Mark Gillespie
Supersonic Wednesday
(Chococolate Factory DVD 04CF001, auch als CD veröffentlicht)

www.gillespie.de
Biografie auf dieser Website

Die Welt ist ungerecht: während die Band Juli mit dem perfekten Sommer abkassiert, kennt die große Öffentlichkeit
den ebenfalls aus Gießen kommenden Mark Gillespie kaum. Seine Songs haben Niveau, sind musikalisch packend
arrangiert, und der eine oder andere potentielle Hit ist auch dabei.

Aufgenommen am 9.Juni 2004 im Traumstern Kino im hessischen Lich ist diese DVD ein geeignetes Dokument der erstklassigen
Performance-Qualitäten von Mark Gillespie und seinen großartigen musikalischen Mitstreitern.

Mark Gillespie wirkt sehr cool, als er die Bühne betritt, in feinem Zwirn mit Krawatte. Man macht ja schließlich zum ersten Mal
eine DVD. Sphärische Klänge leiten ein, punktuierte Drums von Markus Leukel und grooviger Bass, Peter Herrmann, kommen hinzu,
und schon sind wir mitten drin im Gillespie-Sound - You can walk, you can fly, I can see you dance to the April sun.
Ohne Übergang wird umgestiegen auf Supersonic sunday, für mich ein hitverdächtiger Ohrwurm mit grooviger
Memphis-Gitarre und herrlichem unangeberischem Solo von Thomas Dill. Mark ist so in das Stück vertieft, daß er
die Augen verschließt. The road besticht durch eine eingängige Hookline der Bassgitarre, begleitet von unaufdringlichem
Schlagzeug. Mark mimt auf seiner Akustischen ein Solo. In The river geht Mark aus sich raus und wagt einen
artistischen Luftsprung. Drummer Markus Leukel und Perkussionist Jose J. Cortijo liefern sich ein kleines Duell.
Danach bittet der Chef die Band um eine Ballade, und es folgt Compromised mit einer romantischen Piano-Figur
von Ralf Erkel. Herrlich anzuhören ist der bundlose Bass in I believe. Das Gemeine ist, wenn Bruuuuce
eine solche Nummer schreiben und veröffentlichen würde, wäre ein Top-Hit garantiert.
Rhythmisches Verständnis abseits des stupiden Geklatsches, wie zum Beispiel in manchen Rockpalästen,
beweist das mitschnippende Publikum beim gezupften Akustikgitarren-Intro von Easy.
Ralf Erkel spielt ein witziges Synth-Solo und tupft sich danach zwei Schweisstropfen von der Stirn.
Es folgt ein langes E-Gitarrensolo von Thomas Dill. Es fällt das unheimliche Charisma von Mark Gillespie
auf, das auch ohne große Posen herüberkommt. Das Intro von Daydreamer's son, Akustikgitarre und Akkordeon,
lässt uns eines der witzigsten Minenspiele, die man zuletzt gesehen hat, bewundern. Ralf Erkel hat hier
ein weiteres Talent. Als das Intro plötzlich abbricht, will das Publikum klatschen. Mit einer einzigen Handbewegung
hält es Mark zurück. Mit Kontrabass und einer weiteren Akustikgitarre wird die Nummer fortgeführt.
Textzeile:   I'm still barefoot and naked, waiting for angels to fly in my arms

Weitere Abwechslung im Arrangementrepertoire kommt durch das Handtrommel-Intro zu Give it time.
Das Stück ist geprägt durch gefühlvolles Klavierspiel, leisen Kontrabass und authentisch wirkenden souligen Gesang.
So damn young weckt Reminiszenzen an die alten Santana und ihr O ye como va. Das Publikum steht sofort
auf den Beinen und groovt mit. Erkels Orgelsolo ist mindestens genauso gut wie einst bei Gregg Rolie.
In Roses kommen die beiden Sängerinnen Tess Wiley, die eine Strophe singt, und Miriam Pfaff besonders zur Geltung.
Sie sind nicht, wie so oft bei anderen Bands, als rein optischer, musikalisch überflüssiger, Blickfang eingesetzt
(obwohl sie auch das sind), sondern sie sind nicht wegzudenken, und man merkt ihnen den Spaß, den sie haben, an.
Bei Mindless people animiert Mark das Publikum zum Mitmachen beim gepfiffenen Intro. Mit einem Solo auf der
Akustischen beweist er, daß er auch in dieser Beziehung ein Könner ist.

Was mehr und auffällt ist, daß man selten eine Band mit einer derartig guten Chemie sieht.

In einer Handtrommel kreisender Sand erzeugt den Klang des Meeresrauschens zu Beginn von Waterfront.
Das Publikum verhält sich diszipliniert still. Mark flüstert die Ansage des Stückes ins Mikrofon. Mit einem an Every breathe you take
erinnernden Basslauf stellt es für mich einen potentiellen Top-Hit dar. You hat fast magische Wirkung und klingt aus
mit den Worten let your spirit fly. Die letzte offizielle Nummer, Spooky, besticht durch ein schmissiges Gitarrenriff.
Als Zugabe kommt The light at the end, von Mark mit den Worten for the peace of our restless souls versehen.
Peter Herrmann spielt ein grandioses Solo auf dem Bass. Das leise Ausklingen des Konzerts ist faszinierend.
Das Publikum steht auf, um den Musikern zu danken.

Eine spaßige Beigabe sind die Bonus-Tracks. Der filmische Direktor Marco Laufenberg muß während der Probe (mit
Publikum) ein Band wechseln. Mark Gillespie erfindet spontan einen Text zu dieser Situation.
Unter anderem reimt er zum Bluesrhythmus:
It's almost finished, das glaub ich kaum. Ich bin mein eigener Pausenclown

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(Miriam Pfaff)
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(Ralf Erkel)