own" ist eine weitere romantische Nummer, bestimmt von Akustikgitarre und Fiddle.
"After Rain", allerdings aufwendiger arrangiert, schlägt in dieselbe Kerbe und besticht durch eine sehr schöne Melodie.
Das Intro von "I Know It's Mine" übernehmen Akustikgitarre und Fiddle, und die verzerrte E-Gitarre ist nur im Hintergrund zu hören. Ein Symbol dafür, daß sie ruhiger geworden sind?
"Someone You Might Have Been" ist ein richtiges Werk, mit einem in Moll gehaltenen Intro des Cellos, geheimnisvollen Geigensounds und interessant vertrackt gespieltem Schlagzeug.
"Kantele", ein kurzes Instrumental, wird gespielt auf dem gleichnamigen Instrument, das man am ehesten mit einer Harfe vergleichen könnte.
Es geht über in "She's Moved On", bei dem Drummer Lee Partis und Bassist Ray "Chopper" Cooper unter Beweis stellen, daß auch Ex-Folkies einem enormen Groove drauf haben können.
"Cello Drop" ist ein sehr interessantes Instrumental mit verzerrten Gitarren, rockigem Schlagzeug und Mandolinen- und Geigenwänden.
"This Tour" (sehr tanzbar) hat zunächst den Touch amerikanischen Folks, und die Kombination von Banjo und Hammond-Orgel ist eine witzige. Die Bassfiguren und das simple Schlagzeugspiel sorgen dann für ein Country-Rock-Element, wohingegen die Fiddle wiederum für keltische Tupfer sorgt. John Jones' Stimme erinnert teilweise an Elvis Costello.
"A Last Glass" bildet einen besinnlichen Abschluß, ein Instrumental, vorgetragen von Akustikgitarre und Concertina - zum Schunkeln bei Kerzenlicht.